Aerosolforscher: "Public Viewing bei EM ist eine gute Idee"

Public Viewing: Wie geht das in Coronazeiten? Aktuelle Stunde 09.06.2021 UT Verfügbar bis 16.06.2021 WDR Von Jens Eberl

Aerosolforscher: "Public Viewing bei EM ist eine gute Idee"

Am Freitag ist die Fußball-EM gestartet. In Biergärten und Kneipen treffen sich Fans vielerorts zum Public Viewing. In Corona-Zeiten eine gute Idee? Ja, findet ein renommierter Aerosolforscher.

Rudelgucken oder Public Viewing ist seit dem WM-Sommermärchen 2006 fester Bestandteil der deutschen Fußballkultur. Umso schöner, dass dies trotz Corona zum Start der EM in den meisten Teilen von NRW wieder möglich ist. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Lieber Fußballgucken draußen oder mit Freunden zu Hause?

Aerosolforscher Gerhard Scheuch im Interview mit dem WDR.

Aerosolforscher Gerhard Scheuch

"Das Public Viewing draußen ist eine gute Idee", sagte der bekannte Aerosolforscher Dr. Gerhard Scheuch dem WDR am Mittwoch. Die Infektionsgefahr lauere in Innenräumen. Scheuch: "Wir wissen aus der Aerosolforschung jetzt seit anderthalb Jahren, dass die allermeisten Infektionen in Innenräumen stattfinden. Deswegen: Je öfter wir uns nach draußen begeben, desto besser. Public Viewing ist die absolut bessere Alternative zum Fußballgucken vorm eigenen Fernseher mit fünf, sechs Kumpels zu Hause."

Tooor! Darf man sich jubelnd in den Armen liegen?

Aerosolforscher Scheuch hält einen kurzen Torjubel draußen für ungefährlich. Wenn man sich mit jemandem jubelnd in den Armen liege, passiere das ja nicht von Angesicht zu Angesicht: "Die Köpfe sind dabei nebeneinander und die Aerosolwolke geht eben aneinander vorbei." Wenn es Ansteckungen draußen gegeben habe, hätten die Personen etwa 15 Minuten lang Gesicht zu Gesicht gestanden.

Ansteckung beim Public Viewing im Freien: Gefahr "sehr gering"

WDR 5 Morgenecho - Interview 10.06.2021 05:24 Min. Verfügbar bis 09.06.2022 WDR 5


Download

Ist beim Public Viewing mit Ansteckungen zu rechnen?

Einzelne Ansteckungen könne es geben, so Scheuch. Aber es werde draußen nie zu Cluster-Infektionen kommen: "Infizierte werden nicht 20, 30, 50 Personen anstecken wie zum Beispiel bei einer Chorprobe in Washington, wo von 61 Personen 50 infiziert worden sind, weil der ganze Raum aerosolgeschwängert war und die Virenlast so hoch war", sagt der Aerosolforscher.

Was muss man beim Public Viewing beachten?

Laut Scheuch sollte man beim Rudelgucken die natürliche soziale Distanz zu seinen Mitmenschen von einem bis anderthalb Meter einhalten. Biergärten und Terrassen sollten nicht überfüllt sein, sanitäre Anlagen gut belüftet. Bei der An- und Abreise sollte man darauf achten, dass man nicht im vollbesetzten Bus oder in der Bahn bei geschlossenen Fenstern stundenlang zu dem Event fährt.

Mit wie vielen Freunden darf ich privat EM gucken?

Das hängt vom Inzidenzwert des Wohnorts ab. Wenn die Inzidenz seit mehr als fünf Tagen unter 35 liegt, darf man sich mit bis zu fünf anderen Haushalten treffen, Geimpfte und Genesene zählen dabei nicht mit. Wenn alle getestet sind, darf man theoretisch sogar mit bis zu 100 Leuten zusammen gucken.

Wenn die Inzidenz stabil zwischen 35 und 50 liegt, darf man ungetestet mit bis zu drei Haushalten gucken. Wenn sich vor dem Rudelgucken alle testen, dürfen sich bis zu zehn Menschen aus beliebig vielen Haushalten treffen.

Wenn die Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt, dürfen sich Menschen aus zwei Haushalten treffen, Geimpfte und Genesene zählen nicht mit.

Wie hoch die aktuelle Inzidenz am eigenen Wohnort ist und seit wie lange das schon so ist, kann man hier nachgucken:

Unter welchen Bedingungen kann man in Lokalen Fußball gucken?

Es gelten die Bedingungen, die auch sonst für die Gastronomie gelten, das heißt: Bei Inzidenz zwischen 50 und 100 mit Test in der Außengastronomie, bei stabiler Inzidenz zwischen 50 und 35 draußen ohne Test, drinnen mit. Wenn die Inzidenz am jeweiligen Ort stabil unter 35 liegt braucht man eventuell auch keinen Test mehr für drinnen - dann nämlich, wenn die Inzidenz in ganz NRW unter 35 liegt.

Sofern es die Coronalage zulässt, ist Public Viewing in der Außengastronomie grundsätzlich bis Mitternacht möglich, so die Landesregierung. Ansonsten gelte ein Schutz der Nachtruhe ab 22.00 Uhr. Die konkreten Entscheidungen treffen allerdings die lokalen Behörden.

Wie viele Gastronomen Public-Viewing anbieten werden, wird wohl sehr unterschiedlich sein. "Die ganze Vorbereitungszeit, die man sonst hatte, ist dieses Jahr weggefallen, deshalb fragen sich jetzt viele Gastronomen: Bekomme ich jetzt noch Leinwand und Beamer organisiert? Lohnt sich das wirtschaftlich?" sagt Thorsten Hellwig vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband NRW.

Große Sause für die UEFA - die EM in Corona-Zeiten

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 29.05.2021 57:10 Min. Verfügbar bis 23.05.2041 WDR 5


Download

Was sollte ich beim Gucken daheim mit Freunden beachten?

Beim Fußballgucken wird es gerne mal laut. Je lauter man redet und schreit, desto mehr Aerosole verbreiten sich. Wer sich und andere vor dem Coronavirus schützen will, könnte den Fernseher, wenn möglich, auf die Terrasse oder den Balkon stellen.

DFB-Team in Seefeld: Spaß und Leidenschaft auf dem Weg zur EURO 2020 Sportschau 31.05.2021 01:30 Min. Verfügbar bis 31.05.2022 Das Erste Von Bernd Schmelzer

Stand: 11.06.2021, 06:55