Türkei ja, Belgien nein - Wie sinnvoll ist die Einteilung in Risikogebiete?

Türkei ja, Belgien nein - Wie sinnvoll ist die Einteilung in Risikogebiete?

  • Liste der Risikogebiete nicht besonders transparent
  • Offenbar auch politische Entscheidung
  • Reisehinweis für Katalonien, aber nicht für Antwerpen

In Belgien haben sich in der Region Antwerpen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen 135 Menschen infiziert (Stand: 28.07.2020). Nach den deutschen Kriterien hätte schon ein Wert von 50 Neuinfektionen gereicht, um Antwerpen zum Corona-Hotspot zu erklären.

Trotzdem ist Belgien nicht auf der Liste der Risikogebiete. In dieser werden Länder aufgeführt, nach deren Besuch Urlauber in eine 14-tägige Quarantäne müssen oder zu einem Corona-Test verpflichtet sind. Auch Spanien ist nicht auf der Liste, obwohl sogar von Reisen in bestimmte spanische Regionen abgeraten wird. Die Türkei hingegen ist auf dieser Liste aufgeführt, obwohl dort die offiziellen Fallzahlen nicht so hoch sind.

Wann welches Land auf der Liste landet, ist nicht immer nachzuvollziehen.

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Einteilung in Risikogebiete politische Entscheidung?

In der Liste der Risikogebiete auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts sind keine Gebiete oder Regionen zu finden, sondern ausschließlich Staaten. Auf der Liste landen Staaten automatisch, wenn es dort in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab.

Auf der Liste sind aber auch Staaten, die unter diesem Wert liegen - wenn die Datenlage dort zum Beispiel nicht ganz klar oder vertrauenswürdig ist. Auch die Ausstattung des Gesundheitssystem, die Testmöglichkeiten vor Ort und die allgemeinen Corona-Maßnahmen des Landes fließen laut Amt in die Bewertung ein.

Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht diese Liste. Die Einstufung als "Risikogebiet" erfolgt aber nach Absprache des Bundesministeriums für Gesundheit, des Auswärtigen Amts und des Innenministeriums. Es scheint also auch eine politisch Entscheidung zu sein, die wenig transparent ist.

Für SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach macht diese Einteilung keinen Sinn. Inzwischen komme es auf das Risikoverhalten an: "Diejenigen die in Nicht-Riskogebieten gewesen sind, haben sich zum Teil viel gefährlicher verhalten, als Leute, die weit gereist sind", so Lauterbach. Es sei eine rein juristische Entscheidung.

Spanien: Reisehinweis aber kein Risikogebiet

Zwei Männer tragen einen Mund- und Nasenschutz in Barcelona

Von Reisen nach Barcelona rät das Auswärtige Amt aktuell ab.

Neben dieser Liste der Risikogebiete auf den Seiten des Robert Koch Instituts gibt es Länder oder Regionen, für die Reisehinweise ausgesprochen werden und Länder, für die es Reisewarnungen gibt. Die Reisewarnung ist die höchste Warnstufe des Auswärtigen Amtes, Urlauber können dann in der Regel kostenfrei stornieren. Am Dienstag (28.07.2020) hat das Auswärtige Amt einen Reisehinweis veröffentlicht und davon abgeraten, in die spanischen Regionen Katalonien, Aragón und Navarra zu reisen, weil die aktuellen Infektionszahlen dort besonders steigen. Mit seinen Reisehinweisen - nicht Reisewarnungen - überlässt das Auswärtige Amt die Entscheidungen aber den Reisenden selbst.

Einen Reisehinweis für Antwerpen gibt es übrigens nicht, obwohl es dort in den letzten sieben Tagen mehr Infizierte pro 100.000 Einwohner gab als zum Beispiel in Katalonien.

Stand: 30.07.2020, 08:34

Weitere Themen