Online-Handel und Corona: Paketflut zu Weihnachten

Pakete und Päkchen in unterschiedlichen Größen werden auf einem Fließband transportiert.

Online-Handel und Corona: Paketflut zu Weihnachten

Von Jörn Kießler

In der Corona-Krise boomt der Online-Handel. Zur Vorweihnachtszeit erwarten Logistikunternehmen viel Arbeit, Umweltschützer tonnenweise Verpackungsmüll. Ein Besuch bei DHL Express am Flughafen Köln/Bonn.

Die erste Frachtmaschine ist an diesem Abend noch nicht gelandet, trotzdem ist schon viel los im sogenannten Air Hub des Logistikunternehmens am Flughafen Köln/Bonn. Während ein Teil der Mitarbeiter Pakete und Päckchen auf Fließbänder legt, laden andere mit Gabelstaplern Paletten von Lastwagen ab.

Leere Container werden an die Stellen geschoben, an denen die Sortieranlage gleich die Sendungen für den nächsten Frachtflieger ausspuckt. Sobald um 21.56 Uhr die erste Maschine des Abends aus Budapest gelandet ist, muss es schnell gehen. Denn die Boeing 752 wird voraussichtlich voller sein als gewöhnlich. Das Weihnachtsgeschäft hat begonnen.

Vom Lastwagen in den Flieger: Ein Besuch bei DHL Express

Tausende Sendungen laufen täglich im Air Hub von DHL Express am Flughafen Köln/Bonn ein. Mehrere hundert Menschen arbeiten hier – und eine riesige Sortieranlage.

Zwei Mitarbeiter räumen Pakete in einen Container im Logistikzentrum von DHL Express am Flughafen Köln/Bonn

400 Mitarbeiter sind im Logistikzentrum von DHL Express am Flughafen Köln/Bonn beschäftigt. Etwa 320 davon arbeiten im Kerngeschäft, sie kümmern sich um alles, was mit dem Transport der Sendungen zu tun hat.

400 Mitarbeiter sind im Logistikzentrum von DHL Express am Flughafen Köln/Bonn beschäftigt. Etwa 320 davon arbeiten im Kerngeschäft, sie kümmern sich um alles, was mit dem Transport der Sendungen zu tun hat.

Unterstützt werden die Mitarbeiter von einer Sortieranlage, die DHL erst im vergangenen Jahr installiert hat. In das Herz des sogenannten Air Hubs werden alle Pakete eingespeist, die das Logistikzentrum erreichen.

Waren und Güter, die nicht per Flugzeug kommen, müssen erst überprüft werden, damit sie in den Sicherheitsbereich des Flughafens können. Dafür gibt es mehrere Röntgengeräte, die so groß sind, dass ganze Paletten hineinpassen.

Nach der Röntgen-Kontrolle werden die Paletten mit Gabelstaplern abtransportiert und für den Weitertransport per Flugzeug vorbereitet.

Dafür kommen alle Sendungen, egal wie groß oder klein, auf das insgesamt 2,7 Kilometer lange Fließband der Sortieranlage.

In dieser werden die Pakete und Päckchen nicht nur geröntgt und ihre Adress-Etiketten gescannt. Die Anlage sortiert sie auch nach Größe.

Und während die größeren Sendungen einzeln in Luftfrachtcontainer kommen, die möglichst platzsparend in die Flugzeuge passen...

... werden kleinere Päckchen in einem zweiten Kreislauf noch einmal nach ihrem Bestimmungsort sortiert.

Sie landen am Ende in einem von 144 Säcken, der dann wiederum in den entsprechenden Luftfrachtcontainer geladen wird.

Besonders einfach lassen sich genormte Pakete - wie diese hier von einem Online-Händler - stapeln. Das hat allerdings zur Folge, dass viele der einheitlichen Pakete zu groß für die darin enthaltenen Produkte sind. So entsteht extrem viel Verpackungsmüll.

Die fertig gepackten Container werden dann auf die Flugzeuge verladen. Im vergangenen Jahr wurden laut Flughafen 815.000 Tonnen Waren und Güter am Flughafen umgeschlagen. Bis Ende Oktober 2020 waren es bereits 700.000 Tonnen, was ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

Bereits während des ersten Lockdowns starteten jede Woche etwa 700 Frachtmaschinen vom Flughafen Köln/Bonn, wie diese Boing 752 von DHL Express.

Online-Handel rechnet mit Umsatzplus

Der Trend, Geschenke online zu bestellen, hat sich durch die Corona-Pandemie noch verstärkt. Der Handelsverband Deutschland geht davon aus, dass der Online-Handel im November und Dezember dieses Jahres ein Drittel mehr Umsatz machen wird als im Weihnachtsgeschäft 2019. Das macht sich vor allem im Logistikbereich bemerkbar.

"Wir hatten neulich eine Nacht, da haben wir 70.000 Sendungen verarbeitet", sagt Detlef Schmitz, Leiter des DHL Express Logistikzentrums. "Unter normalen Bedingungen reden wir in der Vorweihnachtszeit von vielleicht 50.000 pro Nacht." Allein im Dezember rechnet er mit 1,1 Millionen Sendungen. Zum Vergleich: Im Dezember 2019 waren es 757.000.

Passagiermaschinen fallen für Frachtverkehr aus

Von den tausenden Paketen, die dort jede Nacht ankommen, landet ein Großteil gar nicht bei deutschen Kunden. "Unser Hauptgeschäft hier ist es, Fracht aus einem Flieger auf andere Flieger zu verteilen", erklärt Schmitz. "Wenn beispielsweise jemand aus Oslo ein Smartphone bestellt, das in Asien produziert wird, wird es hier auf ein Flugzeug in Richtung Skandinavien umgeladen."

Logistikzentrum Flughafen: 70.000 Sendungen in einer Nacht

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.12.2020 05:11 Min. Verfügbar bis 03.12.2021 WDR 5


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Gerade für solche Fracht müssen Logistikunternehmen teilweise zusätzliche Flugzeuge einsetzen. "Etwa die Hälfte des weltweiten Frachtumschlages wird normalerweise in den Frachträumen von Passagiermaschinen mittransportiert", sagt Alexander Weise vom Flughafen Köln/Bonn. Seitdem der Passagierflugverkehr durch die Corona-Pandemie eingebrochen ist, gebe es diese Möglichkeit jedoch kaum noch.

CO2-Ausstoß nicht gestiegen

Doch der boomende Online-Handel hat auch Schattenseiten. Einerseits fehlen den Geschäften in den Innenstädten die Kunden. Und andererseits wird die Umwelt belastet.

Immerhin, der Ausstoß von CO2 sei durch den Transport von tausenden zusätzlichen Paketen in der Corona-Pandemie nicht gestiegen, sagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). "Da sind die Einsparungen durch den eingebrochenen Individualverkehr größer", sagt Thomas Fischer, der sich bei der DHU mit dem Thema Kreislaufwirtschaft beschäftigt.

Problematisch sei der gestiegene Frachtverkehr trotzdem. "Seit dem Beginn der Pandemie werden immer mehr Dinge des täglichen Bedarfs online bestellt, die sonst im Geschäft um die Ecke gekauft werden", so Fischer. Und dort komme man gewöhnlich zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln hin.

Online-Handel produziert Verpackungsmüll

Viel gravierender sei jedoch der anfallende Verpackungsmüll. "Vor allem der kostenlose Versand und Rückversand sorgen dafür, dass die Menge an Papier, Pappe und Karton durch die Decke geht", sagt Fischer.

Ein Grund dafür ist auch, dass die Kartons laut Fischer im Schnitt zu zwei Dritteln mit Luft oder Füllmaterial gefüllt sind. "Viel zu häufig werden von Versandhändlern Einheitsverpackungen genutzt, sodass Verpackungs- und Produktgröße oft nicht zusammenpassen", sagt Fischer.

"Für Händler ist es so einfacher, aber schlecht für die Umwelt." Zudem seien einheitliche Pakete leichter zu transportieren.

Das wird auch im Air Hub von DHL deutlich, wo gerade mehrere Dutzend Pakete von einem Online-Versandhandel verladen werden. Schon lange bevor der Flieger gelandet ist, der sie mitnehmen soll, sind die Pappkisten akkurat bis unter die Decke des Containers gestapelt.

Ein Zeitgewinn, den die Mitarbeiter gerne mitnehmen. Auf sie warten diese Nacht noch Dutzende andere Container, die gepackt werden müssen.

Stand: 04.12.2020, 06:00