Rückblick: Erste Corona-Meldung aus China vor rund einem Jahr

Rückblick: Erste Corona-Meldung aus China vor rund einem Jahr

Von Katja Goebel

Nichts hat uns 2020 so in Atem gehalten wie das Corona-Virus. Die Welt ist seit Monaten im Ausnahmezustand und die Pandemie sorgt für Meldungen im Minutentakt. Rückschau auf ein Jahr zwischen Bangen und Hoffen.

Am Anfang war es nur ein unbekanntes Virus in China - weit weg von uns - vielleicht nur eine von vielen Schlagzeilen, dachten viele. Doch dann kam alles ganz anders. Was im Dezember und Januar noch eine beunruhigende Meldung war, wuchs sich innerhalb von Wochen zur weltweiten Krise aus.

Am 31.12.2019 meldeten chinesische Behörden offiziell eine neue Lungenkrankheit. Die Gesundheitskommission der Stadt Wuhan sprach von einer viralen Lungenentzündung. Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch wurde ausgeschlossen. Einen Tag zuvor warnte der chinesische Arzt und Whistleblower Li Wenliang vor dem Ausbruch des Coronavirus. Der 34-jährige Augenarzt starb selbst wenige Wochen später, am 6.2.2020, in Wuhan an Corona. Er hatte sich bei einer Patientin angesteckt.

Einmal um die ganze Welt

In großer Geschwindigkeit verbreitete sich der Erreger über den ganzen Erdball. Spätestens als von infizierten Urlaubern in Ischgl oder von erkrankten Karnevalisten in NRW die Rede war, wurde das Virus zur nahen Bedrohung und zum Dauerthema auch in Deutschland.

Im Laufe des Jahres infizierten sich Millionen von Menschen weltweit, Hunderttausende starben. Eine Lungenkrankheit, die die Welt lahmlegt - so etwas hätte sich zuvor kaum jemand vorstellen können.

Deutschland im Lockdown

Wichtigste Maßnahme um die weitere Ausbreitung des Virus zu stoppen: Der Lockdown. Schulen und Kitas machten dicht. Firmen schickten ihre Mitarbeiter wenn es ging ins Homeoffice. Die meisten Läden machten zu, auch Friseure, Massagesalons, Tattoostudios und Nagelstudios schlossen.

Der Lockdown führte zu Produktionsausfällen und ausbleibenden Einnahmen - ganze Branchen waren auf einmal betroffen. Die Gastronomie, die Tourismusbranche und die Kulturszene waren die großen Verlierer der Pandemie. Geschlossene Theater, Musikclubs, Konzerthallen und Kinos machten viele in der Kulturszene plötzlich arbeitslos. Gestrichene Reisen ließen Flieger auf dem Boden bleiben, Reiseunternehmen fürchteten die Pleite. Restaurants, Kneipen, Clubs und Cafés mussten ebenfalls für Wochen dicht machen. Mit Soforthilfen unterstützten Bund und Länder Unternehmen, Kleinbetriebe und Freiberufler.

Die Worte der Krise: Von AHA bis Maske

Angela Merkel mit Maske

Maskenpflicht: Auch für die Bundeskanzlerin

Die Krise kreierte Begriffe, die plötzlich in aller Munde waren: Lockdown, Quarantäne, Risikogebiet, Ausgangssperre, AHA-Regel, Geisterspiele, Kontaktbeschränkung, Beherbergungsverbot, systemrelevant, Warn-App. "Corona-Pandemie" wurde das Wort des Jahres. Sie sorgte das ganze Jahr hindurch für Schlagzeilen im Minutentakt und rückte ein ganz neues Accessoire ins Gesichtsfeld - die Maske.

Kreativität und Hoffnung

Doch das Virus machte auch noch was anderes mit den Menschen. Fahrräder boomten, Spielehersteller jubelten, es gab viel Solidarität im Netz. Das Autokino erlebte eine Renaissance. Nicht nur zum Coronatest sondern auch zum Nikolaus führte 2020 ein Drive-In. Und man lernte, was dem Deutschen wirklich wichtig ist. Klopapier zum Beispiel.

Die Bundesregierung spannte Rettungsschirme in Milliardenhöhe, Menschen klatschten für Krankenpfleger und Wissenschaftler vollbrachten Erstaunliches. Sie schafften in Rekordzeit einen Corona-Impfstoff. Viele gehen jetzt hoffnungsvoller in Jahr 2021.

Das Corona-Jahr - zwölf Bilder der Pandemie

Von Katja Goebel

Wuhan, Bergamo, Ischgl, Gangelt, Lockdown, AHA-Regeln, Geisterspiele, Maskenpflicht, Beherbergungsverbot - ein denkwürdiges Jahr neigt sich dem Ende. Ein Rückblick in Bildern.

Arbeiter in Schutzkleidung

Januar – Ausbruch in Wuhan
Im chinesischen Wuhan sorgt Anfang 2020 eine mysteriöse Lungenkrankheit für Aufregung. Dutzende Menschen sind dort plötzlich an einem neuartigen Coronavirus teils lebensgefährlich erkrankt. Einer von ihnen überlebt die Infektion nicht. Der 61-Jährige ist das erste Corona-Todesopfer. Alle Patienten haben sich auf einem Markt in Wuhan angesteckt.

Januar – Ausbruch in Wuhan
Im chinesischen Wuhan sorgt Anfang 2020 eine mysteriöse Lungenkrankheit für Aufregung. Dutzende Menschen sind dort plötzlich an einem neuartigen Coronavirus teils lebensgefährlich erkrankt. Einer von ihnen überlebt die Infektion nicht. Der 61-Jährige ist das erste Corona-Todesopfer. Alle Patienten haben sich auf einem Markt in Wuhan angesteckt.

Februar - Die Toten von Bergamo
Mit hohem Tempo hat sich das Virus längst über Ländergrenzen hinweg ausgebreitet. Keine andere Region in Europa ist zu Beginn der Pandemie so heftig vom Corona-Virus getroffen wie die Lombardei in Nord-Italien. Bergamo gilt als ein Epizentrum der Corona-Krise. Bilder von Leichentransporten und überfüllten Intensivstationen gehen um die Welt.

Auch in Deutschland werden erste Fälle bekannt. So wie im Kreis Heinsberg in NRW - mitten in der Karnevalssession. Nach der großen Sause kommt das böse Erwachen. Hunderte Jecken, die eine Karnevalsitzung in Gangelt besucht hatten, müssen in Quarantäne. Ein Kölschkranz der Feier landet Monate später als Exponat der Erinnerung im Bonner Haus der Geschichte.

März – Die Welt fährt runter
In Österreich wird der Skiort Ischgl zum Corona-Hot-Spot. Urlauber hatten sich reihenweise beim Aprés-Ski infiziert. In weiten Teilen der Welt kommt das öffentliche Leben zum Erliegen. Die Weltgesundheitsorganisation ruft eine Pandemie aus. Auch in NRW schließen Schulen und Kitas. Restaurants und Bars werden dichtgemacht. In der Kulturbranche sorgen sich jetzt viele um Ihre Existenz. Mit Hilfspaketen versucht die Politik die größte Not abzumildern. Etliche Deutsche arbeiten im Homeoffice. Helfer und Pflegekräfte bekommen spontanen Applaus von Mitmenschen, aber auch Hamsterkäufe nehmen zu. Plötzlich sind Klopapier, Nudeln und Mehl ständig ausverkauft.

Angela Merkel wendet sich in einer Fernsehansprache an die Nation – erstmals in ihrer Amtszeit - außer ihrer Reden zum Jahreswechsel. "Es ist ernst", sagt die Bundeskanzlerin. "Seit dem zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames, solidarisches Handeln ankommt."

April – Nur noch mit Mundschutz einkaufen
Das Robert-Koch-Institut rät dazu, in der Öffentlichkeit einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Von da an gehört es zum Alltag, mit Maske zum Einkaufen zu gehen. Kassiererinnen sitzen fortan hinter Plexiglas, an vielen Eingangstüren stehen Desinfektiosmittel. Da hat die Zahl der Infizierten weltweit bereits die Millionen-Marke überschritten. Wer sich im Ausland aufgehalten hat, muss sich nach der Rückkehr in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.

Mai - Geisterspiele vor Pappkameraden
Fußballspiele finden jetzt ohne Publikum statt. Diese "Geisterspiele" bringen Frust für die Fans und zwingen zu kreativen Ideen. Bei manchen Spitzen-Derbys sitzen schon mal hunderte Pappkameraden auf den Tribünen.

Während Vizekanzler Olaf Scholz bis Jahresende einen Schutzschirm von fast 57 Milliarden Euro über die Kommunen in Deutschland spannen will, machen sich die Menschen zumindest wieder Hoffnung auf einen Sommerurlaub in Europa.

Juni – Hot-Spot Fleischindustrie
Doch der nächste Hot-Spot lässt nicht lange auf sich warten. Beim Fleischverarbeiter Tönnies in NRW bricht Corona aus. Hunderte Arbeiter infizieren sich. Der Ausbruch wirft auch ein Schlaglicht auf miese Arbeits-und Wohnverhältnisse der Beschäftigten in der Fleischindustrie.

Die Corona-Warn-App startet. Mit Beginn der Ferienzeit werden die Reiseregeln verschärft. Urlauber aus Landkreisen mit hohen Infektionszahlen müssen in Hotels einen negativen Test vorzeigen.

Juli – Aus dem Flieger in die Teststation
Nach einer Beruhigung der Zahlen steigt die Infektionsrate wieder bedenklich. Eine neue Wortschöpfungen macht die Runde: Die AHA-Formel (Abstand-Hygiene-Alltagsmaske). Für heimkehrende Flugreisende gibt es jetzt kostenlose Tests schon an den Flughäfen. Vor den Terminals, neben Check-in-Schaltern oder in Flughafen-Parkhäusern werden provisorische Teststationen errichtet.

August – Demos gegen Coronamaßnahmen
In Deutschland regt sich öffentlich Protest gegen die verhängten Coronamaßnahmen. Menschen protestieren gegen Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und Hygieneverordnungen. Unter die Demonstranten mischen sich auch gezielt Rechtsextreme.

Eine der größten Demos ist ein Protestzug durch Berlin mit Zehntausenden Menschen - darunter Reichsbürger, AfD-Anhänger und Esoteriker. Einige Hundert Demonstranten versuchen dabei, in das Reichstagsgebäude einzudringen. Politiker aller Parteien verurteilten die Ereignisse scharf und warnen vor Gewalt und Radikalisierung.

September - Angst vor der zweiten Welle
Die Zahl der Neuinfektionen steigt wieder. Vieles spricht für eine zweite Welle und es gibt immer mehr Risikogebiete im Land. Die Folge: schärfere Corona-Auflagen, Alkoholverbote, Sperrstunden und strenge Kontaktbeschränkungen. Bei der Kommunalwahl in NRW wählen die Bürger erstmals mit Maske und eigenem Stift.

Oktober - Das Jahr der Virologen
Selten rückte ein Virologe so ins Sichtfeld der Öffentlichkeit wie Christian Drosten. Der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin ist einer der gefragtesten Experten im Coronajahr - mit eigenem Podcast. Im Oktober erhält er das Bundesverdienstkreuz. Auch andere Virologen sind gefragte Dauergäste in den Medien und sollen die Lage erklären.

Immer mehr NRW-Kommunen überschreiten im Herbst den Inzidenzwert. Pünktlich zur Ferienzeit verhängen einige Bundesländer jetzt wieder Einreise- und Beherbergungsverbote. Viele Länder werden zu Risikogebieten. Auch US-Präsident Donald Trump erkrankt an Corona. Nach drei Tagen kehrt er wieder ins Weiße Haus zurück.

November – Impfstoff in Sicht
Der Lockdown light ist da. Gastronomie und Kultureinrichtungen müssen wieder schließen. Auch Karneval fällt flach. Doch mitten in der Krise eine hoffnungsvolle Meldung: Das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmariese Pfizer beantragen eine Notfallzulassung bei der US-Arzneimittelbehörde für ihren Corona-Impfstoff. Laut Hersteller, soll der Impfstoff einen 95-prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten. Am Ende des Monats wird "Corona-Pandemie" zum Wort des Jahres gekürt.

Dezember - Lockdown am Jahresende
Dann kommt er doch noch vor Weihnachten - der harte Lockdown. Geschäfte und Restaurants schließen wieder, Schüler bleiben zu Hause. NRW verspricht weitere Coronahilfen für Unternehmen, Händler und Freiberufler. Es werden in Rekordzeit Impfzentren eingerichtet - mehr als 50 allein in NRW. Erste Corona-Impfungen sollen in Deutschland Ende Dezember starten.

Kurz vor Weihnachten dann noch eine Hiobs-Botschaft: Großbritannien meldet eine Mutation des Virus, die noch ansteckender sein soll. Flugverbote für das Vereinigte Königreich werden verhängt. Doch aus der Wissenschaft kommt Beruhigung. Der Impfstoff könne angepasst werden.

Stand: 31.12.2020, 18:14