Indirektes Schuldbekenntnis: Gottesdienst in Essen nach Missbrauchs-Studie

Stand: 23.01.2022, 16:24 Uhr

Im ersten Sonntagsgottesdienst im Essener Dom nach Bekanntwerden der Missbrauchs-Studie sprach Weihbischof Wilhelm Zimmermann das Thema nur kurz und verklausuliert an. Auch im Bistum Essen hatte es zahlreiche Fälle sexualisierter Gewalt von Priestern gegeben.

Von Olaf Biernat

Es war der erste Sonntagsgottesdienst nach Bekanntwerden der Missbrauchs-Studie, die hohe Wellen geschlagen hat. Beim Pontifikalamt am Sonntagvormittag war der Essener Dom fast voll besetzt. Viele Gläubige hatten erwartet, dass der Weihbischof Stellung zu den Fällen bezieht, doch Weihbischof Wilhelm Zimmermann ging nur indirekt darauf ein.

Missbrauchs-Skandal nur verklausuliert zum Thema gemacht

"Wie sollen wir vor Gott und der nächstfolgenden Generation bestehen?", fragte Zimmermann in Anlehnung an ein Zitat des Seligen Nikolaus Groß, dem in diesem Gottesdienst gedacht wurde. "In der aktuellen Situation der Kirche ist so ein Satz sicher auch prägend für uns. Und so wollen wir zunächst vor Gott bekennen, dass wir schuldig geworden sind", so der Weihbischof weiter. Mehr war zu dem großen Thema "Missbrauch in der Katholischen Kirche" nicht zu hören.

Gläubige reagieren unterschiedlich

Nach dem Gottesdienst sagten viele Gläubige, das reiche ihnen nicht aus. Sie zeigten sich erschüttert nach den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen und hätten sich gewünscht, dass das Thema in dem Gottesdienst einen größeren Stellenwert bekommen hätte. "Der Bischof hat einen kleinen Satz dazu gesagt, das finde ich wenig. Ich hätte mir mehr deutliche Distanzierung erwartet", sagte ein Christ nach dem Gottesdienst im Essener Dom.

Der Essener Dom | Bildquelle: WDR / Olaf Biernat

Andere Teilnehmer sind anderer Meinung "Ich war froh, in der Messe nicht so sehr mit dem Missbrauchs-Skandal konfrontiert zu werden. Der gehört an andere Stelle und muss aufgearbeitet werden". Ein weiterer Teilnehmer des Gottesdienstes sagte: "Es ist angedeutet worden, aber Kirche ist auch Vergebung. Und die Fälle sind ja schon viele Jahre her. Irgendwann müssen die vergeben werden."

Deutliche Worte im Bistum Aachen

Auch in anderen Bistümern ist der Missbrauchs-Skandal am Sonntag Thema in den Gottesdiensten gewesen. Der Aachener Bischof Helmut Dieser fand klare Worte. Er forderte ein öffentliches Schuldeingeständnis des emeritierten Papstes Benedikt XVI. In seiner Predigt im Aachener Dom sagte er: "Es kann nicht dabei bleiben, dass Verantwortliche sich flüchten in Hinweise auf ihr Nichtwissen oder auf damalige andere Verhältnisse oder andere Vorgehensweisen. Denn deswegen wurden doch damals Täter nicht gestoppt und Kinder weiter von ihnen missbraucht." Der Aachener Bischof sagte, das mache ihn traurig, aber auch wütend.

Papst Benedikt wird Fehlverhalten angelastet

Benedikt, der frühere Kardinal Joseph Ratzinger, hatte das Erzbistum München und Freising von 1977 bis 1982 geführt. In einem am Donnerstag vorgestellten Gutachten zum Umgang der Bistumsverantwortlichen mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch werden ihm vier Fälle von Fehlverhalten angelastet. Benedikt hat die Vorwürfe in einer 82-seitigen Verteidigungsschrift zurückgewiesen.