25. März 1994 - Export von Giftmüll in Entwicklungsländer verboten

Fässer mit Giftmüll gestapelt in einer Mülldeponie

25. März 1994 - Export von Giftmüll in Entwicklungsländer verboten

Mitte der 1980er-Jahre wird bekannt, dass Giftmüll aus Industriestaaten in ärmere Länder transportiert wird. Greenpeace startet eine Kampagne gegen solche Exporte. Die Umweltorganisation beobachtet auch die Vorverhandlungen zur sogenannten Basler Konvention, an denen sich 116 Staaten beteiligen.

Das Ergebnis: Am 22. März 1989 wird das "Basler Übereinkommen über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung" verabschiedet. Es tritt 1991 in Kraft. Müllexporte benötigen nun die Zustimmung des Ausfuhr- und des Einfuhrlandes sowie der Durchfuhrländer.

Verbot von Giftmüllexporten (am 25.03.1994)

WDR 2 Stichtag 25.03.2019 04:16 Min. WDR 2

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Pestizide in Rumänien

Doch das Abkommen ist löchrig. "Die Giftmüllschieber, die Händler haben sich totgelacht", sagt Andreas Graf von Bernstorff, Kampagnenleiter bei Greenpeace von 1989 bis 2005. "Die Papiere konnte man schnell beschaffen." Die Umweltschützer fordern darum ein Verbot des Giftmüll-Exports aus reichen OECD-Staaten in den Rest der Welt.

Nach dem Fall der Mauer läuft das Müllgeschäft besser denn je. Greenpeace deckt illegale Transporte auf. "In Siebenbürgen haben wir 2.000 Tonnen Pestizide im Landkreis Hermannstadt gefunden", sagt Graf von Bernstorff.

Verschärfung der Basler Konvention

Die Bundesregierung sieht sich gezwungen, die Pestizide aus Rumänien zurückzuholen und in Deutschland zu entsorgen. Der Rücktransport erfolgt in einem 1,3 Kilometer langen Güterzug.

Nach zwölf Rückholaktionen ist es so weit: Am 25. März 1994 wird die Basler Konvention verschärft. Die neuen Staaten in Osteuropa und die sogenannten Entwicklungsländer in Afrika und Asien setzen durch, das Giftmüll nicht mehr in Nicht-OECD-Staaten exportiert werden darf.

Müll als angebliche Gebrauchtware

"Die klassischen Giftmülltransporte haben aufgehört", sagt Graf von Bernstorff. Um Lacke, Farben, Altöle und Pestizide kümmert sich heute die Entsorgungsbranche. Doch die Basler Konvention wird weiter unterlaufen.

Ausgediente Computer, Monitore, Kameras und Handys werden in Länder wie Ghana, Nigeria und Indien als vermeintliche Second-Hand-Ware ausgeführt - und gelten deshalb nicht als Müll.

Frachtschiffe stoppen?

In Ghanas Hauptstadt Accra versuchen täglich Kinder und Jugendliche, aus Elektroschrott Geld zu machen. Sie zünden Einzelteile aus Computern an und bringen das übrig bleibende Kupfer zum Wiegen.

Der frühere Greenpeace-Kampagnenleiter empfiehlt, Schiffe mit solcher Fracht anzuhalten und nach Hause zu schicken. "Das haben wir damals gemacht, mehrmals - und es hat gut gewirkt."

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Stand: 25.03.2019, 00:00