14. März 1864 - Lokführer Casey Jones wird geboren

Casey Jones und Heizer Simeon T.Webb mit Lokomotive Nr.638 auf der Strecke Chicago - New Orleans

14. März 1864 - Lokführer Casey Jones wird geboren

Wartungsarbeiten verzögern die Abfahrt: In der Nacht des 30. April 1900 verlässt der Personenzug nach Canton den Bahnhof von Memphis mit 95 Minuten Verspätung. Doch das scheint kein großes Problem zu sein: Am Steuer der Dampflok 3-8-2 sitzt Lokführer Casey Jones.

Er will die verlorene Zeit mit einer Rekordfahrt aufholen - auf einer Strecke, für die der Zug normalerweise vier Stunden braucht. Ein risikoreiches Unterfangen - besonders bei Regen und Nebel: Es gibt weder ein modernes Signalwesen noch Funkverkehr. Die Lokführer fahren auf Sicht.

Casey Jones, Lokführer und Volksheld (Todestag 14.03.1864)

WDR 2 Stichtag 14.03.2019 04:16 Min. Verfügbar bis 11.03.2029 WDR 2

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Mit 160 Stundenkilometer durchs Dunkle

Casey Jones schreckt das nicht. Der am 14. März 1864 (nach anderen Quellen 1863) in Kentucky geborene Farmersohn gilt als Draufgänger. Lokführer wie er sind lokale Berühmtheiten. In den USA ist die Eisenbahn damals eine Schlüsseltechnologie. Dank ihr konnte der Wilde Westen erobert und das ganze Land erschlossen werden.

"Das alte Mädchen hat heute die Tanzschuhe an", soll Jones in jener Nacht seinem schwarzen Heizer Sim Webb zugerufen haben. Die Lok rast mit ihren sechs Personenwagen mit bis zu 160 Stundenkilometer durch die Dunkelheit. Nach dreieinhalb Stunden Fahrt ist die Verspätung fast aufgeholt.

Aufholjagd kostet Jones das Leben

Aber kurz vor dem kleinen Ort Vaughan überhören Jones und Webb im Maschinenlärm zwei akustische Warnsignale. Und sie übersehen einen Flaggenmann, der anzeigt, dass hinter einer Kurve ein defekter Güterzug auf dem Gleis steht.

Jones fordert Webb auf, abzuspringen. Er selbst schafft es, den Zug von über 100 auf etwa 60 Kilometer abzubremsen. "Heldenhafter Lokführer bleibt auf seinem Posten - obwohl es ihn das Leben kostet!", schreibt anschließend die Regionalzeitung "New Orleans Times Democrat". Jones ist der einzige Tote, sonst gibt es nur Sachschaden und sechs leicht verletzte Passagiere.

Legende des selbstlosen Helden

Von nun an taucht die Geschichte von Casey Jones in unzähligen Variationen auf - zunächst in Liedern, später als Theaterstück und in den 1950er Jahren als Fernsehserie und Disney-Trickfilm. 1969 benennt die Band "The Greatful Dead" einen Song nach ihm. Darin ist er allerdings kein verantwortungsvoller Volksheld, sondern bei seiner Fahrt "high vom Kokain".

Auch der reale Casey Jones war offenbar nicht ganz so, wie ihn die Legende dargestellt hat: Laut seiner Personalakte bei der "Illinois Central Railroad" war er häufig vom Dienst suspendiert - 1896 zum Beispiel 30 Tage "wegen grober Sorglosigkeit im Umgang mit Anweisungen".

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 14. März 2019 ebenfalls an Casey Jones. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 14.03.2019, 00:00