4. Oktober 1883 - Offizielle Jungfernfahrt des Orient-Express

Auf einem Gemälde sieht man viele Menschen am Bahnhof vor einer einlaufenden Dampflok. Im Hintergrund hat der Maler Alexander Pawlowitz Berge gezeichnet.

4. Oktober 1883 - Offizielle Jungfernfahrt des Orient-Express

Mitte des 19. Jahrhunderts schießen Eisenbahngesellschaften wie Pilze aus dem Boden. Aber einen komfortablen Schlafwagenzug, der Passagiere durch Europa fährt, gibt es noch nicht.

Der belgische Ingenieur Georges Nagelmackers von der internationalen Schlafwagengesellschaft "Compagnie Internationale des Wagons-Lit" hat die zündende Idee: Aus den USA mit ihren Pullman-Wagen bringt er den Plan zum "Orient-Express" mit nach Hause. Er löst damit nicht zuletzt eine Forderung der "Berliner Konferenz" von 1880 ein, auf der sich die europäischen Großmächte mit Russland und dem Sultan des Osmanischen Reiches auf eine Zugverbindung zwischen dem Schwarzen Meer und Westeuropa geeinigt hatten.

Erste Fahrt des Orient-Express (am 04.10.1883)

WDR 2 Stichtag 04.10.2018 04:15 Min. Verfügbar bis 01.10.2028 WDR 2

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Jungfernfahrt ganz ohne Frauen

Im Juni 1883 tritt der Orient-Express seine erste Fahrt an. Trotzdem ist die offizielle Jungfernfahrt erst einige Monate später: Die Gesellschaft möchte warten, bis die luxuriösen Drehgestellwagen fertig werden, die sich elegant in die Kurven schmiegen können.

Am 4. Oktober 1883 ist es dann soweit. 24 Diplomaten, Bahnbeamte, Schriftsteller und Journalisten sind am Gare de l’Est in den Zug mit seinen zwei Schlafwagen, zwei Gepäckwagen, dem Speisewagen und seiner kleinen Küche gestiegen, um die 3.100 Kilometer von Paris nach Istanbul zu fahren. Eine Frau ist nicht darunter - zu gefährlich sei die Balkanroute, meinen die Betreiber.

Durchfahren können die Passagiere zunächst ohnehin nicht: Teile der Strecke sind noch im Bau. An der rumänisch-bulgarischen Grenze geht es mit einer Dampfbarkasse über die Donau, dann mit der holprigen Orientbahn bis Varna am Schwarzen Meer. Hier wartet wiederum ein Dampfer. Erst ab 1888 fährt der Orient-Express mit teils 100 Stundenkilometern über Belgrad und Sofia bis Konstantinopel.

Mord im Orient-Express

Schon bald zieht der Luxuszug, dessen Abteile über Wasser, Heizung und Licht verfügen, die Reichen und Schönen an: Vier durchschnittliche Monatsgehälter kostet ein Einwegticket von Berlin zur Endstation. Manche Gäste buchen nur einen Kurztrip, um ein Menü der Spitzenköche zu genießen. 1914 macht der Erste Weltkrieg der länderverbindenden Reise erst einmal ein Ende. Es geht erst weiter, als Deutschland – im Liegewagen 2419 – das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. In diesem Rahmen wird dann auch vereinbart, dass der Orient-Express nicht länger durch Berlin, sondern durch die Schweiz und Norditalien nach Istanbul fährt.

Zum Mythos wird der Zug endgültig durch Agatha Christies Krimi "Mord im Orient-Express" (1934). Nach einer wechselvollen Geschichte ist 1977 endgültig Schluss.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 4. Oktober 2018 ebenfalls an den Orient-Express. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 04.10.2018, 00:00