RWE ist aufgestiegen - aber was machen Wattenscheid, Herne und Bonn?

Stand: 16.05.2022, 12:19 Uhr

Rot-Weiss Essen hat es endlich geschafft: Es geht rauf in Liga drei. Aber wie läuft's bei anderen abgestürzten Traditionsvereinen aus NRW wie zum Beispiel Wattenscheid 09, Westfalia Herne oder dem Bonner SC?

Von Olaf Jansen

Westfalia Herne - Depression am Schloss Strünkede

Es ist gar nicht so weit von der Essener Hafenstraße ans Schloss Strünkede in Herne. Gerade einmal 25 Minuten dauert's mit dem Auto, wenn die A42 nicht wieder total verstopft ist. Und dennoch liegen - zumindest fußballerisch - gerade Welten zwischen diesen beiden Orten. Hier die Hafenstraße mit dem noch immer nicht verebbten Aufstiegsjubel von Rot-Weiss Essen. Dort das altehrwürdige Stadion am Schloss Strünkede, wo mal wieder die Tränen der Herner Westfalia fließen.

Während die Essener in der nächsten Saison Drittligafußball spielen werden, steht Herne bereits als Absteiger aus der Oberliga Westfalen fest. Der Traditionsverein, der 1959 Westdeutscher Meister war und 1960 letztmalig in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft spielte, tritt nächste Saison also in der Westfalenliga an - das ist die sechste Spielklasse.

Rot-Weiss Essen: Schlusspfiff und Platzsturm Sportschau 14.05.2022 01:54 Min. Verfügbar bis 14.05.2023 Das Erste

Da waren sie schon einmal in Herne, zuletzt bis 2017. Es folgte ein kurzer Höhenflug und der Wiederaufstieg in die Oberliga unter Trainer Christian Knappmann. Doch mit dem Geld ist es so eine Sache - 2019 musste der Verein einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Corona verhinderte den sportlichen Abstieg - doch nur temporär. In dieser Saison - Knappmann hat den Verein unterdessen wieder verlassen - war Westfalia in der 5. Liga chancenlos.

Wattenscheid 09 - die vierte Liga winkt

Logo der SG Wattenscheid 09 | Bildquelle: imago images / revierfoto

Groß ist die Hoffnung aktuell bei Traditionsverein SG Wattenscheid 09. Der Bochumer Stadtteilverein, der einst unter Mäzen Klaus Steilmann die Bundesliga eroberte, ist drauf und dran, den Aufstieg in die Regionalliga West zu schaffen. Die Wattenscheider nehmen gerade an der Aufstiegsrunde der Oberliga Westfalen teil und feierten am Wochenende einen wichtigen 3:2-Auswärtserfolg beim ASC Dortmund.

Bedeutet: Das Team von Trainer Christian Britscho hat sich mit momentan 52 Punkten auf Rang drei der Tabelle vorgeschoben. Die beiden ersten Teams steigen am Ende der Runde auf. Das sind momentan der 1. FC Kaan-Marienborn aus Siegen (55 Punkte) und Westfalia Rhynern (53).

Dass die Wattenscheider wieder sportlich positive Schlagzeilen schreiben können, ist dabei absolut erstaunlich. Schließlich liegen auch hinter der SG ein paar ganz schwere Jahre, die Ende 2019 in der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mündeten. Selbst ein kurzzeitiges Engagement von Peter Neururer als Sportlicher Leiter ging seinerzeit gehörig in die Binsen. Doch auch mit geringem Etat schaffte Trainer Britscho mit einer Handvoll Mitstreiter nun den sportlichen Turnaround. Der eventuell in der 4. Liga enden könnte.

Bonner SC - Tristesse im Sportpark Nord

Schwierige Aufgabe in Bonn - Daniel Zillken | Bildquelle: imago/Benjamin Horn/ Eibner-Pressefoto

Alles auf den Prüfstand kommt beim Bonner SC. Der Viertligist, der in ein paar Wochen Fünftligist sein wird, schaffte am letzten Spieltag der Regionalliga West nicht mehr die Trendwende und muss in der nächsten Saison in der Mittelrheinliga wieder von vorn anfangen. Das wird enorme personelle Konsequenzen haben. Nicht nur ein Großteil der Spieler wird sich verabschieden. Auch müssen laut dem "Bonner Generalanzeiger" möglicherweise auch Stellen von Mitarbeitern gestrichen werden.

Das Ziel der Bonner, die zuletzt sogar noch Trainer Markus von Ahlen durch Sportdirektor und Interimscoach Daniel Zillken ersetzten, ist allerdings jetzt schon klar: "Wir werden versuchen, eine schlagkräftige Truppe aufzubauen, die so schnell wie möglich in Liga vier zurückkkehren kann", so Zillken. Und Vereinschef Dirk Mazurkiewicz bekräftigt: "Wir haben hier finanzielle und infrastrukturelle Verhältnisse geschaffen, die absolut regionalligatauglich sind. Unser Ziel nächste Saison ist also klar: sofortiger Wiederaufstieg."

Hamborn 07 - Auferstanden aus sportlichen Ruinen

Schafstall (r.) 1963 im Trikot von Hamborn 07 im Zweikampf mit Duisburgs Werner "Eia" Krämer. | Bildquelle: imago/Horstmüller

Die Oberliga am Niederrhein - fünfthöchste Spielklasse in dieser Region - ist für viele Tradititionsvereine so etwas wie ein Schreckgespenst und Symbol für den sportlichen Niedergang. Ganz anders für die Sportfreunde Hamborn 07. Für die Schwarz-Gelben aus Duisburg ist sie die Liga der Träume - in die sie nach dieser Saison endlich wieder zurückkehren dürfen. Denn die Duisburger Stadtteilkicker stehen einen Spieltag vor Schluss als Landesliga-Meister fest und haben den Aufstieg damit gesichert.

Die Jüngeren dürften es vielleicht nicht wissen, aber Hamborn 07 war einst einer der führenden Fußballvereine des Ruhrgebiets. Noch in den 1950er und 1960er Jahren spielten die Hamborner mehrfach in der Oberliga und 2. Liga. Ihre bisher letzte Blütezeit erlebten die Hamborner Mitte der 80er Jahre, als Oberligaspiele gegen Rot-Weiss Essen oder den MSV Duisburg vor teilweise mehr als 10.000 Zuschauern im Duisburger Wedaustadion ausgetragen wurden. Das ist lange her. Zuletzt war der Klub sogar bis in die Bezirksliga abgestiegen. Nächste Saison geht's zwei Klassen höher weiter. Und ganz Duisburg-Hamborn freut sich drauf.

Rot-Weiss Essen: Schlusspfiff und Platzsturm Sportschau 14.05.2022 01:54 Min. Verfügbar bis 14.05.2023 Das Erste