Landesfischereiverband Westfalen-Lippe setzt Aale in der Ems aus

Stand: 31.05.2023, 20:35 Uhr

Aale sind in unseren Flüssen stark bedroht. Um den Bestand zu sichern, setzt der Landesfischereiverband Westfalen-Lippe jedes Jahr Tiere von der französischen Küste in der Ems aus.

Von Martin Heuchel

Es ist noch früh am Morgen, als der Transporter eintrifft. Eine Tonne Aale sind im Inneren sicher untergebracht – ca. 100.000 junge Tiere.

Ohne den Aal-Besatz wären die Tiere so gut wie ausgestorben

Die zappelige Fracht wird mit ausreichend Frischwasser und Sauerstoff versorgt, damit sie sicher an ihr Ziel kommt: Nicht nur in der nahen Ems finden sie ein neues zu Hause.

Auch Sauerland und Ruhrgebiet wird hier versorgt. Angelvereine sind dafür extra nach Münster gekommen. Später werden sie die kleinen Fische dann in den Flüssen aussetzen. Aal-Besatz nennt sich das. Ohne diese Unterstützung wären die Tiere hier wahrscheinlich schon so gut wie ausgestorben.

Hinter den Aalen liegt eine lange Reise

Carsten Nolting ist der Aal-Experte beim Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. "Man merkt, dass die Aalbestände stark zurückgegangen sind", sagt er, "nicht nur die großen Fische bei uns im Gewässer, auch an den Küsten kommen immer weniger Jungtiere an."

Heißt: der Aal findet immer seltener seinen Weg zu uns in die Region. Geboren werden alle europäischen Aale im Atlantik nahe Floridas. Dort beginnt eigentlich ihre Reise nach Europa. Aber Wasserkraftwerke und andere Umwelteinflüsse versperren ihnen häufig den Weg vom Meer in die Flüsse.

Aale schwimmen aus einem Eimer in die Ems

Aale werden mit einem Eimer in die Ems gesetzt.

Also muss der Mensch nachhelfen. Vor der Küste werden die jungen Aale gefangen und etwa ein halbes Jahr in Fischfarmen großgezogen. Dann sind sie bereit für die Ems und andere Flüsse.

Mit dem Aal-Taxi in die heimische Ems

Beim Landesfischereiverband hilft Horst Kröber seit 15 Jahren, die Aale in die Ems zu bringen. Am Mittwoch verteilt er ca. 4.000 Fische mit Kollegen von einer Besatz-Gemeinschaft von Anglern aus dem Münsterland.

Sie bringen die Tiere nicht nur ins Wasser, sondern legen auch für den Einkauf der Tiere zusammen. Ihr erster Halt ist in Gelmer. Hier gewöhnt Horst Kröber die Aale zuerst vorsichtig an die Wassertemperatur, dann dürfen sie im kühlen Fluss verschwinden.

Tiere bleiben rund 10 Jahre in der Ems

"Da warten wir das ganze Frühjahr drauf", sagt er zufrieden. Wenn die Aale in fünf, sechs Jahren groß genug sind, wollen einige Angler sie auch fangen. Priorität sei es aber, den Bestand langfristig zu sichern.

In ihrer neuen Heimat bleiben sie etwa zehn Jahre. Dann suchen sie zum Laichen den Weg zurück in den Atlantik.

Über dieses Thema berichten wir am 31.05.2023 auch im WDR-Fernsehen in der Lokalzeit OWL um 19.30 Uhr.

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