NRW verbietet geteilte Klassen: Doch die Debatte kocht wieder hoch

Schüler einer 13. Klasse sitzen mit Mund-Nasen-Bedeckungen im Unterricht.

NRW verbietet geteilte Klassen: Doch die Debatte kocht wieder hoch

Die einen lernen zu Hause, die anderen in der Schule: Dieses "Solinger Modell" zur Pandemiebekämpfung wurde vom Land verboten. Kommt nun noch einmal Bewegung in die Sache?

Das "Solinger Modell" sollte ab vergangenen Mittwoch (04.11.2020) gelten: Wegen der hohen Corona-Neuinfektionen wollte man dort die Klassen an allen weiterführenden Schulen halbieren. Die Schüler sollten im Wechsel daheim und in den Schulräumen unterrichtet werden. Doch die NRW-Landesregierung kassierte die Pläne am Tag vorher.

Der Präsenzunterricht habe "höchste Bedeutung" für die Entwickung der Kinder sowie für die "Bildungsgerechtigkeit", sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), die ihre Position am Mittwoch erneut bekräftigte: Erst wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft seien, sei es "selbstverständlich", dass Schulen in ein solches Wechselmodell gehen könnten. Gebauer warf der Stadt Solingen vor, mit ihrem Schulsonderweg nur noch die Hälfte der Schüler in den Klassen unterrichten zu wollen.

Städtetag: Ablehnung des Ministeriums ist "risikobehaftet"

Doch die Diskussion kocht immer wieder hoch. So hat der Städtetag NRW am Mittwoch von der Landesregierung einen landesweit einheitlichen Stufenplan gefordert. "Dass das Schulministerium bisher nur auf Präsenzunterricht besteht und ein Wechselmodell mit Distanzunterricht ablehnt, ist nicht nachzuvollziehen und risikobehaftet", sagte der Vorsitzende des Städtetages, Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD).

Auch die Grünen-Landtagsfraktionschefin Josefine Paul warf Gebauer eine "unverständliche Blockadehaltung" vor. "Es geht um die Frage, wie Bildungsgerechtigkeit und Infektionsschutz miteinander verbunden werden können", sagte sie. Am späten Mittwochabend will der Landtag über eine mögliche Beschränkung des Unterrichts in Hot-Spot-Städten debattieren.

Gestaffelter Unterricht könnte ausgeweitet werden

Um die Situation im Nahverkehr und vor den Schultoren zu entzerren, wollen zudem immer mehr Schulen zu einem gestaffelten Unterrichtsbeginn übergehen. In Herne und Münster wird das bereits praktiziert, viele weitere NRW-Städte wollen nachziehen. Auch hier gibt es Vorgaben des Landes: Der Unterricht muss laut Schulministerium zwischen 7.30 Uhr und 8.30 Uhr beginnen. Dieses Modell könnte nun ausgeweitet werden. Man wolle das Thema noch in dieser Woche mit den Schulträgern erörtern, teilte das Schulministerium am Mittwoch dem WDR mit.

Lehrerverband will Präsenzunterricht möglichst lange aufrechterhalten

Der Deutsche Lehrerverband tritt derweil dafür ein, den Präsenzunterricht möglichst lange aufrechtzuerhalten. Das gehe aber nur bei entsprechenden Vorsorgemaßnahmen, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Wenn in einer Region die Infektionszahlen eine bestimmte Schwelle überschreiten, müssten die Präventionsmaßnahmen hochgefahren werden. Das könne durchaus individuell geschehen. Wenn eine Schule sehr gut digital ausgestattet sei oder eine Schule sehr große Räume habe, werde man anders reagieren, als wenn das Gegenteil der Fall ist.

Im Augenblick sei es so, dass die Schulleiter am Abend nicht wüssten, wie sich das Geschehen am nächsten Tag entwickelt, so Meidinger. Sie warteten auf Anrufe aus dem Gesundheitsamt oder von Eltern, die neue Infektionsfälle melden. Da würde ein Wechselunterricht zum Beispiel mehr Planbarkeit schaffen.

Stand: 11.11.2020, 20:43

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