"Kampf gegen Windmühlen" in der Arbeitsagentur

"Kampf gegen Windmühlen" in der Arbeitsagentur

  • Sandra Sturm arbeitet in der Agentur für Arbeit
  • Dort bearbeitet sie vor allem das Kurzarbeitergeld
  • Team stemmt wegen Corona sehr viele Anträge
  • Sie erzählt von ihrer Aufgabe in der Krise

Mein Job während der Corona-Krise ist es, arbeitsfähig zu bleiben, um Existenzen zu sichern. Wir haben im Moment eine wahnsinnige Flut an Anfragen und Anzeigen zum Thema Kurzarbeit. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen: Wenn man eine Anzahl an Anträgen erledigt hat, kommen in der Zeit drei Mal so viele Neue nach.

Meine Kollegen und ich betreuen die Bereiche Bielefeld-Gütersloh und Herford-Minden-Lübbecke. Das ist ein großes Gebiet. Nicht jede Agentur für Arbeit hat einen Vor-Ort-Service für Kurzarbeit, das ist vor einiger Zeit zentralisiert worden.

Probleme sind mehr geworden

Eigentlich hat sich meine Arbeit in Zeiten von Corona inhaltlich nicht sehr geändert. Die Probleme der Betriebe sind die gleichen, nur die Menge ist größer geworden. Durch die Öffnungsverbote und Auflagen wird es in einigen Betrieben zu Totalausfällen kommen, weil mitunter einen ganzen Monat nicht gearbeitet werden kann. Das gab es bisher nur in Ausnahmefällen.

Kontakt nur elektronisch

Das Problem ist, dass wir im Moment gar nicht so sehr am Kunden arbeiten können, wie wir es gerne wollen. Wir hatten im Außendienst Beratung in den Betrieben, das ist wegen der aktuellen Situation aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich. Auch den Publikumsverkehr im Haus haben wir zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden einstellen müssen.

Deshalb versuchen wir, alles so gut es geht auf dem elektronischen Weg zu schaffen – vor allem per Mail. Wir mussten am Telefon eine Bandansage einrichten, weil wir sonst bei den ganzen Anrufen nicht mehr arbeitsfähig gewesen wären. Andere Teams unterstützen uns nun bei der telefonischen Beratung rund um Kurzarbeit, damit wir uns so gut wie möglich auf die Bearbeitung der Anträge konzentrieren können.

Zeit als großer Faktor

Uns sitzt die Zeit im Nacken. Die Kurzarbeit muss ja erst schriftlich angemeldet werden, bevor wir sie abrechnen können. Jetzt ist das Konjunkturpaket durch, das heißt, dass ab Ende März die ersten Abrechnungen bei uns eingehen werden.

Aber man kann nur einen Vorgang nach dem nächsten machen. Ein bisschen prüfen muss man ja – blind durchwinken geht nicht. Ein bisschen Zeit braucht jeder Antrag, aber wir bemühen uns, jeden Antrag zügig zu bearbeiten.

Ziel: Existenzen sichern

Auch wenn diese Vorgänge bei uns als Zahlen oder Kundennummern auflaufen – da stecken ja Menschen dahinter. Uns ist wichtig, dass die Leute schnell eine Rückmeldung bekommen: Das ist bewilligt.

Es ist schwierig, dass man momentan nicht jedem Anliegen und jedem Problem so gerecht werden kann. Aber wir sind guter Dinge. Wir haben ein tolles Team und alle Kollegen geben 120 Prozent.

Wir versuchen, unserer sozialen Aufgabe gerecht zu werden. Wir wissen, dass dahinter viele Existenzen und Familien stehen und wollen dafür sorgen, dass schnellstmöglich auch Gelder fließen können.

Protokolliert von Tasja Demel

Sandra Sturm

Sandra Sturm
  • Arbeitet bei der Agentur für Arbeit in Herford
  • Abteilung Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld, Altersteilzeit
  • Arbeitet zum Teil auch im Homeoffice

Stand: 27.03.2020, 19:30

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