20.000 Corona-Tote: Das sagt die Sterbestatistik aus

20.000 Corona-Tote: Das sagt die Sterbestatistik aus

Seit Wochen steigt die Zahl der Corona-Todesfälle. In der öffentlichen Debatte wird um die Deutungshoheit dieser Zahlen gerungen. Ein paar Fakten zum Thema.

Wer legt das überhaupt fest und wie entstehen die Zahlen? Sind knapp 500 Tote pro Tag im Vergleich zu anderen aktuellen Krankheiten jetzt viel oder wenig? Auch in unseren Communities werfen die Zahlen zu den Corona-Fällen Fragen auf. Das sind Hintergrundinformationen zu den häufigsten Fragen:

Wie viele Corona-Todesfälle gibt es?

Am Mittwoch hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) einen neuen Höchstwert gemeldet: 590 neue Todesfälle, so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Am Donnerstag waren es 440 neue Fälle. Laut RKI gibt es damit nun über 20.000 Corona-Sterbefälle. Rund 6.000 Menschen seien in Pflegeeinrichtungen, Asylunterkünften, Gefängnissen und Obdachlosenunterkünften gestorben. Besonders tödlich ist eine Erkrankung offenbar für ältere Menschen: Fast 90 Prozent waren 70 Jahre und noch älter.

Was sagen die Zahlen aus?

Da es vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sind, für die Corona tödlich enden kann, gibt es immer wieder Zweifel an der Aussagekraft der Zahl der Sterbefälle. Laut RKI geht es bei den täglichen Zahlen der COVID-19-Toten erstmal grundsätzlich um die Sterbefälle, bei denen ein Labor eine Infektion nachgewiesen hat.

Inwieweit die Coronainfektion direkt zum Tode geführt hat, ist aber in der Praxis schwer zu entscheiden. Deshalb fließen zwei Arten in die Statistik ein: Menschen, die unmittelbar an Corona gestorben sind, und Menschen mit Vorerkrankungen, die infiziert waren und bei denen sich nicht endgültig nachweisen lässt, was die Todesursache war.

Der Großteil der Fälle, die in den Zahlen auftauchen, gehören aber laut RKI zur ersten Gruppe. Die Menschen sind also unmittelbar an einer COVID-19-Erkrankung gestorben.

Wie viele Menschen sterben überhaupt an einem Tag in Deutschland?

Da die täglichen Zahlen der Sterbefälle schwanken, kann man hier nur einen durchschnittlichen Wert angeben. Mal sind es 2.400, mal über 3.500. Insgesamt sind im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt 939.520 Menschen gestorben. Das ergibt einen Schnitt von 2.574 Todesfällen pro Tag.

Was sind die häufigsten Todesursachen?

Wenn man sich die nackten Zahlen anschaut, sterben die Menschen am häufigsten an einer Herz-/Kreislauferkrankung: 2019 waren das 331.211 in Deutschland. Rein rechnerisch bedeutete das 907 Sterbefälle pro Tag. Die zweithäufigste Todesursache waren Krebserkrankungen mit 231.318 Menschen. Damit erlagen im Schnitt 634 Personen pro Tag einem Krebsleiden. Auf Platz drei lagen im vergangenen Jahr Krankheiten des Atmungssystems. Daran starben 67.021 Menschen, durchschnittlich 184 pro Tag.

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Sterben im Moment mehr Menschen als sonst?

Noch ist es für die Statistiker zu früh, darüber eine endgültige Aussage zu treffen. Es gibt aber bereits erste Auswertungen, laut denen die Sterbefallzahlen höher sind als im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. So hat das Statistische Bundesamt kürzlich Zahlen für die erste Novemberwoche veröffentlicht.

Demnach sind in Deutschland fünf Prozent mehr Menschen gestorben. Bereits seit Mitte Oktober liegt die Zahl der Todesfälle etwa um diesen Prozentsatz über dem Durchschnitt der Vorjahre.

Stand: 10.12.2020, 12:11