Forscher: Mit diesen Corona-Regeln geht es gut durch den Winter

Schülerinnen und Schüler im Unterricht

Forscher: Mit diesen Corona-Regeln geht es gut durch den Winter

Von Jörn Seidel

Forscher von der TU Berlin haben simuliert, welche Corona-Maßnahmen im Winter notwendig sind, um volle Krankenhäuser zu verhindern. Auch die Maskenpflicht im Unterricht gehört dazu.

Die Landesregierung hat die Corona-Regeln in NRW ein weiteres Mal gelockert. Dabei gehen Experten davon aus, dass das Infektionsgeschehen bald wieder deutlich ansteigen wird. Der "Herbstanstieg" werde noch folgen, schreibt das Team um Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin in einem aktuellen Bericht an das Bundesforschungsministerium - und schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor, um gut durch den Herbst und Winter zu kommen.

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Möglich: Testpflicht für alle, Ausgangssperren, Ruhetage

Anhand von Corona-Daten aus Köln hat das Forscherteam die möglichen Auswirkungen von 256 Maßnahmen-Kombinationen simuliert. Dazu gehören Schnelltests - auch für Geimpfte und Genesene -, "Ausgangssperren", Maskenpflicht im Unterricht, 2G für Freizeitveranstaltungen und ein weiterer Ruhetag zusätzlich zum Sonntag, an dem der Einzelhandel und die Schulen geschlossen bleiben.

Ein Ergebnis: Vor allem die Schutzmaßnahmen an Schulen spielen eine große Rolle. "Unsere Simulationen zeigen weiterhin, dass vollständig offene Schulen (kein Lüften, keine Masken im Unterricht, keine Schnelltests, Schulkinder ungeimpft etc.) zusammen mit der Delta-Variante zu einem erheblichen Infektionsgeschehen in den Schulen führen würden", heißt es in dem Bericht.

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Forscher: Maskenpflicht im Unterricht wäre verzichtbar

Auf eine Maskenpflicht im Unterricht könne zwar verzichtet werden, aber nur dann, wenn man nicht nur häufig teste, wie in NRW der Fall, sondern die Unterrichtsräume auch konsequent lüfte. Gerade das finde jedoch nicht immer ausreichend statt, "so dass in vielen Fällen eine Maskenpflicht im Unterricht hinzugenommen werden muss".

Die Forscher orientieren sich am R-Wert, also der Reproduktionszahl. Sie gibt an, wie viele Menschen ein Corona-Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt der Wert unter 1, wird die Ausbreitung abgebremst. Liegt der Wert über 1, verbreitet sich das Virus in der Bevölkerung mit wachsender Geschwindigkeit - genau das erwarten die Forscher für Herbst und Winter.

Weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie

Mit folgenden weiteren Maßnahmen ließe sich der R-Wert nach Berechnungen der Wissenschaftler verringern. Möglich wären sowohl einzelne Maßnahmen als auch eine Kombination aus mehreren.

Laut der Forscher ließe sich der R-Wert reduzieren ...

  • um 0,3: durch Einführung von 2G im Freizeitbereich (Eintritt also nur für Geimpfte und Genesene, nicht aber für Getestete)
  • um 0,2: durch Schnelltests vor 40 Prozent der Freizeitaktivitäten
  • um 0,6: durch Schnelltests vor 40 Prozent der Freizeitaktivitäten, wenn auch Geimpfte und Genesene getestet werden
  • um 0,1: durch Schnelltests bei 40 Prozent der Arbeitsaktivitäten (also bevor man an den Arbeitsplaztz geht)
  • um 0,2: durch Schnelltests bei 40 Prozent der Arbeitsaktivitäten, wenn auch Geimpfte und Genesene getestet werden
  • um 0,3: durch eine "Ausgangssperre" von 21 bis 5 Uhr
  • um 0,1: durch einen weiteren Ruhetag zusätzlich zum Sonntag, an dem der Einzelhandel und die Schulen geschlossen bleiben.

Die R-Wert-Rückgänge könnten aber nicht einfach addiert werden, so die Forscher. Würden alle Maßnahmen angewendet werden, ergäbe sich höchstens ein Rückgang um 0,9.

Vor allem, wenn die Krankenhäuser wieder stark belastet sein sollten, müssten weitreichende Maßnahmen ergriffen werden, so das Team der TU Berlin. Erneute Kontaktbeschränkungen wären aber verzichtbar, wenn man flächendeckend testen und dabei auch Geimpfte und Genesene einbeziehen würde. Denn auch sie tragen das Virus weiter.

Stand: 01.10.2021, 11:36

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