Corona-Müdigkeit: Wie lange halten wir noch durch?

Eine junge Frau kauert in einem Wohnzimmer traurig auf dem Boden (gestellte Szene)

Corona-Müdigkeit: Wie lange halten wir noch durch?

Von Oliver Strunk

Gerade kommen die ersten Lockerungen im Lockdown, sogar Mallorca zu Ostern scheint möglich. Doch gleichzeitig kommen steigende Infektionszahlen und düstere Prognosen.

"Die Ungeduld ist riesengroß, die Unzufriedenheit greifbar", so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in dieser Woche. "Der Lockdown zehrt an den Nerven."

In Düsseldorf kommt es am Samstag bei einer Demo gegen die Corona-Regeln zu Rangeleien mit der Polizei. Bis zu 2.000 Demonstranten zählt die Polizei, die Unterstützung aus anderen Städten anfordern muss. Viele Teilnehmer ignorieren die Masken- und Abstandsregeln.

Ebenfalls in der Landeshauptstadt versammeln sich in dem eher noblen Stadtteil Oberkassel bereits am Donnerstagabend mehrere Gäste an gedeckten Tischen und lassen sich von unmaskierten Kellnern bedienen. In Köln muss die Polizei eine illegale Technoparty mit 34 Menschen auflösen.

Ungeduld und Mobilität nehmen zu

Das sind natürlich besonders auffällige Verstöße gegen die Regeln, deren Befolgung den Menschen in der Corona-Pandemie offenbar immer schwerer fällt. Die Leute sind auch wieder mehr unterwegs, zeigt der sogenannte Mobilitätsmonitor.

In der Bahn nicht immer mit Maske. Die Bundespolizei hat laut "Bild am Sonntag" allein in den vergangenen sechs Monaten Hunderttausende Maskenpflicht-Verstöße in Zügen und auf Bahnhöfen registriert. Und das obwohl die Aussichten laut Robert Koch-Institut eher düster sind.

Corona-Mutante lässt Inzidenz steigen

Das RKI prognostiziert in der Woche nach Ostern höhere Neuinfektionszahlen als rund um Weihnachten. Die Inzidenz könnte bei 350 liegen. Grund hierfür sei unter anderem die sich rasch ausbreitende Corona-Mutante B.1.1.7, die erstmals in Großbritannien nachgewiesen wurde.

Ansturm auf Mallorca in den Osterferien

Trotz dieser Prognose locken die Lockerungen. Kurz nach dieser Oster-Prognose kommt die Nachricht: Das RKI stuft Mallorca nicht mehr als Risikogebiet ein. Am Wochenende stürzen sich die Urlauber auf die Flugtickets. Wegen der immensen Nachfrage nach Mallorca-Flügen hat die Lufthansa-Tochter Eurowings hunderte Zusatzverbindungen für Ostern aufgelegt. Und in Winterberg wedeln die ersten Skifahrer nach dem Lockdown die Pisten herab.

Der zweite Lockdown fühlt sich schlimmer an

Donja Gilan, Psychologin am Institut für Resilienzforschung in Leipzig, hat in Studien festgestellt, dass der zweite Lockdown, in dem wir uns befinden, als schlimmer empfunden wird als der erste im Frühjahr 2020. Depressive Symptome und Angstsymptome seien etwas angestiegen.

Durchhalten! Corona ist wie ein Marathon

WDR 5 Quarks - Hintergrund 19.02.2021 11:30 Min. Verfügbar bis 19.02.2026 WDR 5


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Soziologe Bude fürchtet Verlust der Solidarität

Der Druck auf die auferlegten Schranken gegen die Pandemie steigt. Er könnte sich verstärken, wenn zwar die Inzidenzzahlen steigen, aber nach der vollständigen Impfung der älteren Bevölkerung die Zahlen von Intensivpatienten und Todesopfern sinken. Das könnte zu einem Verlust an Solidarität bei den Jüngeren führen, befürchtet etwa der Soziologe Heinz Bude im Gespräch mit dem Magazin "Spiegel".

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Deshalb sollte die Impfreihenfolge noch einmal überdacht werden, so Bude. Es gebe eine Generation, die sich im Augenblick ziemlich gut verhalte: "Das ist die Sandwich-Generation der 30- bis 50-Jährigen, die in den eigenen vier Wänden Homeschooling und Homeoffice betreiben und vielleicht auch noch einen pflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen haben."

Bude: "30-50-Jährige mit vorgezogener Impfung belohnen"

Soziologe Bude schlägt vor: "Die Gesellschaft sollte diese Generationen mit einer vorgezogenen Impfung belohnen. Das wäre eine schöne, eine überraschende Botschaft, die die Solidarität stärkt."

Die "Sandwich-Generation" wird aber realistisch eingeschätzt wohl nicht derartig belohnt werden. Einige von ihnen, die Schulkinder haben, überlegen aktuell eher, wie sie sich selbst helfen können. Sie halten zum Beispiel die Schulöffnungen ohne flächendeckende Tests für riskant und haben auf Twitter angekündigt, ihre Kinder vom Präsenzunterricht abzumelden.

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Überraschend wäre diese Botschaft der vorgezogenen Impfung in NRW zudem sicher auch für die Generation über 70, die immer noch nicht weiß, wann genau sie die erste Impfung erhalten wird.

Stand: 14.03.2021, 15:59

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