"Schwamm-Städte" trotzen dem Klimawandel

03:16 Min. Verfügbar bis 11.08.2024

"Schwamm-Städte" trotzen dem Klimawandel

Stand: 10.08.2023, 19:54 Uhr

Hitze in der Stadt, Überflutungen nach Starkregen: Einige Kommunen bauen ganze Viertel um - nach dem Prinzip: Regenwasser speichern und zur Kühlung nutzen. Es sind aber immer noch zu wenige Städte, meinen Experten.

Von Carmen Krafft

Das historische Gebäude mit großem Hof der Musikschule Herne ist ein Idyll: Viele alte Bäume, ein schöner Spielplatz. Seit Kurzem ist man auch klimafreundlich. "Bisher flossen Zehntausende Liter Regenwasser in den Gulli", so David Hucklenbroich vom Tiefbauamt Herne. 600.000 Euro - größtenteils Fördermittel - investierte die Stadt, um hier Böden zu entsiegeln.

Regenwasser füllt Zisternen

Mit Regenwasser Musik machen

Mit Regenwasser und Klangschalen Musik erzeugen

Was jetzt in den neuen Rasen und die offene Pflasterung sickert, fließt in unterirdische Zisternen. Damit werden bei Trockenheit nicht nur Bäume versorgt. Man nutzt das Nass auch für Kreatives. Ein Herner Künstler hat Klangschalen für Wasser-Instrumente entworfen. "So wird durch das Objekt Regenwasser erfahrbar", erzählt Musikschulleiter Christian Ribbe.

Fördermittel stärker abrufen

Starkregen überlastet die Kanalisation

Starkregen überlastet die Kanalisation

Nachhaltiger Umgang mit Regenwasser ist trotz des Klimawandels in den Rathäusern keine Selbstverständlichkeit. "Wir würden uns wünschen, dass Kommunen noch stärker Projekte umsetzen", so Carolin Borgmann von der "Zukunftsinitiative Klima.Werk". Immerhin werden viele Maßnahmen mit bis zu 80 Prozent bezuschusst.

Klimaferundlicher Umbau einer Siedlung

Dabei wird das klimafreundliche "Schwamm"-Prinzip im Ruhrgebiet eigentlich schon lange umgesetzt: "Wasser speichern und bei Bedarf abrufen" - danach wurde im Dortmunder Norden bereits vor 20 Jahren eine komplette Siedlung mit Schulen und Kitas entsiegelt und klimafit gemacht.

In der Paul Dormann-Förderschule Scharnhorst begeistert zum Beispiel noch heute ein Teich die Schüler. Das Regenwasser wird auf dem Dach gesammelt und über ein großes Rohr in Form einer Wasserschlange ins Schilf geleitet. "Viele Kinder nehmen hier Regenwasser zum ersten Mal bewusst wahr", versichert Schulleiter Michael Keßenbohm.

Garagendächer bepflanzen

Immerhin ist ein Förderprojekt für Bürger inszwischen sehr beliebt. Wer sein privates Dach begrünt, kann Zuschüsse über die Stadt beantragen. So konnte Haus-Eigentümerin Barbara Paaßen aus Essen Karnap sieben Nachbarn dafür gewinnen, Förderanträge zu stellen - für die nachhaltige Bepflanzung von Garagen-Dächer.

Jede private initiative zählt

500 Euro - die Hälfte der Kosten - übernimmt die Stadt Essen. "Das Klima rund ums Haus soll sich verbessern", so die Anwohnerin. Jetzt überlegt man, die Hausfassade ebenfalls zu begrünen. Ein kleiner, aber wichtiger Beitrag - damit gerade Städte in Ballungszentren wie dem Ruhrgebiet dem Klimawandel trotzen.

Über dieses Thema berichten wir am 10.08.2023 im WDR Fernsehen in der Lokalzeit Ruhr um 19.30 Uhr.

Weitere Themen