Fußball

Sebastian Polters Umwege bis zum FC Schalke 04

Stand: 20.06.2022, 12:02 Uhr

Sebastian Polter wird ab der neuen Saison den FC Schalke 04 verstärken. Der Angreifer hat eine außergewöhnliche Karriere hinter sich - und wird versuchen, seine speziellen Fähigkeiten für den Ruhrgebiestsklub einzubringen.

Er soll in diesen Wochen bereits gesehen worden sein: In der Sparkasse, im Gelsenkirchener Stadtteil Buer. Edinson Cavani soll sich bereits nach einer Immobilie in der Ruhrgebietsstadt erkundigt haben. So wie einst auch schon der ehemalige niederländische Spitzenspieler Edgar Davids, Anfang der 2000er Jahre.

Ein internationaler Top-Star wie der Uruguayer Cavani würde dem Aufsteiger FC Schalke 04 natürlich gut zu Gesicht stehen. Zumal die Euphorie um den Klub gerade wieder und wenig überraschend besonders groß ist. Der S04 zurück in der Bundesliga. Wenn das kein Grund ist, die nüchterne Realität aus den Augen zu verlieren und ein wenig in Hoffnung zu schwelgen.

So wie einst bei Davids handelt es sich aber auch bei Cavani lediglich um eine Illusion, ein unrealistisches Gerücht. Sportvorstand Peter Knäbel und Manager Rouven Schröder ersticken solche Träume ziemlich humorlos sofort im Keim. Einen neuen Stürmer bekommen die Schalker trotzdem: Sebastian Polter. Am Montag (20.06.2022) gab der Klub die Verpflichtung bis 2025 bekannt.

Viel Leidenschaft, eher keine Kunststücke

Der 31-Jährige ist weit entfernt davon, die Anhänger des Klubs von großen europäischen Spielen träumen zu lassen. Aber Polter bringt etwas zum S04 mit, was schon traditionell besonders gut zu dem Gelsenkirchener Klub passt.

Polter "ist ein rustikaler Spieler", wie ihn sein Ex-Trainer vom VfL Bochum, Thomas Reis, beschrieben hat: voller Einsatz, Leidenschaft, Kopfballstärke, Laufbereitschaft, Kampfkraft, Aggressivität auf dem Sportplatz. Das alles sind die Attribute, die Polter ausmachen. Eine besonders pflegliche Behandlung des Balls, geniale Passstafetten oder gar Kunststücke mit der Kugel am Fuß sind von ihm eher nicht zu erwarten.

Zehn Tore und zwei Torvorlagen bei 33 Bundesliga-Einsätzen in der Vorsaison in Bochum sind zudem eine ordentliche Bilanz für den Mittelstürmer traditioneller Prägung. Polter dürfte als Ergänzung/Ersatz/Konkurrent für den in der abgelaufenen Spielzeit alles überragenden Simon Terodde (30 Tore in der 2. Liga) von Schröder verpflichtet worden sein. Beide Spieler ähneln sich in ihrer Spielweise sehr. Eines steht zumindest fest: Mit Polter kommt ein Spieler nach Schalke, der weiß, was er will.

Vom Torwart zum Stürmer

Der Werdegang des Angreifers ist alles andere als üblich in der heutigen Fußballprofi-Welt. Auch Polter war einst zwar in einer Kaderschmiede: Mit 13 Jahren wechselte er aus Wilhelmshaven zu Werder Bremen - als Torwart. Ein Jahr später wollten ihn die Verantwortlichen von der Weser in die U15 übernehmen. Polter wollte auch gerne weitermachen - aber nur als Stürmer.

"Wir haben zwei-, dreimal mit ihm diskutiert, dann haben sich unsere Wege getrennt. Wir hatten zwei Stürmer, die damals besser waren als er", schilderte der damals verantwortliche Werder-Trainer Thorsten Bolder dem Weser Kurier im Jahr 2019 und betonte: "Ich ziehe meinen Hut davor, wenn ein Junge in dem Alter so klare Vorstellungen hat. Er ist zurück nach Wilhelmshaven gegangen, weil er dort im Feld spielen konnte." Dort arbeitete der Stürmer Polter dann erfolgreich an seiner neuen Karriere.

"Motorisch nicht sehr fein"

In der Sommerpause ging er reichlich joggen, um seinen konditionellen Rückstand aufzuholen. "Außerdem hatte ich noch nicht so das Spielverständnis und Defizite beim Spieltempo. Das war die schwierigste Umstellung" blickte Polter auf der Bremer Vereinshomepage zurück. Eigentlich hatte er mit seinem Traum, Fußballprofi zu werden, bereits abgeschlossen, wollte lieber mit Freunden "kicken gehen", wie er zudem verriet.

Aber: So schwer fiel ihm die Umstellung von der Torlinie in den gegnerischen Strafraum letztlich gar nicht. Im Gegenteil. Gleich in seiner ersten Saison als Stürmer schoss er 69 Tore. Danach nahm seine Karriere so richtig Fahrt auf.

Über Eintracht Braunschweig, den VfL Wolfsburg, die Queens Park Rangers, Union Berlin und den VfL Bochum - um nur einige Profistationen zu nennen - ist Polter nun beim S04. gelandet. "Bei Sebastian war es mit 14 Jahren definitiv nicht abzusehen, dass er mal ein Bundesliga-Stürmer wird. Er war als Feldspieler eher limitiert. Motorisch war das nicht sehr fein, aber er hatte einen Mordshuf und den Körper, um sich durchzusetzen", sagte Bolder noch voller Anerkennung.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger wird sich Sebastian Polter nun auch für die Schalker ab der neuen Spielzeit versuchen einzubringen - um den Abstieg zu verhindern.

Königsblaue Achterbahn - Schalkes irre Aufstiegssaison Sportschau 09.05.2022 03:07 Min. Verfügbar bis 09.05.2023 Das Erste