Borussia Dortmund - Erling Haaland und die große Versuchung

Von Sebastian Hochrainer

Trotz mehrfacher Bekundungen, Erling Haaland in diesem Jahr nicht zu verkaufen, wird Borussia Dortmund das Transferthema um seinen Stürmer-Star nicht los. Zumal sich das Blatt aus guten Gründen noch wenden könnte, wenn es wirklich ernst wird.

Borussia Dortmund gibt sich nach wie vor gelassen und so, als hätten sie wirklich vor, hart zu bleiben, wenn es um einen möglichen Wechsel von Erling Haaland geht. Kein Wunder, die Position des Tabellenvierten der abgelaufenen Bundesliga-Saison ist komfortabel, schließlich steht der Stürmer noch bis 2024 unter Vertrag und aktuell greift keine Ausstiegsklausel. Jetzt hat Dortmund also die Entscheidungsmacht, 2022 nicht mehr, weil da eine Klausel gilt - und genau das ist das Problem

Europas größte Klubs buhlen um Haaland

Für eine kolportierte Summe von 75 Millionen Euro kann Haaland in einem Jahr zu einem anderen Klub wechseln. Viele Klubs wollen aber nicht so lange warten und ihn jetzt schon verpflichten. Sein Vater Alf-Inge Haaland und sein Berater Mino Raiola haben das mit einer öffentlichkeitswirksamen Reise zu Real Madrid und zum FC Barcelona bereits klargemacht.

Viele bringen nun den Vergleich mit Robert Lewandowski an. 2013 blockte Dortmund einen Wechsel zu Bayern München ab, obwohl klar war, dass er dann ein Jahr später aufgrund seines auslaufenden Vertrag ablösefrei gehen würde. Der BVB entschied sich, mit dem heutigen Weltfußballer die Chance auf den Einzug in die Champions League zu erhöhen - und das gelang. Es gibt jedoch einen sehr großen Unterschied zwischen der Lewandowski-Entscheidung vor acht Jahren und der heutigen um Haaland.

Deutlich schwierigere Entscheidung als bei Lewandowski

2013 hätten die Dortmunder etwa 25 bis 30 Millionen Euro für den polnischen Ausnahmestürmer erhalten, genau die Summe, die eine Teilnahme an der Champions League in etwa garantiert. Bei Haaland ist der Unterschied jedoch ein deutlich größerer. Nach übereinstimmenden Medienberichten ist der FC Chelsea bereit, 175 Millionen Euro als Ablöse für den Norweger zu zahlen. Sollte das stimmen, würde der BVB in diesem Sommer 100 Millionen Euro mehr einnehmen können als in einem Jahr - selbst die so lukrative Champions League kann das nicht einspielen.

Wenn Klubs wie Chelsea also ernst machen, ist die Versuchung nicht nur für Haaland groß, sondern auch für Dortmund. Die Frage ist: Kann der BVB im Falle eines solchen Angebots wirklich im Vergleich zu 2022 auf 100 Millionen Euro verzichten? Sportlich wäre es eine deutliche Schwächung, mit dem finanziellen Mehrwert gäbe es aber die Möglichkeit, neue Qualität einzukaufen.

Mit Sancho schon ein Star weg

Weshalb Dortmund hart bleiben will: Mit Jadon Sancho hat gerade einer der besten Offensivspieler den Verein Richtung Manchester United verlassen. Mit ihm hat der BVB das Konto schon ordentlich gefüllt. Eine finanzielle Not besteht also nicht, eine sportliche vielleicht schon. Dennoch sind gerade in Zeiten, in denen Corona die Bundesligisten derart belastet, Einnahmen wichtig. Der BVB hat für das laufende Geschäftsjahr einen Verlust von 75 Millionen Euro aufgrund der Pandemie angekündigt.

Die Renditen, die der Verein aktuell und in der Vergangenheit erzielt hat, sind der Grund dafür, dass der BVB überhaupt noch die Wahl hat, ob er ein Angebot für Haaland ablehnen oder annehmen möchte. Bei Sancho macht Dortmund (der Transfer wurde bislang nur angekündigt, noch nicht vollzogen) ein Plus von 77 Millionen Euro. 2017 bezahlten die Borussen etwa acht Millionen Euro an Manchester City, jetzt überweist ManUnited 85 Millionen Euro. Doch das war nicht das beste Geschäft der Dortmunder.

Dembélé bisher der lohnenswerteste Transer

An der Spitze der renditereichsten Transfers steht Ousmane Dembélé. Er kam 2016 für 15 Millionen Euro von Stade Rennes und ging ein Jahr später für 135 Millionen Euro zum FC Barcelona. Auch Christian Pulisic (ablösefrei verpflichtet und für 64 Millionen Euro an Chelsea verkauft) und Pierre-Emerick Aubameyang (kostete 13 Millionen Euro und brachte bei seinem Wechsel zu Arsenal London 63 Millionen Euro ein) sind herausragende Beispiele für gute Transfers.

Haaland würde all diese Spieler bei einem Wechsel in diesem Sommer jedoch noch überflügeln. 20 Millionen Euro bezahlte Dortmund für den heute 20-Jährigen, der im Januar 2020 von RB Salzburg ins Ruhrgebiet wechselte. Diesen Sommer könnte er eine Einnahme von 175 Millionen Euro bringen. 155 Millionen Euro Rendite in eineinhalb Jahren sind eine große Versuchung.