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Monty Python's fliegender Zirkus

3. Januar 1972 - Erste Folge von Monty Python's Flying Circus in der ARD

Stand: 27.12.2021, 14:02 Uhr

Fernsehlegende Alfred Biolek wagt ein geniales Experiment: Die seit einigen Jahren bei der BBC erfolgreiche Komikergruppe Monty Python soll ins deutsche Fernsehen. Es ist eine Art humoreske Entwicklungshilfe, die am 3. Januar 1972 Premiere feiert.

Monty Python's Flying Circus in der ARD (am 03.01.1972)

WDR ZeitZeichen 03.01.2022 14:54 Min. Verfügbar bis 04.01.2099 WDR 5


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"Das Leben des Brian" und "Die Ritter der Kokosnuss" sind längst Kult. Die Filme von Monty Python sorgen mit ihrem schwarzen Humor bis heute für Lacher. Aber als ein gewisser Alfred Biolek 1970 in London auf die Komikertruppe aufmerksam wird, ist sie hierzulande völlig unbekannt.

Für die BBC produziert sie da schon seit einem Jahr die Sendung "Flying Circus". Die Sketch-Show mit den typisch schrägen Gags ist in England ein Straßenfeger. Biolek, Abteilungsleiter bei Bavaria Film, ist ebenfalls begeistert - und hat eine Idee: Er fragt Monty Python, ob sie sich vorstellen können, in Deutschland Sketche fürs deutsche Fernsehen zu produzieren.

Und tatsächlich: John Cleese, Eric Idle, Graham Chapman, Terry Jones und Michael Palin kommen erst für Recherchen und später nochmal für Dreharbeiten nach Bayern. Reisen und Produktion werden von Bavaria Film und dem WDR großzügig finanziert. Kamera, Kostüme, Maske, Requisite, Drehorte - alles vom Feinsten. Das kennen die Pythons nicht. Bei der BBC daheim muss es immer schnell und günstig gehen.

Britischer Humor auf Deutsch

Die Satiriker haben freie Hand. Einzige Vorgabe: Die Zuschauer sollen sofort sehen, dass es sich um eine exklusive Produktion für das hiesige Publikum handelt. Dafür sprechen die Engländer ihren Text sogar auf Deutsch, lernen Wort für Wort auswendig.

So entsteht zunächst eine Folge "Monty Python’s Fliegender Zirkus". Darin wird unter anderem ein Sittenstrolch von einem wild gewordenen Rotkäppchen auf's Übelste vermöbelt. Am 3. Januar 1972 um 21 Uhr läuft die Premiere in der ARD. Doch der derbe Humor kommt in Deutschland, wo man lieber über gediegene Witze von Heinz Erhardt und Heinz Schenk lacht, nicht gut an. Die Kritiken in der Presse sind ernüchternd, das Interesse des Publikums zurückhaltend.

Das Stück über ein bayrisches Restaurant mit Chapman als amerikanischem Touristen und Cleese als schmierigem Oberkellner schafft es gar nicht erst ins Fernsehen. Zu provokant sei der Sketch. Trotzdem beauftragen Bioleks Bosse zu dessen Überraschung eine zweite Folge.

Fußball-WM der Philosophen

Diesmal sprechen Cleese & Co. Englisch, später wird synchronisiert. Wieder sind es speziell deutsche Folgen, in denen etwa Deutschland bei der Fußball-WM der Philosophen gegen Griechenland antritt: Nietzsche und Kant gegen Plato und Aristoteles. Allerdings interessiert sich keiner der Spieler für den Ball. Sie debattieren lieber auf dem Platz oder wandeln nachdenklich durch den Strafraum - begleitet von einem enthusiastischen Kommentator.

Es bleibt bei diesen zwei Folgen, doch die halten die Pythons für ihre beste TV-Produktion überhaupt. Bei ihrer Live-Show 1982 in Los Angeles gibt es drei Einspielungen. "Und die sind alle von unseren Sendungen, darauf war ich stolz", so Biolek.

Autor des Hörfunkbeitrags: Thomas Pfaff
Redaktion: Gesa Rünker​

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