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Loriot-Karikatur

22. August 2011 - Vicco von Bülow alias Loriot stirbt in Ammerland

Stand: 18.08.2021, 10:47 Uhr

Auch zehn Jahre nach seinem Tod ist der Humorist Vicco von Bülow unvergessen. Das, was er als Loriot in die Welt gesetzt hat, ist längst deutsches Kulturgut.

Vicco von Bülow, Loriot (Todestag, 22.08.2011)

WDR ZeitZeichen 22.08.2021 14:58 Min. Verfügbar bis 23.08.2099 WDR 5


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"Ein Klavier, ein Klavier" oder "Früher war mehr Lametta" - ein kurzes Zitat genügt, und in vielen Köpfen laufen die passenden Bilder ab. So sehr haben die Sketche und Filme von Loriot die Bundesrepublik geprägt. Auch Namen wie "Hoppenstedt" und "Müller-Lüdenscheid" sind längst Klassiker, ganz zu schweigen von "Lord Heskerth-Fortescue von Gwyneth Molesworth in Nether Addlethorpe".

Humor und Perfektion

Bernhard-Viktor von Bülow - so Loriots bürgerlicher Name - kommt 1923 in Brandenburg als Sohn eines preußischen Polizeioffiziers zur Welt. Von ihm erbt er den Hang zum Perfektionismus, der später seine Kollegen oft in den Wahnsinn treibt. Nach dem frühen Tod der Mutter wächst er bei seiner Groß- und Urgroßmutter in Berlin auf, die ihm die Liebe zur Kultur und der Oper mitgeben. Im Krieg kämpft Loriot an der Ostfront; eine Zeit, über die er nur ungern spricht.

Die turbulente Nachkriegszeit dagegen ist für Loriot und den deutschen Humor ein Segen. Jeder habe damals "machen können, was er wollte", erinnert sich der Humorist später. Loriot entscheidet sich zunächst für ein Studium der Malerei und Grafik, anschließend arbeitet er als Werbegrafiker und Karikaturist - unter anderem für den "Stern".

In dieser Zeit erfindet er das Knollennasenmännchen, das das Leben der Bundesbürger parodiert - zuerst in Zeitschriften und Büchern, ab Ende der 60er-Jahre auch im Fernsehen. Sendereihen wie "Cartoon" oder "Loriots heile Welt" überführen seine Satire erst in den Trick-, dann in den Realfilm.

"Die Nudel"

1971 erfindet er als Maskottchen der "Aktion Sorgenkind" den Hund Wum, der später in Wim Thoelkes Quizsendung "Der große Preis" zum Publikumsliebling avanciert. Fünf Jahre später bekommt Loriot bei Radio Bremen seine erste eigene Sendung und schreibt endgültig Humorgeschichte.

Mit seinen berühmten Sketchen wie "Die Nudel" oder "Das Frühstücksei" nimmt er nicht nur den kleinbürgerlichen Alltag der Deutschen, sondern auch die Kommunikationspannen zwischen Mann und Frau aufs Korn. Witzig wirkt vor allem der krampfhafte Versuch der Figuren, sich selbst in der lächerlichsten Situation noch hinter gesellschaftlichen Normen zu verstecken.

Loriot folgt Hamann

Fast immer an Loriots Seite: seine 19 Jahre jüngere Fernsehpartnerin Evelyn Hamann. Auch in seinen beiden Kinofilmen "Ödipussi" und "Pappa ante Portas" übernimmt sie die weibliche Hauptrolle. Als sie 2007 stirbt, verabschiedet sich Loriot mit den Worten: "Liebe Evelyn, dein Timing war immer perfekt. Nur heute hast du die Reihenfolge nicht eingehalten. Na warte!"

Loriot stirbt knapp vier Jahre später, am 22. August 2011 in Ammerland am Starnberger See. Seit seiner Beisetzung in Berlin verzieren Fans sein Grab immer wieder mit Gummienten. In Anlehnung an den legendären Badewannen-Sketch: "Die Ente bleibt draußen!"

Autor des Hörfunkbeitrags: Ralph Erdenberger
Redaktion: Gesa Rünker​

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