Abschied vom Schottergarten – was ist zu beachten?

Schottergarten

Abschied vom Schottergarten – was ist zu beachten?

Von Lars Faulenbach

Anfang des Jahrtausends haben sie sich in deutschen Vorgärten breit gemacht: sogenannte Schottergärten. Mittlerweile gibt es einen Gegentrend. Wir erklären, was es zu beachten gilt.

Ginster, ein Eukalyptus, eine kleine Lärche, darunter ein Beet mit Rindenmulch. So sieht der Vorgarten von Helmut Voß Am Ostrand des Ruhrgebiets erst seit April aus. Da hat Voß sich endlich entschieden den Schotter aus dem Vorgarten zu entfernen: „Der Kick hätte schon eher kommen können. Der Vorgarten soll schön sein, aber es soll nicht nur grau sein.“

Beratung vom Fachmann

Zehn Jahre hat es bei Helmut Voß gedauert, bis es klick gemacht und er sich entschieden hat, den Schottergarten zu renaturieren. Den entscheidenden Anstoß hat ein Online-Seminar bei Philippe Dahlmann gegeben. Der ist Gartenberater beim Verband Wohneigentum NRW e.V..

Dahlmann spricht von Steinschüttungen, denn die Schotterflächen haben für ihn mit Garten nichts zu tun: „Ein Garten dient zur Anpflanzung von Blumen, Obst oder Gemüse.“ Die Steinschüttungen hingegen seien ökologisch eine Katastrophe. Häufig wurde der Schotter oder Kies auf ein Vlies oder eine Folie geschüttet, darunter verarme der Mutterboden.

Boden und Artenvielfalt leiden

Auch die Artenvielfalt leide, weil im Schotter kaum Pflanzen wachsen, damit fehlt Lebensraum für Insekten. Außerdem heizen sich die Steinflächen bei Sonnenschein stark auf und auch das Regenwasser kann nicht so gut versickern. Und pflegeleichter seien die Schottergärten auch nicht.

Das musste auch Helmut Voß nach einiger Zeit feststellen. Weil von einer benachbarten Birke Blätter und Samen in seinen Vorgarten geweht wurden, machte sich immer wieder Unkraut breit. Außerdem musste er den Schotter mit Laubsauger und Hochdruckreiniger immer wieder säubern.

Standort vor Rückbau genau analysieren

Wenn Gartenbesitzer wie Helmut Voß ihre Schotterflächen wieder renaturieren wollen, rät Philippe Dahlmann dazu, sich erst mal den Standort genau anzuschauen und dann zu entscheiden, was man dort anpflanzen will: „Wie ist die Belichtung, ist das Sonne, Schatten oder Halbschatten und wie ist der Boden?“

Vor allem den Boden gut zu analysieren sei wichtig, denn häufig sei der nach Jahren unter dem Vlies ökologisch verarmt und müsse ausgetauscht werden. Auch Helmut Voß hat sich für seinen neuen Vorgarten Mutterboden vom Gärtner liefern lassen. Für den Schotter hat er hinter dem Haus eine neue Verwendung gefunden. Weil er den Schotter nicht entsorgen musste, hat Hubert Voss nur die Renaturierung bezahlt – rund 1200 Euro.

Städte geben Fördergeld für Umwandlung

In vielen Städten in NRW bekommen Hausbesitzer mittlerweile einen Zuschuss, wenn sie einen Vorgarten naturnah zurückbauen. 500 Euro gibt es zum Beispiel in Bielefeld und Korschenbroich, in Recklinghausen sogar 2500. Voraussetzung ist, das mindestens 10 qm umgewandelt werden und Pflanzen im neuen Vorgarten im Vordergrund stehen.

Renaturierung von Schottergärten

WDR 2 Servicezeit 15.09.2021 03:49 Min. Verfügbar bis 15.09.2022 WDR 2


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Stand: 14.09.2021, 17:30