Vorwürfe gegen schwarze Bemalung von Knecht Ruprecht bei Nikolausumzug

Lokalzeit Münsterland 21.12.2022 00:46 Min. Verfügbar bis 21.12.2023 WDR Von Heike Zafar

Schwarz geschminkter Knecht Ruprecht sorgt für Ärger

Stand: 22.12.2022, 20:00 Uhr

Nach Nikolausauftritten in Wadersloh und Freckenhorst hagelt es Beschimpfungen. Grund ist der schwarz geschminkte Knecht Ruprecht. Nach Meinung der Kritiker ist das "Blackfacing" und rassistisch.

Von Heike Zafar

Christian Thegelkamp

Bürgermeister Thegelkamp hat Anzeige erstattet

Bürgermeister Christian Thegelkamp aus Wadersloh hatte sich wohl nichts Böses dabei gedacht, als er auf Instagram ein Foto vom diesjährigen Nikolausauftritt mit traditionell schwarz geschminktem Knecht Ruprecht gepostet hat. Die Reaktionen darauf kamen aus ganz Deutschland, und die Drohungen waren so massiv, dass Thegelkamp Anzeige wegen übler Nachrede und Beleidigung gestellt hat.

Die Polizei in Münster bestätigt, dass der Staatsschutz in zwei Fällen ermittelt, die Sache sei zur rechtlichen Überprüfung auch an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Der Bürgermeister möchte sich jetzt nicht mehr persönlich zu dem Fall äußern, seinen Instagram-Post hat er inzwischen gelöscht.

Streit um schwarz geschminkten Knecht Ruprecht

"Blackfacing"-Vorwürfe gibt es auch in Freckenhorst. Dort bekommt jedes zwei- bis achtjährige Kind traditionell Besuch vom Nikolaus, begleitet von einem schwarz geschminkten Knecht Ruprecht. Der Verein schickt etliche Teams aus Nikolaus und Knecht Ruprecht durch den Ort.

altes Gruppenbild von mehreren Nikoläusen und mit mehreren Knecht Ruprechts

In Freckenhorst gibt es seit Jahrzehnten etliche Nikolaus/Knecht Ruprecht-Teams

"Das soll aber kein Afrikaner sein, sondern ein Köhler", sagt Richard Poppenborg. Er ist der Primas des Freckenhorster Nikolaus Collegiums, eines ganzen Stabs von Nikoläusen und Knecht Ruprechten. Der Köhler sei früher mit Ruß bemalt worden, seit einiger Zeit sei man aber auf Theaterschminke umgeschwenkt.

Aus Sicht der Kritiker handelt es sich aber um einen klaren Fall von "Blackfacing". Einen Knecht Ruprecht schwarz anzumalen sei rassistisch und könne die Gefühle von farbigen Menschen verletzen.

"Blackfacing" stammt aus den USA

Ein Mann mit schwarz geschminktem Gesicht schaut in den Spiegel.

Das Blackfacing kommt aus den Minstrel Shows in den USA

In den sogenannten "Minstrel Shows" des 18. und 19. Jahrhunderts hatten weiße Darsteller mit schwarzer Schminke auf der Bühne farbige Menschen, zum Beispiel Sklaven , dargestellt – und sie dabei ins Lächerliche gezogen. In den USA galten solche Shows schon Anfang des 20 Jahrhunderts als rassistisch. In Deutschland kam die Diskussion erst sehr viel später auf.

Das Nikolaus-Collegium in Freckenhorst verwahrt sich allerdings gegen jeden Rassismus-Verdacht. "Bei uns hat das schwarz angemalte Gesicht einfach Tradition", sagt Richard Poppenborg. Er kann kaum nachvollziehen, warum es darüber so viel Ärger geben kann.