Runder Tisch zu Long Covid

Aktuelle Stunde 12.09.2023 33:58 Min. UT Verfügbar bis 12.09.2025 WDR Von Lucie Jäckels

Long Covid: Diese Hilfen gibt es für Betroffene in NRW

Stand: 12.09.2023, 16:41 Uhr

Long-Covid-Erkrankte besser versorgen - das ist das Ziel eines Runden Tisches, den Gesundheitsminister Lauterbach initiiert hat. In NRW gibt es bisher bereits diese Hilfen.

Obwohl bei Long Covid die Versorgung und Forschung noch verbessert werden soll: Bereits jetzt existieren auch in NRW verschiedene Hilfsangebote für Patientinnen und Patienten. Auf die wichtigsten Fragen gibt es in der folgenden Übersicht Antworten.

Nach zwei Jahren geht es endlich aufwärts: Jette aus NRW hatte sich mit Corona angesteckt und leidet an Long Covid. Doch mittlerweile hat sich ihr Körper erholt und die Abiturientin kann jetzt wieder Sport machen, wie sie am Montag dem WDR erzählt hat. Von ihrer Diagnose hatte sie erst in der Long-Covid-Ambulanz in Wesel erfahren.

Im Juli hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Initiative gestartet, um Betroffenen wie Jette schneller und besser zu helfen zu können. Der von ihm dazu angekündigte Runde Tisch traf sich nun am Dienstag zum ersten Mal.

Was ist Long Covid eigentlich?

Unter diesem Begriff werden Beschwerden verstanden, die mehr als vier Wochen nach Ansteckung mit dem Coronavirus fortbestehen, sich verschlechtern oder neu auftreten.

Halten die Beschwerden länger als zwölf Wochen an, spricht man von Post-Covid. Sie beeinträchtigen die Betroffenen in der Regel im Alltag und dauern mindestens zwei Monate an - und können anderweitig nicht erklärt werden. 

"Als Oberbegriff umfasst Long Covid alle Langzeitbeschwerden, die länger als vier Wochen nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus vorhanden sind, und damit auch Post Covid", so das Bundesgesundheitsministerium.

Welche Symptome gehören zu Long Covid?

Die berichteten Beschwerden können sehr verschieden sein. Ein einheitliches Krankheitsbild gibt es bei Long Covid bisher nicht.

Viele Patientinnen berichten nach Angaben des RKI von Erschöpfung, eingeschränkter Belastbarkeit, von Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, aber auch Kurzatmigkeit und Husten. Es gebe zudem ebenfalls Hinweise auf Einschränkungen der Lungen- und Nierenfunktion sowie eine Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie häufig ist Long Covid?

Etwa eine Million Menschen könnten in Deutschland an Long Covid leiden – als Nachwirkung einer Corona-Infektion. Doch das ist nur eine Schätzung. Wie häufig Long Covid ist, kann man noch nicht genau sagen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) kommen bisherige Untersuchungen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Nach Angaben des RKI gehen Studien davon aus, dass etwa sechs bis 15 Prozent der Corona-Infizierten Langzeitsymptome entwickeln. Das Universitätsklinikum Jena, das eine Long-Covid-Ambulanz betreibt, nannte eine Zahl von fünf bis zehn Prozent.

Wie wird Long Covid diagnostiziert?

Bisher gibt es keinen einzelnen Test oder einen eindeutigen Beleg für Long Covid - so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Um die Diagnose zu stellen, müssen deshalb zuerst andere Gründe für die Beschwerden ausgeschlossen werden. So können zum Beispiel Kopfschmerzen oder Gedächtnisschwierigkeiten auch andere Ursachen haben.

Auch bei Atemnot muss nicht zwingend eine Lungenerkrankung vorliegen. Gründe dafür können auch Angst oder Trainingsmangel sein. Um das auszuschließen, können zum Beispiel mit Geräten Lungenfunktionsteste durchgeführt werden.

Wo bekomme ich Hilfe?

Patientinnen und Patienten sollten sich zunächst immer bei der Hausarzt-Praxis melden - sagt das NRW-Gesundheitsministerium. Für Kinder und Jugendliche sind die Kinderarzt-Praxen die erste Anlaufstelle. Dort kann abgeklärt werden, ob Fachärztinnen und Fachärzte, eine Covid-Spezialambulanz oder ein Kompetenzzentrum eingeschaltet werden sollen.

Bisher gibt drei große Spezialambulanzen in Deutschland. Diese befinden sich in Berlin, München und Marburg. Aber auch in NRW gibt es Long-Covid-Ambulanzen: Es sind 21 Ambulanzen für Erwachsenen und vier Ambulanzen für Kinder und Jugendliche. Diese Anlaufstellen sind in einer Übersicht des Landesgesundheitsministeriums aufgeführt.

Wie sieht es mit einer Reha bei Corona-Langzeitfolgen aus?

Das ist grundsätzlich möglich. Über eine Reha entscheidet die zuständige Rentenversicherung, beraten lassen kann man sich hierzu beim behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin.

Die Reha-Angebote richten sich nach den Beschwerden und können deshalb sehr unterschiedlich sein. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es zum Beispiel Angebote, die besonders auf die Behandlung von Lungenbeschwerden oder Störungen des Nervensystems spezialisiert sind.

Im Jahr 2022 wurden von der Deutschen Rentenversicherung nach eigenen Angaben rund 21.000 Post-Covid-Rehabilitationen durchgeführt. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2021 rund 10.000 solcher Rehas und in 2020 rund 1.500.

Unsere Quellen:

  • "Aktuelle Stunde", WDR-Fernsehen
  • Agentur AFP
  • Robert-Koch-Institut (RKI)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
  • Bundesgesundheitsministerium
  • Deutsche Rentenversicherung

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