Warum die Corona-Inzidenz in manchen Kommunen steigt

Die Grafik zeigt mehrere positive und negative Zahlen vor einer Karte des Landes Nordrhein-Westfalen

Warum die Corona-Inzidenz in manchen Kommunen steigt

Von Jörn Kießler

Die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW sinkt stetig. Dennoch gibt es einige Kommunen, in denen der Wert derzeit wieder leicht steigt. Dafür gibt es aber eine einfache Erklärung.

Seit Wochen sinkt die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen. Am Dienstag erreichte sie einen Wert von 5,6 und war damit so niedrig wie zuletzt Mitte Juli des vergangenen Jahres. Trotz dieses Trends gibt es einige Kommunen in NRW, in denen die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche wieder steigt - zumindest kurzfristig.

"Das hängt damit zusammen, dass die Inzidenzen derzeit sehr niedrig sind", erklärt Melanie Pothmann vom Landeszentrum Gesundheit (LZG) NRW. "Wenn es dann in einer Kommune nur einen leichten Anstieg bei den Neuinfektionen an einem Tag gibt, schlägt sich das gleich deutlich in der Inzidenz nieder."

Kurzer Inzidenz-Anstieg in Hamm

Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung in Hamm. Dort lag der Inzidenzwert am vergangenen Dienstag bei 3,9. Doch dann infizierten sich in den darauffolgenden vier Tagen 16 Menschen mit dem Coronavirus - in der gesamten Stadt mit fast 180.000 Einwohnern. Die Inzidenz stieg daraufhin am Sonntag auf 11,1.

Da am Sonntag aber nur zwei neue Infektionen und am Montag keine gemeldet wurden, sinkt die Kurve der Sieben-Tage-Inzidenz mittlerweile wieder. Am Montag lag sie bei 10,6.

Inzidenzen über mehrere Wochen beobachten

"Deshalb ist es auch wichtig, dass man die Zahlen über eine Zeitraum von mehreren Wochen beobachtet, bevor man Rückschlüsse daraus zieht", erklärt Pothmann. "Und dass man genau schaut, wie oder wo es zu den Häufungen von Neuinfektionen gekommen ist."

So wie im Märkischen Kreis, wo die Inzidenz innerhalb einer Woche von 10 auf 12,7 gestiegen ist. Verantwortlich dafür ist der Sonntag vor einer Woche, an dem sich 18 Menschen mit SARS-CoV-2 ansteckten. "Da hatten sich insgesamt sieben Menschen in einer Familie infiziert", erklärt Alexander Bange vom Märkischen Kreis.

Kontaktverfolgung wegen Delta-Variante umso wichtiger

In Folge dieser Infektionen steckten sich dann weitere Kontaktpersonen an. Und obwohl die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen seitdem wieder sinkt, ging die Sieben-Tage-Inzidenz aufgrund dieser Ansteckungen erst einmal weiter hoch. "Wir gehen aber davon aus, dass das kein nachhaltiges Phänomen ist", sagt Bange.

Mit dem Ausbreiten der Delta-Variante des Virus ist in diesem Zusammenhang auch entscheidend, wie schnell Neuinfektionen entdeckt werden und sich die Infizierten in Quarantäne begeben. Die Mutation ist nach Informationen des Robert-Koch-Instituts ansteckender als das ursprüngliche Coronavirus - die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kontaktpersonen anstecken ist also höher.

Inzidenz sinkt so schnell wie sie gestiegen ist

Was passiert, wenn es gelingt, einen Infektionsherd schnell einzudämmen, kann man am Oberbergischen Kreis sehen. Auch hier stieg die Inzidenz in der vergangenen Woche innerhalb von drei Tagen von 9,6 auf 13,2. Ursache waren zwei Tage innerhalb einer Woche, an denen die Zahl der Neuinfektionen über 10 lag. So wurden vergangenen Freitag 13 Neuinfektionen an einem Tag gemeldet.

Seitdem haben sich aber nur insgesamt fünf Menschen mit SARS-CoV-2 angesteckt. Die Folge: Die Inzidenz lag am Dienstag nur noch bei 10,3 - Tendenz sinkend.

Stand: 29.06.2021, 11:24