Wo Deutschland nach einem Corona-Impfstoff forscht

Wo Deutschland nach einem Corona-Impfstoff forscht

Von Karin Bensch und Mathias Tertilt

Weltweit gibt es laut WHO mehr als 200 Impfstoffkandidaten. Am Montag meldete auch der US-Konzern Moderna Erfolge. In NRW sind ebenfalls Unternehmen an der Suche beteiligt.

Karte der Standorte deutscher Unternehmen, die an einem Corona-Impfstof forschen.

Insgesamt drei deutsche Impfstoffhersteller fördert die Bundesregierung mit insgesamt 750 Millionen Euro. Darunter sind die Unternehmen BioNTech (Mainz), CureVac (Tübingen) und IDT Biologika (Dessau).

Erste RNA-Impfung könnte bald zugelassen werden

BioNTech und CureVac setzen beide auf mRNA-Impfstoffe. Sie lassen sich besonders schnell produzieren und schleusen einen "Bauplan" für Virusbestandteile in die Zellen. Der Körper baut den eigentlichen Impfstoff dann selber zusammen.

Corona: Forschungsstand bei der Suche nach einem Impfstoff

WDR 5 Morgenecho - Interview 14.11.2020 04:52 Min. Verfügbar bis 13.11.2021 WDR 5


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Bislang ist solch ein Impfstoff-Typ noch nicht zugelassen. Auch das Münchner Start-Up Baseclick arbeitet an einem mRNA-Impfstoff. BioNTech schließt in Kürze die finale Phase 3-Studie ab und will dann eine Zulassung beantragen. CureVac rechnet erst im Herbst 2021 mit einer Zulassung.

Auch in NRW wird geforscht

Für den Einsatz in strukturschwachen Ländern kommt BioNTechs Impfstoff womöglich nicht in Frage. Er muss bei Minustemperaturen transportiert werden. Die Firma Artes Biotechnology aus Langenfeld setzt auf Hefe-Zellen.

Mit dem Verfahren lassen sich Impfstoffe einfach in Entwicklungs- und Schwellenländer herstellen. Marktreif wären erste Impfdosen ab der zweiten Hälfte des nächsten Jahres.

Vektor-Impfstoffe haben sich bereits bewährt

Zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickelt das Dessauer Unternehmen IDT Biologika Vektorimpfstoffe, die bald in klinischen Studien getestet werden sollen.

Ein entschärftes Masern-Virus soll so Bestandteile des Coronavirus in die Zellen transportieren. Ähnlich funktioniert die Ebola-Impfung.

Auch das Tübinger Start-Up Prime Vector Techologies sowie das bayerische Unternehmen Leukocare (Planegg) arbeitet an so einem Impfstoff. Der wird bereits an Probanden erprobt.

US-Konzern Moderna meldet Erfolge

Gesundheitsexperten erwarten, dass mehrere Impfstoffe gleichzeitig zum Einsatz kommen werden, um den weltweiten Bedarf zu decken. Nach BioNTech hat auch der US-Konzern Moderna positive Ergebnisse bei der Impfstoff-Suche gemeldet.

Bei einer Zwischenanalyse habe der Impfstoff eine Effektivität von 94,5 Prozent gezeigt, so das Pharmaunternehmen. Dies hätten Tests an 30.000 Menschen ergeben. Die EU-Kommission verhandelt bereits mit dem US-Konzern über die Lieferung von bis zu 160 Millionen Impfdosen.

Es ist noch nicht klar, ob die Impfstoffe nur den Krankheitsverlauf abschwächen oder die Infektion selbst und damit die Verbreitung des Virus verhindern.

Viele verschiedene Impfstoffe - ist das sinnvoll?

In mehr als 200 Projekten weltweit wird nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO an einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht. Allein in Deutschland beteiligen sich zehn Unternehmen an der Suche nach einem Mittel gegen SARS-CoV-2. Doch ist es überhaupt sinnvoll, dass so viele Wissenschaftler unabhängig voneinander versuchen, einen Impfstoff zu entwickeln?

Ja, sagt die WDR-Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori. Dafür gebe es drei Gründe:

  1. Einige der Impfstoffe werden womöglich am Ende nicht zugelassen, auch wenn schon mehrere Jahre Forschung darin stecken.
  2. Bei der Corona-Epidemie handelt es sich um eine weltweite Pandemie. Das heißt, erst wenn eine ausreichende Menge an Impfstoffen zur Verfügung steht, kann die Krise überwunden werden.
  3. Jeder Impfstoff hat Vor- und Nachteile. So könnte es sein, dass ein Impfstoff besser bei Kindern wirkt, ein anderer für ältere Menschen verträglicher ist.

Stand: 16.11.2020, 14:31