Dritte Corona-Impfung: Stiftung Patientenschutz spricht von "absolutem Staatsversagen"

Dritte Corona-Impfung: Stiftung Patientenschutz spricht von "absolutem Staatsversagen"

Gesundheitsexperten und Patientenschützer fordern mehr Tempo bei der dritten Corona-Impfung. 1,6 Millionen Menschen wurden in Deutschland bisher erneut immunisiert - nur ein Bruchteil derer, für die die dritte Dosis empfohlen wird.

Seit einigen Tagen hören wir wieder genauer hin, wenn das Robert Koch-Institut (RKI) seine täglichen Corona-Zahlen verkündet. Am Dienstag meldete das RKI eine bundesweite Inzidenz von 113 - die gefürchtete Herbst-Winter-Welle ist offenbar im Anmarsch.

Wenn man geimpft ist, kann man da zwar wahrscheinlich etwas entspannter drauf schauen als im vergangenen Jahr - aber einen hundertprozentigen Covid-19-Schutz gibt es nicht, vor allem nicht für Risikopatienten. Und deshalb fordern Gesundheitsexperten und Patientenschützer mehr Tempo bei den Auffrischungs-Impfungen.

13 Millionen Menschen in Deutschland über 70

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie vor allem für Menschen ab 70 - frühestens ein halbes Jahr nach der letzten Impfung. Außerdem für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Und dann zum Beispiel denen, die direkten Kontakt mit Patienten haben - also etwa Beschäftigte in der Pflege.

Auch Menschen, die mit dem Impfstoff Johnson & Johnson immunisiert wurden, wird eine Auffrischung empfohlen. Grundsätzlich darf sich - in Absprache mit dem Hausarzt - jeder "boostern", egal wie alt. In der Summe kommen also viele Menschen in Frage, allein 13 Millionen Menschen in Deutschland sind älter als 70.

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Die Dritt-Impfungen würden für diese vulnerablen Gruppen dringend gebraucht, sagte Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach forderte eine neue Impfkampagne zu den Auffrischungsimpfungen.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sprach bei den zu geringen Booster-Impfungen von "absolutem Staatsversagen". Diese Impfungen hätten gerade für die Älteren und Pflegebedürftigen viel früher und besser vorbereitet werden müssen.

Warum das Boostern so wichtig ist

Die Stiko empfiehlt die Auffrischungsimpfung deshalb, weil der Impfschutz nach einer Corona-Grundimmunisierung mit der Zeit nachlasse. Und bei Risikopatienten falle die Immunantwort nach einer Impfung generell geringer aus. Impfdurchbrüche könnten dann häufiger zu einem schweren Krankheitsverlauf führen.

In Nordrhein-Westfalen machten die Auffrischungsimpfungen Mitte Oktober rund ein Drittel aller Corona-Impfungen aus. Hier sollen laut Gesundheitsministerium jetzt alle Über-70-Jährigen auf dem Postweg Informationen zu den Auffrischungen bekommen. Durchgeführt wird der Boost dann in der Regel beim Haus-, Fach- oder Betriebsarzt.

Die Kreise und Kommunen in Ostwestfalen-Lippe wollen die Dritt-Impfungen für Geflüchtete und Obdachlose noch vor Weihnachten beginnen. Sie zählten schon im Frühjahr zu einer höheren Impfpriorität, weil sie oft in Unterkünften eng zusammenleben. Gemeinsam mit den Kommunen sind in der Region mobile Impfaktionen geplant. Die können an Impfbussen, in Arztpraxen oder auch in Unterkünften stattfinden. 

Stand: 26.10.2021, 17:21