Mafia-Prozess in Düsseldorf nach Unterbrechung fortgesetzt

Einer der größten Mafia-Prozesse in Deutschland ist wieder unterbrochen worden. Nach Corona-Schnelltests konnte es aber weitergehen.

Der Mafia-Prozess in Düsseldorf ist nach Corona-Schnelltests und einer ärztlichen Untersuchung der drei Staatsanwälte am Montag fortgesetzt worden. Die Tests seien negativ gewesen, sagte der Vorsitzende Richter.

Verteidiger waren gegen Prozess-Fortsetzung

Während der Verhandlung am Montag in Düsseldorf war einer der drei Staatsanwälte abberufen worden. Er hatte nach Aussage der anderen Staatsanwälte mit einem Polizisten in einem Auto gesessen, der später positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Mehrere Verteidiger protestierten daraufhin gegen die Fortsetzung des Prozesses und das Gericht zog sich zur Beratung zurück.

Prozess sollte nach Zwangspause richtig starten

Der Prozess war nach der Zwangspause am Montagmorgen (26.10.2020) gerade wieder aufgenommen worden. Eigentlich sollte die Anklage verlesen werden.

Vor rund zwei Wochen musste einer der Angeklagten in Quarantäne. Er sitzt nicht im Gefängnis und soll Kontakt zu seiner Mutter gehabt haben, die positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. Daraufhin wurde der Prozess in Düsseldorf unterbrochen.

Vorwurf: Mitglieder oder Unterstützer der kalabrischen Mafia

Angeklagt vor dem Landgericht Duisburg sind 14 mutmaßliche Mitglieder oder Unterstützer der 'Ndrangheta. Aus Sicherheitsgründen findet der Prozess seit Montag nicht in Duisburg, sondern im so genannten "Terrorbunker", einem besonders geschützten Bereich des Düsseldorfer Oberlandesgerichts, statt.

Blick ins Innere des Oberlandesgerichts Düsseldorf während des Mafia-Prozesses. | Bildquelle: Martin Höke

Die Angeklagten kommen unter anderem aus Duisburg, Mönchengladbach und Düsseldorf. Einigen von ihnen wird die Bildung und Unterstützung einer ausländischen kriminellen Vereinigung und bandenmäßiger Drogenhandel vorgeworfen. Andere müssen sich wegen gewerbsmäßiger Geldwäsche und Verstößen gegen das Waffenrecht verantworten.

Mafia-Prozess in Düsseldorf 00:31 Min. Verfügbar bis 26.10.2021

Auslöser: Drogenfund in den Niederlanden

Niederländische Zöllner hatten in einem Überseecontainer 80 Kilogramm reines Kokain gefunden - addressiert an einen Empfänger in Nordrhein-Westfalen. Es folgte ein internationales Ermittlungsverfahren und schließlich der gleichzeitige Sturm von Spezialeinheiten auf Geschäfte und Restaurants in Belgien, den Niederlanden und Deutschland.

Vier Tonnen Kokain wurden am so genannten "Joint Action Day" im Jahr 2018 sichergestellt, 84 Personen festgenommen. Die Geldwäsche soll unter anderem über "Fake-Unternehmen" in Deutschland stattgefunden haben.

Die italienischen Angeklagten schweigen bisher zu den Vorwürfen. Für den Prozess in Düsseldorf sind insgesamt 91 Verhandlungstage angesetzt.