Wie Bonn in den Koalitionsvertrag kam

Von Sebastian Tittelbach

Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung kommt die Stadt Bonn überraschend prominent vor. Die Ampel will die Arbeitsteilung zwischen Bonn und Berlin neu regeln.

Während das Spitzenpersonal der Ampel in Berlin den Koalitionsvertrag mit viel Stolz vorstellte, freuten sich drei Bonner Köpfe über ihren Coup: "In dem Moment hab ich vor allem Personen hier in Bonn Bescheid gegeben, dass es wirklich geklappt hat", erinnert sich Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne). Die Juso-Bundesvorsitzende Jessica Rosenthal spricht von "Bonner Teamwork" und auch Alexander Graf Lambsdorff (FDP) strahlt per Videoschalte aus Berlin.

Bekenntnis zum Bonn-Berlin-Gesetz und zum UN-Standort Bonn

Zweimal wird Bonn im Koalitionsvertrag erwähnt. Zum einen bekennt sich die Koalition zum "Bonn-Berlin-Gesetz", das die Arbeitsteilung zwischen alter und neuer Hauptstadt regelt und nun um einen Vertrag ergänzt werden soll. Zum anderen soll Bonn als der deutsche Sitz der Vereinten Nationen gestärkt werden.

Das Glück für Bonn war, dass alle drei - Dörner, Rosenthal und Graf Lambsdorff - in den Arbeitsgruppen am Koalitionsvertrag mitgeschrieben haben. Gleichzeitig nutzten sie ihr Netzwerk: Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Britta Haßelmann, gilt als enge Vertraute von Katja Dörner. Jessica Rosenthal konnte Parteikollege und NRW-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty überzeugen, dass ihm der Passus über Bonn bei Landtagswahl nützen könnte.

Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), Jessica Rosenthal (SPD), Alexander Graf Lambsdorff (FDP) (v.l.n.r.) | Bildquelle: Ute Grabowsky/phototek.net; Kay Nietfeld/dpa; Felix Zahn/phototek.net

Langer Wunschzettel aus Bonn

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Bonn schon einmal in einem Koalitionsvertrag stand. Vor vier Jahren, bei der GroKo. Damals wurde auch versprochen, dass Bonns Rolle gestärkt werden soll. Bonn hatte damals einen sehr langen Wunschzettel nach Berlin geschickt: Keine Arbeitsplatzverlagerung in die Hauptstadt, stattdessen Neuansiedlungen von Behörden in Bonn. Bonn sollte Deutsches Zentrum für Kultur, Cybersicherheit, Internationale Zusammenarbeit und vieles andere mehr werden. Doch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CDU) hat das Thema bis zur Bundestagswahl ausgesessen.

"Aufbauprogramm Bonn" schwer zu finanzieren

Auch jetzt ist die Situation nicht leicht. Für eine Art "Aufbauprogramm Bonn" fehlt das Geld, ist der Bonner Politologe Prof. Volker Kronenberg überzeugt: "Das Thema ist prominent platziert, die Akteure sind stark, aber es hängt auch davon ab, ob der Wille da ist, das Geld für den Bonn-Berlin-Ausgleich in die Hand zu nehmen. Ich wäre skeptisch, dass es ein Selbstläufer wird."

Kronenberg empfiehlt, dass Bonn bei Verhandlungen nicht zu hoch pokern sollte. Auch sitzt im neuen Bundestags kaum noch ein Abgeordneter, der die Bonner Hauptstadtzeit aktiv miterlebt hat. Sie liegt ja schon fast 30 Jahre zurück.