Krankenhäuser fürchten "extreme Belastungsprobe" im Herbst

Stand: 24.07.2022, 15:31 Uhr

Die Corona-Sommerwelle macht den Krankenhäusern zu schaffen. Dabei sei die Zahl der positiv getesteten Patienten nicht das Hauptproblem, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß. Vor allem der hohe Krankenstand bei den Mitarbeitern mache Probleme.

"Die Zahlen verdeutlichen, dass der Herbst für die Kliniken erneut eine extreme Belastungsprobe werden kann", sagte Gaß den Zeitungen der Funke Mediengruppe. In vielen Krankenhäusern müssten planbare Operationen verschoben, ganze Bereiche zeitweise abgemeldet werden. Nicht nur, weil deutlich mehr Corona-Patienten auf den Intensivstationen lägen als noch vor einem Jahr.

Portät von Gerald Gaß

Tatsächlich liegen derzeit rund 1.406 Corona-Infizierte deutschlandweit auf Intensivstationen - vier mal so viele wie vor einem Jahr. Dazu kommen zahlreiche Personalausfälle in den Kliniken. So meldete das Klinikum Leverkusen Anfang des Monats, dass von 30 Intensivbetten täglich vier bis sechs wegen Personalmangels fehlten. Man befinde sich im eingeschränkten Betrieb.

So wenige Intensivstationen im regulären Betrieb wie seit Dezember nicht mehr

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund warnt wegen der Personalausfälle vor einer erneuten Überlastung des Gesundheitssystems. Derzeit melden in Nordrhein-Westfalen laut DIVI-Intensivregister nur noch 65 von 304 Intensivstationen einen regulären Betrieb. Das sind so wenige wie seit Mitte Dezember nicht mehr und selbst zum Höhepunkt der Corona-Pandemie lag dieser Wert nie unter 63.

Vor einem Jahr war die Lage noch deutlich entspannter. Damals meldeten 157 Intensivstationen einen regulären Betrieb. Auch wenn der Anteil der Corona-Erkrankten, der intensivmedizinisch behandelt werden muss, deutlich geringer ist, warnt DKG-Chef Gaß, dass schon jetzt im Sommer die Belastung für die Mitarbeiter steige - auch wegen des deutlichen Mehraufwand durch die Pflicht zur Isolation.

Gesundheitsminister will an Isolationspflicht festhalten

Dass Gesundheitsminister Lauterbach an dieser festhalten will, hatte er bereits am gestrigen Samstag bekräftigt. Eine weitere Verkürzung würde insbesondere aus medizinischer Sicht keinen Sinn machen, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Man werde die Lage aber weiter beobachten.

Über dieses Thema berichten wir im WDR am 24.07.2022 auch im Hörfunk: WDR aktuell Nachrichten, 4 Uhr.

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