28. September 2008 - Vor 5 Jahren: Tod des US-Regisseurs Elia Kazan

Stichtag

28. September 2008 - Vor 5 Jahren: Tod des US-Regisseurs Elia Kazan

"Mein Leben war eine Hölle, und wenn ich hinabfahren sollte, dann wird es mir eine Genugtuung sein." So endet Elia Kazans Autobiografie "A Life" aus dem Jahr 1988. Sein Leben ist geprägt von unschätzbaren Verdiensten um die amerikanische Theater- und Filmkunst, aber auch von Verrat an ehemaligen Freunden und Mitstreitern. Kazan ist der erste Regisseur, der das gelobte Land Amerika am Broadway ebenso wie in seinen großen Hollywood -Produktionen von der hässlichen Seite zeigt, als Land der eng begrenzten Möglichkeiten. Er verhilft Autoren wie Tennessee Williams und Arthur Miller  zum Durchbruch, entdeckt Marlon Brando oder James Dean  und dreht mit "Die Faust im Nacken" und "Jenseits von Eden" Meilensteine der Filmgeschichte.

Elia Kazancioglu, 1909 in Konstantinopel (heute Istanbul)  geboren, kommt als Vierjähriger mit seinen Eltern in die USA. In New York  ist der Sohn eines armenischen Teppichhändlers ein Außenseiter- und wird es sein Leben lang bleiben. Elia verkürzt seinen Nachnamen und schließt sich 1932 dem von Lee Strasberg geleiteten linken Group Theatre an. Für zwei Jahre wird er Mitglied der amerikanischen Kommunistischen Partei, die er aber aus Protest gegen den totalitären Stalinismus wieder verlässt.  1947 begründet Kazan zusammen mit Strasberg das Actors Studio, das revolutionären Einfluss auf die Schauspielerausbildung hat. Als Broadway -Regisseur macht er "Endstation Sehnsucht" und "Tod eines Handlungsreisenden" zu Sensationserfolgen. Bereits für seinen zweiten Kino-Spielfilm "Tabu der Gerechten" erhält Kazan den ersten von zwei Regie-Oscars.

Es ist die ungeschönte Darstellung sozialer Verhältnisse in seinen Leinwand-Meisterwerken "Endstation Sehnsucht" und "Viva Zapata" (beide mit Marlon Brando), die Elia Kazan ins Visier des Kommunistenjägers Joseph McCarthy bringt. Am 10. April 1952 sagt der Star-Regisseur vor dem Komitee für unamerikanische Aktivitäten aus und denunziert ohne Druck etliche seiner früheren Genossen und Kollegen. Seine anschließend entstehenden Verräter-Dramen "Die Faust im Nacken", wieder mit Marlon Brando, und "Jenseits von Eden" mit James Dean in der Hauptrolle, werden von den Kritikern als Erklärungsversuche des Verräters Kazan interpretiert.Nach seinem Alterswerk "Der letzte Tycoon" (1976) betätigt sich Kazan nur noch schriftstellerisch. Als 90-Jähriger spaltet er Hollywood noch einmal: Anlässlich der Verleihung des Ehren-Oscars verweigern ihm viele Superstars den Applaus oder verlassen sogar demonstrativ die Veranstaltung. Worte der Erklärung oder Entschuldigung für seinen damaligen Verrat spart sich der gebrechliche Jubilar. Vier Jahre später, am 28. September 2003, stirbt Elia Kazan in New York friedlich im Kreis seiner Familie. 

Stand: 28.09.08