21. Dezember 2015 – FIFA sperrt Sepp Blatter und Michel Platini

Sepp Blatter (l.) und Michel Platini im Mai 2015

21. Dezember 2015 – FIFA sperrt Sepp Blatter und Michel Platini

"Michel Platini ist ein ehrlicher Mann." Davon gibt sich Joseph "Sepp" Blatter in einer Pressekonferenz am 21. Dezember 2015 überzeugt.

Zuvor hat der in Zürich beheimatete Weltfußballverband "Fédération Internationale de Football Association" (FIFA) dass sie Platini als Chef des europäischen Fußballverband UEFA und Blatter als langjährigem FIFA-Chef eine achtjährige Sperre und Geldstrafen aufbrummen will. 

Zwei Millionen Franken verschwunden

"Ich bin ein ehrlicher Mensch", behauptet auch Blatter von sich. "Diese Vorverurteilung, das geht fast in die altkatholische Inquisition hinein."

Allerdings ist es nicht die Inquisition, die das Urteil gesprochen hat, sondern die FIFA-Ethikkommission. Und es geht auch nicht um Hexenverbrennungen, sondern um verschwundene zwei Millionen Schweizer Franken. 

Joseph Blatter und Michel Platini gesperrt (am 21.12.2015)

WDR 2 Stichtag 21.12.2020 04:17 Min. Verfügbar bis 19.12.2030 WDR 2


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Geld fließt ohne Rechtsgrundlage

Alles beginnt, als Platini seine Arbeit als Vizepräsident des Organisationskomitees zur Fußball-WM 1998 in Frankreich beendet. Nun will er FIFA-Präsident werden.

Blatter überzeugt ihn offenbar davon, zu jung für das Amt zu sein. Stattdessen schlägt er vor, seinerseits zu kandidieren und Platini ins Team zu nehmen. In der Nacht vor der Wahl verteilen Blatters Parteifunktionäre Briefumschläge an afrikanische Funktionäre. Offenbar mit Geld.

Vier Jahre später fliegt der Deal auf

Blatter wird gewählt. In einem persönlichen Gespräch ernennt er Platini zu seinem Berater und stellt ihm eine Million Franken pro Jahr in Aussicht. Zwischen 1999 und 2002 summiert sich das auf zwei Millionen Franken.

Allerdings überweist Blatter den mündlich zugesagten Betrag, der in keiner Bilanz auftaucht, erst im Vorfeld seiner Wiederwahl, für die die Stimmen der UEFA wichtig sind, 2011.

Vier Jahre später kommt der Deal durch Ermittlungen des FBI heraus. Blatter und Platini müssen ihre Büros zunächst für 90 Tage räumen. Acht Jahre Sperre und 50.000 Franken für Blatter sowie 80.000 Franken für Platini als Geldstrafe folgen. Und der anschließende Rücktritt Blatters als FIFA-Chef.

Der Funktionär als Terminator

"Es ist falsch, den FIFA-Präsidenten zu sperren", sagt Sepp Blatter nach dem FIFA-Entscheid vor der Presse. "Es ist noch nicht zu Ende. Am Morgen war ich traurig, jetzt bin ich kämpferisch. Man stellt mich und Michel Platini als Lügner hin. Das geht nicht. Nicht nach 40 Jahren. Das ist respektlos."

In einem Berufungsverfahren wird Blatters Sperre 2016 auf sechs Jahre reduziert.​

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