18. Dezember 2000 - Letzte Ausgabe der Musikzeitschrift "Melody Maker" erscheint

Titelseite der britischen Musikzeitschrift "Melody Maker" vom Januar 1962

18. Dezember 2000 - Letzte Ausgabe der Musikzeitschrift "Melody Maker" erscheint

"'Melody Maker' war einzigartig, es war die erste wöchentliche Musikzeitschrift der Welt", sagt der frühere Chefredakteur Christopher Welch. Das britische Fachblatt erscheint erstmals 1926. Es richtet sich an Musiker und Tanz-Bands - mit Konzert-Ankündigungen, Job-Anzeigen, Instrumentenbörsen.

In den 1930er Jahren sammelt das Magazin Geld, um in Großbritannien noch unbekannte Jazzern wie Duke Ellington und Louis Armstrong Auftritte zu ermöglichen. Als in den 1950er Jahren der Musikmarkt größer wird und die BBC ihr Musikangebot ausbaut, wächst auch der "Melody Maker". Er stellt Trends, Bands und Platten vor.

Reporter als Talent-Scouts

Neben Jazz und Rock'n Roll tauchen in den 1960er Jahren neue Musikstile auf. Die britische Musikszene bringt Weltstars wie die Beatles und die Rolling Stones hervor. Die Reporter des "Melody Maker" streifen durch Clubs wie den legendären "Cavern Club" in Liverpool.

Nicht Platten-Umsätze sind für die Redaktion die Richtschnur. Vielmehr soll das Neue, Visionäre auf den Titel, erzählt der ehemalige Chefredakteur Welch. "Der Herausgeber sagte: 'Die Monkees sind gerade Nummer eins in den Charts, jeder schreibt über sie.' Wir entgegneten: 'Oh bitte nicht, wir haben gerade Jimi Hendrix in einem Londoner Club gesehen, er ist ein Genie."

Nah an den Bands

Für Musik-Fans gibt es zwar inzwischen Reportagen, Rezensionen und Kolumnen. Doch immer noch ist der "Melody Maker" in erster Linie ein Magazin für Musiker. Viele Bands finden sich durch Kontaktanzeigen, darunter Deep Purple, Pink Floyd und Led Zeppelin.

Letzte Ausgabe des Melody Makers erscheint (am 18.12.2000)

WDR 2 Stichtag 18.12.2020 04:16 Min. Verfügbar bis 16.12.2030 WDR 2


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Der Einfluss der Zeitschrift ist enorm: Titelstories schrauben Platten-Verkaufszahlen in die Höhe, Coverfotos kreieren Stars. Die Autoren sind tagelang mit Bands auf Tour oder im Studio.

Redakteur Keith Altham ist sogar anwesend, als die Stones von Brian Jones' Tod erfahren. "Keith Richards sagte zu mir: 'Wir müssen das erst der Familie sagen. Du darfst das nicht veröffentlichen.'"

Trends verschlafen

Seine große Zeit hat der "Melody Maker" bis in die 1970er Jahre, mit einer Auflage von bis zu 250.000 Exemplaren. Doch Entwicklungen wie Punk, New Wave und Elektro-Pop werden verschlafen. Ab den 1980er Jahren steigt der Konkurrent "New Musical Express" zum führenden britischen Musikmagazin auf.

Am 18. Dezember 2000 stellt der "Melody Maker" den Betrieb ein. Er hat zuletzt nur noch eine Auflage von 32.000 Stück. Die Zeitschrift wird mit dem im selben Verlag erscheinenden "New Musical Express" zusammengelegt.

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Stand: 18.12.2020, 00:00