Münster: Prozess um Betrug mit Kryptowährung

Von Ann-Marlen Hoolt

Am Landgericht Münster hat am Freitag ein Prozess um einen Betrug mit einer Kryptowährung begonnen. Angeklagt sind ein Ehepaar aus Greven und ein Rechtsanwalt aus München. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Das angeklagte Ehepaar aus Greven im Gerichtssaal in Münster | Bildquelle: WDR/Ann-Marlen Hoolt

Die 49-jährige Frau und ihr 69-jähriger Ehemann aus Greven betraten den Gerichtssaal am ersten Prozesstag Hand in Hand. Sie sind wegen illegaler Geschäfte mit Zahlungsmitteln angeklagt. Das Gericht sieht zusätzlich Hinweise auf Beihilfe zum Betrug in einem besonders schweren Fall. Damit geht das Gericht über die Anklage der Staatsanwaltschaft hinaus.

Es ist ein Mammut-Prozess. Die Hauptakte zählt mehr als 15.000 Seiten, die Anklageschrift mehr als 1.000 Seiten. Darin enthalten ist eine Auflistung von fast 90.000 Zahlungen an die Firma des Grevener Ehepaars.

Umsatz von 320 Millionen Euro

Mit ihrem Unternehmen "International Marketing Service" hat das Ehepaar den gesamten deutschen Zahlungsverkehr für die Kryptowährung Onecoin abgewickelt. Auf dem Unternehmenskonto landete das Geld von etwa 60.000 Anlegern. Das Ehepaar leitete es weiter, nach Sofia, Dubai und auf die Kaimaninseln, insgesamt rund 320 Millionen Euro. Weil das Paar für die Weiterleitung des Geldes aber keine behördliche Genehmigung hatte, muss es sich jetzt vor dem Landgericht Münster verantworten.

Onecoin-Erfinderin ist weiterhin auf der Flucht

"Kryptoqueen" Ruja I. | Bildquelle: WDR

Anleger aus aller Welt hatten sich von der Kryptowährung Onecoin den großen Gewinn erhofft. Dafür sorgte Onecoin-Erfinderin Ruja I.. Die selbsternannte "Kryptoqueen" ist inzwischen untergetaucht und wird mit internationalem Haftbefehl vom FBI gesucht.

Ruja I. veranstaltete Verkaufsshows und köderte damit Interessenten auf der ganzen Welt. Die glaubten, dass der Wert einer Onecoin-Münze binnen kürzester Zeit von 50 Cent auf fast 30 Euro gestiegen war. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bielefeld geht jedoch davon aus, dass die Kryptowährung Onecoin nie existiert hat.

Ein schwieriger Prozess für das Landgericht

Das Gericht muss jetzt nachweisen, dass das Ehepaar aus Greven wusste, dass die Kryptowährung Onecoin nur erfunden ist. Die Verteidigung verneint dieses. Der Anwalt des Ehemannes forderte zum Prozesseauftakt, das Verfahren einzustellen.

Schaden in Milliardenhöhe | Bildquelle: afp

Dem Anwalt aus München wirft die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bielefeld vorsätzliche Geldwäsche in zwei Fällen vor. Das Gericht hat insgesamt 50 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll Ende Mai 2022 fallen.