Schulauftakt NRW

NRW vor Start in neues Corona-Schuljahr

Stand: 08.08.2022, 16:43 Uhr

Maske, Selbsttests, Luftfilter, Impfungen? Wenn jetzt nach den Sommerferien wieder die Schule beginnt, nimmt auch die Debatte über Corona-Schutzmaßnahmen wieder Fahrt auf.

Für 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler beginnt am Mittwoch in NRW der Unterricht nach den langen Sommerferien. Nach unbeschwerter Urlaubszeit und vielen warmen Tagen im Freien geht es jetzt also zurück in den Klassenraum. Und das mit einem unsicheren Gefühl, moniert der Chef des Lehrerverbandes NRW, Andreas Bartsch.

Den Bundesländern fehle nämlich "jegliche verbindliche und gesetzliche Regelung" zum Schutz vor Corona. Der Verbandspräsident zeigt auf den Bund. Da das neue Bundesinfektionsschutzgesetz erst zum 1. Oktober greifen werde, bleibe den Ländern vorerst nichts anderes übrig, als mit "bloßen Empfehlungen" zu arbeiten. Ein Blick auf die derzeitige Lage:

Sind Masken Pflicht?

Grundschülerinnen sitzen mit einer Schutzmaske im Unterricht.

Freiwillig: Masketragen im Unterricht

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) empfiehlt fürs Klassenzimmer freiwillig Maske zu tragen. Nur wenn der Präsenzunterricht auszufallen droht, ist eine Maskenpflicht im Unterricht vorgesehen.

In NRW befürchtet die Schulleitungsvereinigung beträchtliche Unterrichtsausfälle, wenn sich Lehrerinnen und Lehrer auch in diesem Herbst und Winter reihenweise mit Corona anstecken. Maske würden nur 70 bis 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler freiwillig tragen, schätzt die Landesvorsitzende Antonietta Zeoli. 

Wie viele Schüler sind geimpft?

Auch bei der Impfung der Schülerschaft fordert Lehrerverbandschef Bartsch mehr Tempo. Bislang sind bundesweit 69,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen grundimmunisiert - haben also meist zwei Impfdosen erhalten (Stand 6. August 2022). Bei den 5- bis 11-Jährigen, für die die Impfkommission Stiko die Corona-Impfung erst seit Mai generell empfiehlt, sind es gerade einmal 20,1 Prozent.

Immerhin sollen frühestens ab 9. September vier neue Impfstoffe zugelassen werden, die an die Omikron-Variante angepasst wurden. Die sollen nicht nur vor schweren Verläufen, sondern auch gut vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen.

Luftfilter im Klassenraum?

Ein Luftreinigungsgerät steht in einem Klassenraum.

Mangelware im Klassenraum: Luftfilter

Beim Thema Luftfilter stockt es immer noch. Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, sieht große Versäumnisse in den Bundesländern, die flächendeckende Ausstattung mit Luftfiltern sei längst nicht erreicht.

Was wünschen sich Eltern?

Familie Kiel aus Münster

Vor dem Schulstart: Familie Kiel aus Münster

Viele Eltern wünschen sich, dass die Schulen - wie von der Politik versprochen - wirklich offen bleiben. So auch Familie Kiel aus Münster. Die Geschwisterkinder Lotta und Lasse haben Lockdown und Homeschooling erlebt, sind während der Pandemie von der Grundschule auf das Gymnasium gewechselt. Durch die Maskenpflicht fiel es zum Beispiel Lasse schwer, Freunde zu finden.

Schon während der Sommerferien haben die Eltern Jaane und Thomas Post von der Schulministerin bekommen - mit allen Regeln. Das sei schon mal ein Fortschritt, finden sie. Alle in der Familie sind mittlerweile dreimal gegen Corona geimpft und finden, man müsse mit dem Virus jetzt leben. Im dritten Coronajahr wünschen sie sich für ihre Kinder einfach Schule - so normal wie möglich.

Was kann Schüler jetzt stärken?

Angesichts der Weltlage sei man eh im Krisenmodus, sagt Dr. Sascha Borchers, Leiter der Regionalen Schulberatungsstelle des Kreises Borken, der auch als Schulpsychologe gearbeitet hat. Bei Corona allerdings sei auch so etwas wie Gewöhnung eingetreten. Masken seien längst etwas Bekanntes. Das verunsichere nicht mehr.

Kinder rennen mit Ball über eine grüne Wiese

Motivation in der Krise: An schöne Dinge des Lebens denken

Dennoch hat er einen Tipp - vor allem für Erwachsene. Die sollten nämlich möglichst versuchen, auch emotionale Sicherheit zu vermitteln. "Fokus auf Lerngruppen und möglichst wenig Lerndruck - das würde uns allen ganz guttun", sagt Borchers und regt zur Entschleunigung an. Aus einer Krise würden außerdem auch Stärken und Kompetenzen erwachsen, sagt der Psychologe. Schüler hätten zum Beispiel gelernt, sich besser zu organisieren oder gingen leichter mit digitaler Technik um. "Wenn wir zurückblicken und sehen, was wir schon alles geschafft haben in dieser Zeit, bringt das Motivation für die Zukunft."

Stärke erwachse aber auch dadurch, dass man nicht auf die schlechten, sondern auf die schönen Aspekte des Lebens schaue. "Was ist das Schöne daran, wenn ich Freunde treffe oder das Wetter gut ist. Auf welche Ereignisse kann ich mich freuen." Borchers appelliert hier an die Achtsamkeit. "Mein Tipp: Gucken Sie auf das Positive."

Hinweis: In einer früheren Version dieses beitrag haben wir Anke Staar von der Landeselternkonferenz NRW leider irrtümlich falsch zitiert. Wir haben das Zitat nun aus dem Beitrag genommen.

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