Der Angeklagte steht hinter einer Glasscheibe im Gericht.

Prozessauftakt in Düsseldorf: Mutmaßlicher türkischer Agent hat gestanden

Stand: 21.06.2022, 16:49 Uhr

Neun Monate nach der spektakulären Festnahme eines mutmaßlichen Agenten aus der Türkei in Düsseldorf hat am Dienstag der Prozess begonnen. Er soll für türkische Geheimdienste spioniert haben.

Zu Prozessbeginn am Dienstag hat der Angeklagte gestanden: "Ich räume die Vorwürfe der Anklage ein." Er habe für zwei türkische Geheimdienste als Informant gedient. Das Gericht hatte dem 41-Jährigen für ein Geständnis eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt.

Angeklagter wollte wohl Macht

Der Mann erzählte auch, wie er zum Informanten geworden sei: Nach dem Kauf eines Hotels im türkischen Ankara hätten ihn die Verkäufer zunehmend unter Druck gesetzt, das Hotel wieder zu verkaufen. Durch seinen Anwalt habe sich herausgestellt, dass er an Menschen mit Macht und Einfluss geraten sei. Das ließ in ihm den Wunsch reifen, zum Geheimdienst zu wollen: "In der Türkei muss man Macht und Vitamin B haben, sonst geht gar nichts."

"Türkisch-nationalistische" Gesinnung

Der 41-jährige Türke soll in Deutschland Informationen über Unterstützer der PKK sowie der Gülen-Bewegung gesammelt haben. Sowohl die kurdische Arbeiterpartei als auch die Bewegung um den im Exil in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen gelten als Feinde des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Seit dem Putschversuch in der Türkei im Jahr 2016 geht der Präsident besonders hart gegen die Anhänger der Gülen-Bewegung vor.

Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Einsatzkräfte steigen vor einem Düsseldorfer Hotel in ihr Fahrzeug.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot zu dem Düsseldorfer Hotel angerückt.

In der Anklageschrift wird die politische Gesinnung des Angeklagten als "türkisch-nationalistisch" bezeichnet. Er soll die gesammelten Informationen an zwei türkische Geheimdienste weitergeleitet haben, darunter an den nationalen Nachrichtendienst MIT. Das bestreitet der 41-Jährige: Er habe zwar Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt, diese aber nicht an die Geheimdienste weitergegeben.

Hotelmitarbeiter sieht Pistole und ruft Polizei

Der Mann war Mitte September 2021 bei einem Großeinsatz der Polizei von Spezialkräften in einem Düsseldorfer Hotel festgenommen worden. Er trug in dem Hotel deutlich sichtbar eine Schreckschusspistole. Ein Mitarbeiter rief deshalb die Polizei.

Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Spezialkräfte der Polizei sind im Einsatz in einem Düsseldorfer Hotel.

Spezialeinsatzkommandos hatten das Gebäude durchkämmt. Etwa 550 Gäste mussten das Hotel verlassen.

Das Gebiet um das Hotel wurde damals großräumig abgesperrt, die Polizei rückte auch mit einem Panzerwagen an. Zwischenzeitlich stand die Gefahr eines Terroranschlags im Raum.

Liste mit Gülen-Anhängern

Bei den Durchsuchungen stießen die Ermittelnden im Hotelzimmer des Angeklagten auf eine Liste mit Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung und auch auf Munition für eine Maschinenpistole. Die Pistole habe er mit sich geführt, um sich sicher zu fühlen, sagte der Angeklagte beim Prozessauftakt am Dienstag.

Prozess gegen mutmaßlichen türkischen Spion

00:46 Min. Verfügbar bis 21.06.2023


Seit September in U-Haft

Laut Anklage soll der mutmaßliche Agent beim Training an Schießständen versucht haben, andere Menschen zur Spionage anzuwerben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm auch vor, gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben. Als Höchststrafe drohen ihm drei bis fünf Jahre Haft.

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