Vergeltung für Krim-Brücke: Russland beschießt ukrainische Städte mit Raketen

Stand: 10.10.2022, 16:02 Uhr

Russland hat die ukrainische Hauptstadt sowie mehrere andere Städte des Landes mit Raketen angegriffen. Es gibt Tote und Verletzte. Die Offensive ist eine Vergeltungsaktion Moskaus für den mutmaßlichen Anschlag auf die Krim-Brücke am Wochenende.

Im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist es am Montagmorgen zu schweren Explosionen gekommen. Es habe mehrere Einschläge gegeben, berichtete Bürgermeister Vitali Klitschko. Auch Korrespondenten der ARD sprachen von zwei Explosionen.

Neben der Hauptstadt wurden auch zahlreiche andere Städte in der Ukraine angegriffen. Valeriy Zaluzhnyi, Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, berichtete von 75 Raketen, die Russland am Morgen auf die Ukraine abgeschossen habe. "41 von ihnen wurden von unserer Luftabwehr neutralisiert", so Zaluzhnyi.

Vergeltungsschlag für Explosion auf Krim-Brücke

Bei den Angriffen handelt es sich um einen Vergeltungsschlag Russlands für die Explosion auf der Krim-Brücke am Wochenende, für die Moskau die Ukraine verantwortlich macht. Kremlchef Wladimir Putin bezeichnete die Raketenangriffe am Montag als Reaktion auf die "Terroranschläge" gegen russisches Gebiet. Zugleich drohte der russische Präsident Kiew am Montag bei einer Sicherheitsratssitzung mit einer noch härteren "Antwort", sollten die "ukrainischen Angriffe" fortgesetzt werden.

Die meisten dieser Informationen stammen von Social-Media-Kanälen von ukrainischen Politikern und anderen Amtsträgern. Unabhängige Informationen von neutralen Beobachtern gibt es bislang nur wenige.

Tote und Verletzte nach Raketenangriffen

Nach Angaben der Kiewer Polizei wurden bei dem Angriff auf die ukrainische Hauptstadt am frühen Morgen fünf Menschen getötet und zwölf verletzt. Rostislav Smirnov, Berater des Leiters des ukrainischen Innenministeriums berichtete hingegen davon, dass allein im Bezirk Schewtschenkiwski acht Menschen getötet und 24 Zivilisten verletzt wurden. Abschließend bestätigte Opferzahlen gibt es bislang noch nicht.

Bilder: Kiew nach dem Raketenangriff

Bei Angriffen auf die Ukraine hat es am Morgen nach Angaben von Präsident Selenskyi Tote und Verletzte gegeben. Zum ersten Mal seit Monaten ist auch wieder die Hauptstadt Kiew unter Beschuss.

 Ein Sanitäter geht an einem brennenden Auto nach einem russischen Angriff vorbei.

Brennende Autos, zerstörte Häuser: In Kiew sollen Dutzende russische Raketen eingeschlagen sein.

Brennende Autos, zerstörte Häuser: In Kiew sollen Dutzende russische Raketen eingeschlagen sein.

Rettungskräfte untersuchen den Schauplatz eines russischen Angriffs auf Kiew. Unter den angegriffenen Ziele war auch ein Kinderspielplatz, hieß es vonseiten ukrainischer Behörden.

In den Straßen finden sich Überreste von Autos. Bürgermeister Klitschko forderte die Kiewer auf, nicht in die Stadt zu gehen und sich in Notunterkünfte zu begeben.

Die Polizei inspiziert den Schauplatz des russischen Angriffs. Notfalldienste seien im Einsatz, hieß es.

Es habe Tote und Verletzte gegeben. Klitschko bezeichnete die Angreifer als "russische Terroristen".

Schwarzer Rauch steigt über der Stadt Kiew auf.

Menschen umarmen sich vor einem teilweise zerstörten mehrstöckigen Bürogebäude.

Auch andere ukrainische Städte wurden mit Raketen angegriffen. In Dnirpo arbeiten Feuerwehrleute und Polizisten an der Stelle, an der eine Explosion nach einem russischen Angriff auf der Straße einen Krater hinterlassen hat.

Ein Mitglied des Rettungsdienstes geht an drei mit Decken bedeckten Leichen vorbei, die nach einem russischen Angriff in Dnipro gefunden wurden.

In Slowjansk entfernen Menschen nach einem nächtlichen russischen Beschuss Trümmer aus einem beschädigten Haus.

Einige der Raketen trafen laut dem Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Geraschtschenko, Militäreinrichtungen am Rande der Hauptstadt. Eine weitere schlug demnach in der Nähe des Hruschewskij-Denkmals in der Wolodymyrska-Straße ein. Gebäude einer Hochschule, Wohn- und Bürogebäude im Zentrum von Kiew wurden beschädigt. Eine der Raketen schlug auf einem Spielplatz ein.

Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko nannte die Angriffe im Interview mit dem WDR eine große Tragödie. "Sogar ein Krieg hat seine Regeln", so Klitschko. Am Montag seien unschuldige Menschen gestorben. "Das ist Genozid. Putin braucht das Land ohne Bevölkerung."

Unter der Verfahrensaufsicht der Kiewer Staatsanwaltschaft wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen die Gesetze und Gebräuche des Krieges in Verbindung mit vorsätzlicher Tötung eingeleitet, hieß es am Montag aus dem Büro des Generalstaatsanwalts der Ukraine.

Energieanlagen Ziel der Offensive

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte über seinen Telegram-Account Videoaufnahmen, auf denen brennende Autos in den Straßen von Kiew und eine über der ukrainischen Hauptstadt aufsteigende Rauchwolke zu sehen sind. Im Hintergrund hört man Selenskyj, der sagt, dass Russland auch am 229. Tag des Krieges weiter versuche, "uns zu vernichten und uns vom 'Angesicht der Erde' zu löschen".

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Auf Twitter veröffentlichte er ein Video, in dem er sich an die Bevölkerung wendet und davon berichtet, dass ein Ziel der russischen Angriffe Energieanlagen in der ganzen Ukraine seien. So seien neben Kiew auch die Gebiete Chmelnyzkyj, Iwano-Frankiwsk, Sumy, Charkiw, Schytormyr, Kyrowohrad sowie Lwiw, Dnipro, Winnyzja, und Saporischschja angegriffen worden.

Mehrere Städte in der Nacht angegriffen

So wurde unter anderem bei einem Raketenangriffen auf die ukrainische Großstadt Saporischschja im Südosten des Landes nach Behördenangaben ein Wohnhaus schwer beschädigt, wie der Militärgouverneur von Saporischschja, Olexander Staruch, am Montag mitteilte. Seinen Angaben nach gibt es Opfer. Zur Anzahl von möglichen Toten oder Verletzten machte er keine Angaben.

In der ostukrainischen Metropole Charkiw kam es nach den russischen Angriffen teilweise zu Stromausfällen. Es habe am Morgen drei Attacken aus der Luft gegeben, teilte Bürgermeister Ihor Terechow im Nachrichtenkanal Telegram mit. Ein Ziel sei die Energieinfrastruktur gewesen.

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