24. August 1975 – Weltkongress der Zauberer in Bogotá

Zauberer Alois Kassner bei der Vorführung der schwebenen Jungfrau "Aga"

24. August 1975 – Weltkongress der Zauberer in Bogotá

Zu den ältesten Zaubertricks der Welt gehört es, lebende Körper in einer Kiste angeblich zu zerteilen und wieder zusammenzusetzen. Schon im alten Ägypten hat der Überlieferung zufolge ein Zauberkünstler namens Dedi auf diese Weise eine Gans vor den Augen des Pharaos zunächst zerlegt und dann wieder ganz gemacht.

Einem alten Papyrus zufolge gilt Dedi den Ägyptern noch als Magier mit übersinnlichen Kräften. Getrennt haben sich die Wege von Zauberkunst und Okkultismus so richtig erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Und sogar heute noch behauptet mancher Zauberkünstler, Mentalist zu sein, also zum Beispiel über telepathische Fähigkeiten zu verfügen.

Erster Weltkongress der Zauberei (am 24.08.1975)

WDR 2 Stichtag 24.08.2020 04:14 Min. Verfügbar bis 22.08.2030 WDR 2


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Vom Weltall zum Weltkongress

So wie der Israeli Uri Geller, der unter anderem in Quizshows wie "Der Große Preis" Löffel in den Haushalten der TV-Zuschauer verbogen haben will. Geller ist einer von etwa 2.000 Teilnehmern des Weltkongresses der Zauberei, der am 24. August 1975 in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá eröffnet wird. Psychologen, Astrologen und Voodoo-Priester nehmen teil, aber laut Zeitungsberichten auch der Autor Gabriel Garcia Márquez, der Regisseur Federico Fellini oder der US-Astronaut Edgar Mitchell, der mit eigenen Augen Aliens gesehen haben will.

Organisiert wird der Kongress von einem Tourismusmanager, dem die englische Zeitung "Guardian" bescheinigt, ein wahrer Zauberer in Sachen Geldvermehrung zu sein. Auf dem Kongress wird einiges geboten. Uri Geller zum Beispiel versucht, Symbole nachzuzeichnen, die von einer Gruppe "Humanistischer Psychologen" telepathisch von Colorado nach Bogotá gesendet worden sind. Seine Kritzeleien sollen den Originalen sehr ähnlich gewesen sein.

Für echte Zauberer endet der Weltkongress eher als Flop. Zum Glück bleibt das auch das Erdbeben aus, das für den letzten Tag vorhergesagt worden ist. Dem Veranstalter wird finanzielle Trickserei vorgeworfen. Und auch die Presse stellt die Berichterstattung schnell ein.

Die "Magische Welt"

Trotzdem setzt der Weltkongress einige Impulse – bis hin zur Gründung eigener Fachzeitschriften wie der "Magischen Welt". Auch ein seriöserer Weltkongress der Zauberkünstler 1976 in Wien ist eine Reaktion. Er wird von nun an alle drei Jahre vom Dachverband der Zauberkünstler ausgetragen, dem weltweit 90 Vereine angeschlossen sind.

1976 gewinnt der Herausgeber der "Magischen Welt", Wittus Witt, gemeinsam mit seinem Partner Roy Gardner in der Sparte "Comedy-Zauberei" den ersten Preis – mit einer Parodie auf das klassische Zersägen eines Lebewesens auf der Bühne. So schließt sich der magische Kreis zum antiken Ägypten.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 24. August 2020 ebenfalls an den ersten Weltkongress der Zauberer. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 24.08.2020, 00:00