22. August 1970 - Hermann Knaus stirbt in Graz

Hermann Knaus, Gynäkologe

22. August 1970 - Hermann Knaus stirbt in Graz

Der weibliche Zyklus ist für alle Frauen ein Thema - besonders, wenn sie sich ein Kind wünschen oder aber eine Schwangerschaft verhüten möchten. Die Frage ist: Wann besteht Empfängnisbereitschaft? Und wann sind die unfruchtbaren Tage?

"Der Zyklus wird immer gerechnet vom ersten Tag der Einblutung bis zum ersten Tag der nächsten Blutung - idealerweise 28 Tage", erklärt die Dortmunder Frauenärztin Brigitte Klein. "Bei einer solchen Zyklusdauer geht man von einem Eisprung aus, ungefähr 13. oder 14. Tag."

Hermann Knaus, österr. Gynäkologe (Todestag 22.08.1970)

WDR 2 Stichtag 22.08.2020 04:13 Min. Verfügbar bis 20.08.2030 WDR 2


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Penible Buchführung

Herausgefunden hat dies der österreichische Gynäkologe Hermann Knaus. 1929 verblüfft er seine Fachkollegen bei einem Kongress in Leipzig mit seiner Kalendermethode. Mit Buchführung über ihren Zyklus sollen Frauen ihre fruchtbaren Tage errechnen können.

Eine Eizelle ist maximal einen Tag lang befruchtungsfähig. Spermien überleben etwa vier Tage. Das bedeutet: Die fruchtbare Zeit einer Frau fängt bereits vier bis fünf Tage vor dem wahrscheinlichen Eisprung an. "Wann wahrscheinlich der Eisprung war, das weiß man erst rückblickend, wenn die nächste Periode kommt", so Ärztin Klein.

Berater des Papstes

Der am 19. Oktober 1892 in St. Veit an der Glan in Kärnten geborene Knaus beschäftigt sich nicht als einziger Mediziner mit dem Thema. Etwa zeitgleich kommt der Japaner Kyusaku Ogino zum selben Ergebnis. Die Entdeckung der beiden Ärzte geht als Knaus-Ogino-Methode in die Geschichte ein - auch in die Kirchengeschichte.

Denn Knaus platziert die Methode bei Papst Pius XII. "Man weiß, dass er als Berater tätig gewesen ist", sagt Medizinhistoriker Robert Jütte. "Er ist sicherlich auch derjenige, der am stärksten gegen die Pille gekämpft hat in der Katholischen Kirche."

Zeitweilige sexuelle Enthaltsamkeit mithilfe eines Kalenders ist bis heute die einzige Methode, mit der Katholiken verhüten dürfen. Nachzulesen in der 1968 von Papst Paul VI. veröffentlichten Enzyklika "Humanae Vitae".

Unsichere Methode

Eine sichere Verhütung gewährleistet die Knaus-Ogino-Methode allerdings nicht. Der weibliche Zyklus ist nicht stabil, bei den meisten Frauen schwankt er. Störfaktoren können zum Beispiel Stress, Schlafmangel oder Infekte sein.

Wolle eine Frau auf keinen Fall schwanger werden, brauche sie eine sichere Form der Verhütung, sagt Gynäkologin Klein. "Zu sicheren Formen gehört die Einnahme der Pille oder die Verwendung einer Spirale." Ein Rat, den Hermann Knaus - am 22. August 1970 im Alter von 77 Jahren in Graz verstorben -, wohl auch heute nicht geben würde.

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