26. Januar 1939 - Massenflucht am Ende des Spanischen Bürgerkrieges

Spanische Bürgerkriegsflüchtlinge in einem Durchgangslager an der französisch-spanischen Grenze bei Perthus

26. Januar 1939 - Massenflucht am Ende des Spanischen Bürgerkrieges

Mit der Offensive von General Francos Truppen in Katalonien beginnt die Endphase des Spanischen Bürgerkrieges. Am 26. Januar 1939 erobern sie Barcelona. Dadurch wird eine Massenflucht ausgelöst: Republiktreue Einwohner fliehen über die Pyrenäen nach Frankreich.

Insgesamt bringen sich rund 500.000 Republikaner durch die "Retirada" ("Rückzug") vor den rechtsradikalen Putschisten in Sicherheit. In den französischen Bergdörfern ist die Hilfe für die geflüchteten Nachbarn groß.

Beginn d. Massenflucht span. Republikaner (am 26.01.1939)

WDR 2 Stichtag 26.01.2019 04:16 Min. Verfügbar bis 23.01.2029 WDR 2

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Tod an französischem Strand

Französische Soldaten und Polizisten transportieren die Flüchtlinge jedoch in sogenannte Empfangslager an der Mittelmeerküste. Dort sind jeweils ungefähr 100.000 Menschen ohne sanitäre Einrichtungen zusammengepfercht.

Tausende sterben an Erschöpfung, Hunger oder Krankheit und werden am Strand verscharrt. Viele begehen Suizid. "Die Situation war unfassbar", sagt der französische Historiker Denis Peschanski. "Sie hatten gegen den Faschismus gekämpft im Geist von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit." Und dann seien sie in Lager gesperrt worden - 150 Jahre nach der Französischen Revolution.

Anarchisten stärkste Kraft

Die neue rechtsgerichtete Regierung Frankreichs sieht die Ankömmlinge als "Indésirables" ("Unerwünschte"). Für diese ist schon zuvor eine Welt zusammengebrochen. Zu Hause waren sie Teil eines einzigartigen sozialen Aufbruchs.

Rückblick: Im freien Teil Spaniens ist im Bürgerkrieg der politische Anarchismus stärkste Kraft. Die Anarchisten bekämpfen nicht nur den Franco-Putsch mit einem Generalstreik und Volksmilizen. Sie bauen auch selbstverwaltete Kooperativen auf.

Stalin bekämpft Konkurrenz

"Man hatte das Gefühl, plötzlich in einer Ära der Gleichheit und Freiheit aufgetaucht zu sein", schreibt der englische Schriftsteller George Orwell, der für die Republik kämpft.

Doch die republikanische Seite ist zerstritten: Mit Waffen aus der stalinistischen Sowjetunion zerstören die Kommunisten das anarchistische Modell. Das nutzt nur Franco: Er gewinnt den Bürgerkrieg.

Résistance unterstützt

Fast zwei Drittel der Flüchtlinge werden gezwungen, nach Spanien zurückzukehren. Viele landen dort im Gefängnis, müssen Zwangsarbeit verrichten oder werden erschossen. Etwa 150.000 Menschen können in Frankreich bleiben. Viele kämpfen in der Résistance weiter, als das Land 1940 von den Deutschen besetzt wird.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beschließen die meisten Retirada-Flüchtlinge Franzosen zu werden. In Spanien ist Franco bis 1975 an der Macht.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 26. Januar 2019 ebenfalls an die Massenflucht am Ende des Spanischen Bürgerkrieges. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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