20. November 1975 - Francisco Franco stirbt in Madrid

Der spanische General Francisco Franco bei Siegesparade in Barcelona nach der Einnahme der Stadt am 26.1.1939

Stichtag

20. November 1975 - Francisco Franco stirbt in Madrid

"Er war innerlich leer und hat sein Leben lang verschiedene und immer wieder neue Hüllen oder Masken erschaffen", sagt der britische Historiker Paul Preston über den Diktator Francisco Franco. Fast 40 Jahre steht der General an der Spitze Spaniens. In einem blutigen Bürgerkrieg, der 1939 endet, putscht er sich an die Macht. Aus der demokratischen Republik macht der selbst ernannte "El Caudillo" ("Der Führer") einen totalitären Staat, in dem er allein das Sagen hat.

Geboren wird Francisco Franco Bahamonde am 4. Dezember 1892 im Küstenort Ferrol im äußersten Nordwesten Spaniens. "Er kam aus einem kaputten Elternhaus", sagt Biograf Preston. "Sein Vater, ein Marine-Offizier, betrog die Mutter, spielte und hatte liberale Ideen." Francos Kindheit habe sich in den Dingen widergespiegelt, die er später als Diktator getan habe. "Er glaubte, Spanien sei eine zerrüttete Familie." Sich selbst habe Franco als gütigen Vater gesehen, der diese Familie wieder in Ordnung bringe. Als 1898 Spanien gegen die USA den Krieg um seine Kolonie Kuba verliert, sieht der sechsjährige Franco, wie an den Docks Schiffe mit Verwundeten anlegen. "Er wuchs auf mit der Überzeugung, dass die Fehler der Politiker dazu geführt hatten und irgendwann wuchs in ihm der Wunsch, eine Diktatur zu errichten."

Mit Hitlers und Mussolinis Unterstützung

Wie sein Vater will Franciso zur Marine. Mit 14 Jahren beginnt er seine Ausbildung in der Militärakademie in Toledo, wo er im Juni 1910 seinen Abschluss macht. Von 1912 an kämpft er im spanisch-marokkannischen Krieg und wird stellvertretender Oberkommandierender der Fremdenlegion. 1926 wird er Spaniens jüngster Brigadegeneral. Er gilt als eiskalt und unerschrocken. Katholisch und konservativ steht er treu zu König Alfons XIII. Als die Monarchie in Spanien mit der Ausrufung der Zweiten Republik im April 1931 abgeschafft wird, bleibt Franco zunächst der neuen politischen Ordnung gegenüber loyal. Doch spätestens 1936, als ein breites Linksbündnis der Volksfront die Wahlen gewinnt, plant Franco mit gleich gesinnten Generälen einen Militärputsch. Zu diesem Zeitpunkt ist er auf den Kanarischen Inseln als Militärgouverneur stationiert.

Im Juli 1936 lösen die rechtsgerichteten Generäle den Spanischen Bürgerkrieg aus. An der Seite von Francos Einheiten kämpfen auch Italiener und Deutsche. Allein Adolf Hitler schickt eine rund 10.000 Mann starke Geheimtruppe, die als "Legion Condor" bekannt wird. Mit der Unterstützung Benito Mussolinis und Hitlers nehmen die Putschisten Stadt für Stadt ein. Am 1. Oktober 1937 erklärt Franco sich zum Staatschef von Spanien. Die republikanischen Truppen werden zerrieben. Insgesamt töten die Frankisten während des Bürgerkrieges rund 150.000 Menschen. Fast eine halbe Million flieht ins Exil. "Vielleicht eine Million Menschen waren in Konzentrationslagern und Gefängnissen eingesperrt", sagt Historiker Preston. Am 20. Mai 1939, dem "Tage des Sieges", erklärt Franco die Kämpfe offiziell für beendet.

Verbündeter des Westens im Kalten Krieg

Franco errichtet ein faschistisches Regime. Am Zweiten Weltkrieg nimmt Spanien formell nicht teil, dennoch schickt er rund 47.000 Freiwillige der sogenannten "Blauen Division" an die Ostfront. Nach Kriegsende ist Spanien weitgehend isoliert. Eine Aufnahme in die Vereinten Nationen wird dem Land zunächst verwehrt. Doch im Kalten Krieg wird Franco zum geschätzten Verbündeten des Westens. Schon 1953 schließt die USA mit Spanien ein Militärabkommen. Ende der 60er-Jahre zieht sich Franco nach und nach aus den Regierungsgeschäften zurück. 1969 benennt er den Enkel des 1931 gestürzten Königs Alfons XIII. zu seinem Nachfolger: Prinz Juan Carlos de Borbón y Borbón.

Der Diktator leidet an Parkinson. Francos Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Am 1. Oktober 1975 zeigt der 82-Jährige sich zum letzten Mal in der Öffentlichkeit. Dann beginnt in Madrid sein wochenlanger Todeskampf. "Er durfte aus politischen Gründen nicht sterben, weil die Mitglieder seiner Entourage ihn so lange wie möglich am Leben halten wollten", sagt Professor Preston. Am 20. November 1975 verkündet Ministerpräsident Carlos Arias Navarro die Todesnachricht. Nur einen Tag nach Francos Ableben wird Juan Carlos sowohl dessen Nachfolger als auch König von Spanien. "Die große Leistung von Juan Carlos war es, seine Position als Francos Kandidat zu nutzen", sagt Preston. "Er schaffte es, einen Prozess in Gang zu setzen, der schließlich zum Übergang in die Demokratie führte."

Stand: 20.11.2015

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