2. Januar 1969 - Ausgabe der ersten Bundesschatzbriefe

Bundesfinanzminister Franz Josef Strauß (r) schenkt am 30. Dezember 1968 in Rott am Inn dem neunjährigen Jacob Englhauser (l) einen Bundesschatzbrief.

2. Januar 1969 - Ausgabe der ersten Bundesschatzbriefe

Ende der 1960er Jahre sollen die West-Deutschen die Soziale Marktwirtschaft nicht nur im Supermarkt erleben, sondern auch auf der Bank - als Gegenmodell zum Volkseigentum der DDR. Der regierenden Großen Koalition schwebt eine Art "sozialer Kapitalmarkt" vor.

Als Türöffner für den Finanzmarkt der kleinen Leute sollen Bundesschatzbriefe dienen, gemeinsam entwickelt vom Wirtschafts- und Finanzministerium. Die Idee: Der Staat leiht sich Geld über eine Anleihe, die für den Anleger genauso sicher ist wie das Sparbuch, aber mit besseren Konditionen.

Ausgabe der ersten Bundesschatzbriefe (am 2.1.1969)

WDR 2 Stichtag 02.01.2019 04:01 Min. Verfügbar bis 30.12.2028 WDR 2

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Konkurrenz zum Sparbuch

"Der Bürger sollte über den Bundesschatzbrief an Staatsausgaben und -investitionen teilhaben können", erklärte später Professor Wilhelm Hankel, der seinerzeit im Wirtschaftsministerium arbeitet und als Vater der Bundesschatzbriefe gilt. Zugleich sollen normale Anleihe-Risiken wie Kursschwankungen ausgeschlossen werden.

Am 2. Januar 1969 werden die ersten Bundesschatzbriefe bei Banken und Sparkassen verkauft. Diese sind zunächst wenig erfreut über die Konkurrenz zum Sparbuch. Zumal die Finanzinstitute als Kapitalgeber für den Staat jahrelang gut verdient haben.

Jedes Jahr steigt der Zinssatz

Aber die Ausgabe wird ein Erfolg. Alleine im ersten Jahr werden Briefe im Wert von 283 Millionen D-Mark verkauft. Anleger können zwischen Typ A und Typ B wählen. Letzterer schüttet die Zinsen erst am Ende der Laufzeit aus, Typ A dagegen jährlich. Beiden gemein ist die Zinstreppe, die dem Anleger eine jährlich steigende Durchschnittsrendite sichert.

So werfen die ersten Bundesschatzbriefe im ersten Jahr vier Prozent Zinsen ab, im sechsten Jahr sind es satte acht Prozent. Die hohen Endzinsen sorgen für die Treue der Anleger, der Nennwert von 100 D-Mark macht die Titel für viele erschwinglich.

2013 erfolgt die letzte Ausgabe

"Der Bundesschatzbrief wurde für viele Jahre zu einer wichtigen Finanzierungsquelle für den Bundeshaushalt", sagte Hankel rückblickend. Mitte der 1990er Jahre stecken die Deutschen 50 Milliarden D-Mark in die Schatzbriefe.

Dann geht es abwärts: Die Bürger entdecken die Börse, Bundesschatzbriefe gelten als angestaubt. Auch als der Aktienboom verebbt, kommen die Anleger nicht zurück. Sie scheuen nun die langen Laufzeiten, im Zuge der sinkenden Marktzinsen nimmt auch die Rendite der Bundesschatzbriefe ab.

Der Bundesrechnungshof moniert zudem die hohen Verwaltungskosten. 2013 werden die letzten Bundesschatzbriefe ausgegeben, die Ende 2019 fällig werden. Der Bund verschuldet sich nunmehr lieber bei institutionellen Anlegern, die mehrere Milliarden Euro auf einmal geben.

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