1. September 1818 - Erste Bluttransfusion von Mensch zu Mensch

Bluttransfusion

1. September 1818 - Erste Bluttransfusion von Mensch zu Mensch

Für James Blundell sind Geburten oft eine tödliche Sache. Immer wieder beobachtet der Physiologie-Professor, dass Frauen beim Gebären verbluten. Da kommt ihm die Idee, den Frauen menschliches Fremdblut einzuflößen. Der Gedanke – und, vor allem, seine Ausführung – revolutioniert die Medizingeschichte.

Erste Bluttransfusion von Mensch zu Mensch (am 01.09.1818)

WDR 2 Stichtag 01.09.2018 04:14 Min. Verfügbar bis 29.08.2028 WDR 2

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Transfusion gelungen, Patient trotzdem tot

Bluttransfusionen gibt es seit der Antike. Um ihre Mitmenschen von Wut und Aggressivität zu heilen, übertragen Ärzte schon damals Blut von sanften Lämmern. Da ein Gutteil der Patienten bei den Aktionen stirbt, werden derartige Versuche immer wieder verboten – sogar vom Papst.

Blundell hingegen ist bereits ein moderner Wissenschaftler. Als Pionier muss er sich die Instrumente allerdings noch selber basteln: Einer seiner Apparate besteht aus einer Messingspritze, einem ledernen Schlauch und einem Trichter.

Seine ersten Versuche macht Blundell an Hunden: Er lässt die Tiere fast verbluten, um ihnen dann mit dem Blut ihrer Artgenossen neues Leben einzuflößen.

Am 1. September 1818 wagt er in London an einem völlig geschwächten Mann Mitte 30 zum ersten Mal das Experiment einer Transfusion von Mensch zu Mensch. Gespendet wird das Blut vom Krankenhauspersonal. Dabei bedenkt Blundell bereits, dass das Blut angewärmt sein muss, um nicht zu gerinnen. Der Patient stirbt trotzdem nach ein paar Tagen.

Entdeckung der Blutgruppen als Meilenstein

Neuen Auftrieb bekommt die moderne Transfusionsmedizin, als der spätere Nobelpreisträger Karl Landsteiner zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Blutgruppen entdeckt. Deren Existenz macht Verträglichkeiten und Unverträglichkeiten verständlich.

Heute spenden über vier Millionen Deutsche im Jahr rund zwei Millionen Liter Blut. Pro Vollblutspende läuft ungefähr ein halber Liter des Lebenssaftes in die Spezialbeutel aus Kunststoff. Danach wird das Blut verrührt, bis der für die Gerinnung verantwortliche Bestandteil Fibronogen zu Fibrin geworden ist, was das Blut ungerinnbar macht.

Bei jeder Spende wird das Blut auf Hepatitis-Infektionen oder Aids untersucht. Sechs Wochen ist eine solche Spende haltbar. Täglich werden 15.000 davon benötigt, um die Patienten in Deutschland zu versorgen.

Am beliebtesten ist übrigens die Blutgruppe "Null negativ", weil sie sich mit allen anderen Blutgruppen verträgt und deshalb, vor allem bei Blutverlust nach Unfällen oder bei Operationen, universell einsetzbar ist.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 1. September 2018 ebenfalls an die erste Bluttransfusion. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 01.09.2018, 00:00