Waldbrände - keine Löschflugzeuge, zu wenig Hubschrauber in NRW

Stand: 22.07.2022, 12:21 Uhr

Trockenheit und extreme Hitze - wir befinden uns mitten im Klimawandel. Die Folge sind immer wieder schwer zu löschende Waldbrände. Wie gut sind die Feuerwehren in NRW für diese Herausforderung ausgestattet?

Experten sagen, dass die zunehmenden Waldbrände am Klimawandel liegen. Es ist einfach zu warm im Land. Hinzu kommt: Es regnet viel zu wenig. Dadurch sind Waldböden zu trocken und Waldstücke teils abgestorben, wie Karsten Runte, stellvertretender Kreisbrandmeister im Märkischen Kreis, dem WDR sagte.

Löschflugzeuge kommen hierzulande nicht zum Einsatz

Der Märkische Kreis im Sauerland ist eine waldreiche Gegend, wo zuletzt ein Feuer bei Altena ausgebrochen war. Auch bei Sundern (Hochsauerlandkreis) hat es in einem Waldstück gebrannt. Die Löscharbeiten gestalteten sich in teils unwegsamen Gelände schwierig. Löschflugzeuge, wie sie bei Waldbränden in Frankreich oder Spanien im Dauereinsatz sind, gibt es in NRW nicht.

Die Feuerwehren wünschen sich allerdings noch ein spezielleres Fluggerät: "Wir setzen nicht auf Löschflugzeuge, sondern auf Hubschrauber", sagte Ulrich Cimolino von der Feuerwehr Düsseldorf der "Aktuellen Stunde". Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises Waldbrand im Deutschen Feuerwehrverband (DFV).

Es gibt nicht genügend Hubschrauber

Hubschrauber seien wesentlich flexibler in der Anwendung als Flugzeuge, da die Helikopter nicht nur Löschwasser, sondern auch Löschgeräte und Einsatzkräfte transportieren könnten. Zudem seien Hubschrauber in der Lage, die Geschwindigkeiten anzupassen und Höhenlinien zu folgen - was gerade bei Waldbränden in Hanglage von Relevanz ist.

Das Problem: Es gibt zu wenig solcher Hubschrauber, die extra bei der Bundeswehr oder bei der Bundespolizei angefordert werden müssen. Und ein weiteres Problem: Weil die Gefahr von Waldbränden klimabedingt in den nächsten Jahren zunehmen dürfte, müssten Feuerwehrleute für solche Lagen besser und vor allem bundesweit einheitlich geschult werden.

Landesregierung arbeitet an verbessertem Waldbrandschutz

Zunächst sind die Kommunen für den Schutz vor Waldbränden verantwortlich. Sie erstellen Pläne zur Gefahrenabwehr und sind für die Koordination der Feuerwehr verantwortlich. Von Seiten der Landesregierung arbeite man aber auch an landesweiter Verbesserung des Waldbrandschutzes. So erarbeite man nach Angaben von Landwirtschafts- und Umweltministerium aktuell ein neues Waldbrandvorbeugungskonzept.

Darüber hinaus plant das zuständige Forstreferat des Landwirtschaftsministeriums ein Pilotprojekt mit einem digitalen, kameragestützten Waldbrandfernüberwachungssystem im Regionalforstamt Niederrhein. Inneministerium NRW

Außerdem stellt das Land den Feuerwehren digitales Kartenmaterial der Wälder zur Verfügung, baut und saniert aktuell die Löschteiche aus. Zudem habe es auch landesweite Übungen zwischen Feuerwehrkräften und Förstern gegeben.

Forderung nach bundesweit einheitlichem Vorgehen

Der DFV habe eine Empfehlung herausgegeben, wie Einsatzkräfte für Waldbrände geschult werden sollten. Aber die Feuerwehren in den 16 Bundesländern gingen damit unterschiedlich um. "Wünschenswert wäre mehr Einheitlichkeit in der Ausbildung, mehr Einheitlichkeit in den taktischen Strukturen und eine bessere Vereinbarkeit der Technik", sagt Cimolino. Dann könnten im Notfall Einsatzkräfte des einen Bundeslandes besser ihre Kollegen in einem anderen Bundesland unterstützen.

Aus dem Innenministerium heißt es allerdings, das man bereits gut über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeite. Ein bundeseinheitliches Konzept sieht man hier eher kritisch, da es in den Wäldern "sehr länderspezifische Anforderungen gibt".

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