Schwere Vorwürfe gegen Jugendamt Iserlohn

Heinz Krischer

  • 20 Frauen bezweifeln Kindeswohlgefährdung
  • Jugendamt betont: Kindeswohl steht im Vordergrund
  • Jugendhilfegesetz wird Thema im Bundestag

In Iserlohn haben sich rund 20 Frauen zusammengeschlossen und machen vor allem dem Jugendamt Iserlohn schwere Vorwürfe: Wegen angeblicher Kindeswohlgefährdung sollen Müttern ihre Babys weggenommen worden sein – obwohl den Kindern möglicherweise auch anders hätte geholfen werden können.

Betroffene Mutter mit Anwalt Thorsten Künzel | Bildquelle: WDR

Ein Fall ist der einer 25-jährigen Frau und ihrer kleinen Tochter. Die 25-Jährige hat psychische Probleme, deshalb hatte die Oma das Jugendamt Iserlohn eingeschaltet und um Unterstützung gebeten. Beispielsweise in Form einer Familienhelferin, die regelmäßig nach dem Rechten sieht.

Mutter hätte sich Unterstützung gewünscht

Das hätte sie auch gut gefunden, sagt die junge Mutter dem WDR. Sie habe eingesehen, dass sie Hilfe brauchte: "Ich wäre auch in eine Mutter-Kind Einrichtung gegangen, habe selber danach gefragt." Doch das Jugendamt habe das als "optionslos" abgelehnt und ihr das vier Monate alte Baby weggenommen.

Vorwürfe gegen Jugendamt Iserlohn WDR 5 Westblick - aktuell 20.02.2019 04:05 Min. WDR 5 Von Heinz Krischer

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Mutter steht am Kinderbett | Bildquelle: WDR

Der Vorwurf der Mutter und ihres Anwalts lautet jetzt: Das war viel zu schnell gehandelt, da hätte man zunächst andere Hilfen ausprobieren können. Denn es gab wohl keine konkreten Belege für eine akute Kindeswohlgefährdung. Eine Kinderärztin hatte das Baby untersucht und nichts Auffälliges festgestellt.

Jugendamt sei grundsätzlich bereit, mit Eltern zusammenzuarbeiten

Das Jugendamt Iserlohn will wegen laufender Gerichtsverfahren zu dem Fall nichts sagen. Grundsätzlich aber betont man, normalerweise versuche man mit den leiblichen Eltern zusammenzuarbeiten.

Letztlich stehe aber das Kindeswohl im Vordergrund. Das wird angesichts von Kindesmissbrauchs-Fällen wie denen in Lügde eindringlich von Jugendämtern gefordert.

Weil Klagen wie die der Mutter aus Iserlohn immer häufiger aufkommen, will die Politik jetzt reagieren. "Mich erreichen wöchentlich Berichte über Fälle, in denen Kinder aus ihren Familien genommen werden, ohne dass eine tatsächliche Kindeswohlgefährdung vorliegt".

Untersuchung soll Vorwürfe überprüfen

Das sagt Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU im Bundestag. "Wir wollen ein wissenschaftliches Fundament zur Einschätzung dieser Anschuldigungen schaffen." Deshalb soll am Donnerstag (21.02.2019) ein Antrag zur Änderung des Jugendhilfegesetzes im Bundestag eingebracht werden.

In einer breit angelegten Untersuchung soll geklärt werden, was an den Vorwürfen der Mütter dran ist, welche Konsequenzen man daraus ziehen soll. Und die sollen dann in ein neues Jugendhilfegesetz einfließen.