Elmar J. und sein Anwalt Ashraf Abouzeid am Tag der Urteilsverkündung am Paderborner Landgericht

Lübcke-Mord: Freispruch für vermeintlichen Waffenverkäufer

Stand: 27.01.2022, 11:34 Uhr

Das Paderborner Landgericht hat den Borgentreicher Elmar J. vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Ihm war vorgeworfen worden, die Waffe verkauft zu haben, mit der der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke erschossen wurde.

Von Fiona Keimeier

Nach drei Tagen Beweisaufnahme, elf Zeuginnen und Zeugen und zwei Sachverständigen ist das Landgericht Paderborn zum diesem Urteil gekommen. Neben dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung, von dem Elmar J. aus Borgentreich freigesprochen wurde, war ihm auch der unerlaubte Besitz von Munition vorgeworfen worden. Deswegen ist er zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt worden.

Angaben des Lübcke-Mörders widersprüchlich

Der Verdacht fiel im Juni 2019 auf Elmar J., weil der Täter Stephan E. im Mordfall Walter Lübcke angab, die Waffe bei ihm gekauft zu haben. Allerdings hatte er im Laufe mehrerer Vernehmungen unterschiedliche Angaben gemacht.

Über dieses Thema haben wir am 26.01.2022 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädierten auf Freispruch

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger des 66-jährigen Mannes aus Borgentreich forderten in ihren Plädoyers, dass Elmar J. freizusprechen sei.

Man habe ihm in der Verhandlung nicht zweifelsfrei beweisen können, die Tatwaffe an den Lübcke-Mörder Stephan E. verkauft zu haben. Für die Staatsanwaltschaft schien das zwar weiterhin möglich, überzeugt davon sei sie aber nicht.

Dessen Aussagen waren immer wieder thematisiert worden. Allerdings ging es dabei vor allem um die Frage: Wie glaubwürdig sind die Aussagen von Stephan E., in denen er den Borgentreicher bezichtigte?

Keine Aussage von Stephan E. im Prozess

Der verurteilte Stephan E. hatte von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Er war usprünglich auch als Zeuge geladen gewesen, allerdings befindet sich sein Verfahren noch in Revision.

Die Staatsanwaltschaft hatte deswegen zuletzt gefordert, das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Elmar J. auszusetzen - und zwar bis Stephan E. sich persönlich zu den mutmaßlichen Waffenverkäufen äußern kann.

Diesen Antrag lehnten die Richter am Paderborner Landgericht aber ab.

Entschädigung für halbes Jahr Untersuchungshaft

Mitte 2019, kurz nach dem Attentat auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, wurde Elmar J. der Beihilfe zum Mord verdächtigt. Er war auf seinem Grundstück in einem kleinen Ort bei Borgentreich festgenommen worden und verbrachte danach mehr als sechs Monate in Untersuchungshaft. Er wird für diese Zeit entschädigt.