Kreis Steinfurt: Pfarrer verteilt Nikolaus-Tüten an Truckerfahrer

Von Heike Zafar

Sie kämpfen gegen Ausbeutung: Am Sonntag haben Pfarrer Peter Kossen und ein Mitstreiter an der Autobahn-Raststätte Tecklenburger Land Nikolaus-Tüten an Lkw-Fahrer verteilt.

Eine Nikolausüberraschung für die Truckerfahrer an der A1:  Es gibt Tüten mit Schoko-Nikoläusen, Mandarinen, löslichem Kaffee, Duschgel und Wurst. Pfarrer Peter Kossen und sein Mitstreiter Kaplan Ernst Willenbrink haben damit den Lkw-Fahrern  am 2. Adventssonntag auf den Rastplätzen Tecklenburger Land und dem Autohof Ladbergen eine große Freude gemacht.

Überraschung für Trucker:innen an der A1 Lokalzeit Münsterland 06.12.2021 03:14 Min. Verfügbar bis 06.12.2022 WDR Von Heike Zafar

Ziel: Gespräch mit Fahrern

Noch wichtiger aber als die Verteilung von Süßigkeiten und Fleisch ist es den beiden Priestern, mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen. "Die meisten kommen aus Rumänien, Polen oder Ungarn, viele waren seit Wochen oder Monaten nicht mehr zuhause. Ihr Leben findet am Rande der Autobahn statt", sagt Pfarrer Kossen.

Truckerfahrer Slawek kocht vor seinem Laster | Bildquelle: WDR/Heike Zafar

Beispiel Slawek aus Rumänien.  Die Kabine im Lkw ist längst sein Zuhause geworden, er  ist wochenlang quer durch Europa unterwegs. Er schläft in seinem Lkw, sein Essen bereitet er vor der Kühlerhaube vor. Und so geht es auch den Truckern, die neben ihm  geparkt haben. Zum Waschen gibt es eine Dusche auf dem Autohof. Drei Euro müssen sie dafür  ahlen.  Ein Hotel können sie sich nicht leisten.

"Viele der Fahrer werden von Personaldienstleistern ausgebeutet" , sagt Pfarrer Kossen. "Sie fahren mit hohem persönlichen Risiko für minimalste Löhne. Wir sind gekommen, um zu sagen, dass wir das sehen. "

Mit den Geschenktüten verteilen Peter Kossen und Kaplan Willenbrink auch Grußkarten in polnisch, rumänisch und ungarisch. Bei den Truckern kommt die kleine Abwechslung  an diesem trist-nassen Adventssonntag gut an.

Pfarrer kämpft für Rechte von Billiglöhnern

Es ist nicht das erste Mal, dass Pfarrer Peter Kossen den Kontakt zu den Fahrern sucht. Er kämpft schon lange für die Rechte der Billiglöhner aus Süd- und Osteuropa, für die Arbeiter in der Fleischindustrie, bei Paketdiensten, in Pflegeberufen oder Privathaushalten.

"Sie  werden behandelt wie Menschen zweiter Klasse, wie Leibeigene", sagt Kossen und man spürt seine Wut. Mit seinem Verein "Würde und Gerechtigkeit" mit Sitz in Lengerich will er den Menschen helfen und sie über ihre Rechte informieren. Die Trucker zum Beispiel wissen oft nicht, dass sie laut Gesetz das Recht haben, spätestens nach zwei Wochen im Lkw im Hotel zu übernachten. Tatsächlich fehlt ihnen aber dafür meist das Geld.

150 Nikolaus-Tüten konnte Pfarrer Kossen verteilen | Bildquelle: WDR/Heike Zafar

Pfarrer Kossen hatte in seiner Gemeinde in Lengerich um Spenden für die Nikolaustüten gebeten. Mit Erfolg: Insgesamt waren150 Tüten zusammengekommen.