Trauer und Aufarbeitung

WDR extra 08.04.2018 02:09 Min. Verfügbar bis 29.04.2040 WDR

Am Tag danach: Münster hält zusammen

Stand: 08.04.2018, 16:08 Uhr

  • Fassungslosigkeit über die Ereignisse von Münster
  • Stimmung der Anteilnahme und Solidarität
  • Gedenkgottesdienst am Abend

Von Tobias Burgholz

Der Schock sitzt bei den Bewohnern der Stadt tief. Am Samstagnachmittag (07.04.2018) war ein Campingvan in Münsters Innenstadt in eine Menschenmenge gefahren, es gab zwei Tote und viele Verletzte. Die Stille, die sich unmittelbar danach über die Stadt legte, ist auch einen Tag später noch spürbar. Gespräche werden leise geführt, Lachen ist keinerorts zu hören.

"Es geht mir durch Mark und Bein"

Auch viele Augenzeugen, die sich am Samstag in unmittelbarer Nähe des Geschehens aufhielten, kommen einen Tag später an den Tatort zurück. Eine Kundin, die sich während der Tat in einem nahegelegenen Geschäft aufhielt, weiß noch, wie Schreie von draußen in das Geschäft drangen.

Eine Frau legt am Tatort Blumen nieder

"Ich habe nur gehört, wie Leute auf der Straße geschrien haben, dass etwas ganz Schlimmes passiert ist und es geht mir durch Mark und Bein", erinnert sie sich. Das ist es auch, was viele andere Menschen an den Ort des Geschehens bringt. Sie wollen verarbeiten, begreifen, verstehen, was da gestern diesen Frühlingstag erschüttert hat.

Münsteraner reagieren besonnen

In die Erschütterung und die Fassungslosigkeit über die Ereignisse mischt sich einen Tag später aber auch eine Stimmung des Zusammenhalts. "Gut, dass alle Leute hier so ruhig und besonnen stehen", lobt eine Passantin in unmittelbarer Nähe des Tatorts die Reaktion vieler Menschen.

Das ist auch der Ort an dem die Solidarität und Anteilnahme vieler Menschen greifbar wird. Viele Menschen verharren hier, halten inne oder legen Blumen nieder. Die Frage die heute über allem steht, bringt ein Plakat in mitten der Blumen zum Ausdruck. "Warum?" steht in großen Buchstaben darauf.

Trauer und Motivsuche in Münster

Große Anteilnahme in Münster: Viele Bürger und hochrangige Politiker kamen einen Tag nach der Amokfahrt an den Tatort, um der Opfer zu gedenken.

Erste Blumen liegen an dem Brunnen des Kiepenkerls vor einem Restaurant in der Altstadt

Der Tatort in Münster - einen Tag nach der Amokfahrt in Münster, bei dem zwei unbeteiligte Menschen ums Leben kamen und 25 Menschen verletzt wurden. An dem eigentlich belebten Platz stehen nun Absperrgitter.

Der Tatort in Münster - einen Tag nach der Amokfahrt in Münster, bei dem zwei unbeteiligte Menschen ums Leben kamen und 25 Menschen verletzt wurden. An dem eigentlich belebten Platz stehen nun Absperrgitter.

Bürger hatten bereits am Sonntagmorgen (08.04.2018) Blumen abgelegt.

Viele Pressevertreter hatten sich ebenfalls in der Stadt eingefunden. Sie warteten vor allem auf den Besuch von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU).

Am Mittag legte Seehofer gemeinsam mit Innenminister Herbert Reul und Ministerpräsident Armin Laschet Blumen am Tatort ab. "Dieses feige und brutale Verbrechen hat uns alle sehr betroffen gemacht", sagte Seehofer.

Jetzt sei die Stunde der Ermittler, sagte Innenminister Herbert Reul an die wartenden Pressevertreter gewandt. Den Medien dankte der Innenminister dafür, dass sie in ihrer Berichterstattung nicht über den Täter und seine möglichen Motive spekuliert hätten. Sie hätten sich alle "sehr verantwortlich verhalten". Nun ginge es in erster Linie auch um die Betreuung der Opfer.

Der Vorfall zeige erneut, dass es leider keine absolute Sicherheit gebe. Es gebe im Moment starke Hinweise, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt habe und kein Bezug zur Terrorszene bestehe, sagte Seehofer. Es werde aber weiter in alle Richtungen ermittelt.

Nach den Motiven der Tat fragten nicht nur Ermittler und Politiker. Ein Besucher am Tatort hatte seine drängendste Frage auf einem großen Pappschild formuliert.

Die Leitende Oberstaatsanwältin von Münster, Elke Adomeit, sagte, dass der mutmaßliche Täter der Polizei bereits wegen kleinerer Delikte bekannt gewesen sei. Es habe drei Verfahren in Münster gegeben und eines in Arnsberg aus den Jahren 2015 und 2016 - sie seien alle eingestellt worden.

Dank an die Einsatzkräfte

Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster, Herbert Reul, Horst Seehofer, Armin Laschet, Ministerpräsident NRW,  auf dem Prinzipalmarkt in der Altstadt

Vertreter der Politik kamen, um ihr Beileid zu bekunden

Auch einen Tag später wimmelte es im gesamten Innenstadtbereich von Polizei- und Einsatzkräften, nicht zuletzt auch aufgrund des Besuchs von Bundesinnenminister Horst Seehofer und NRW-Ministerpräsident, die am Tatort Blumen niederlegten und der Opfer gedachten. Immer wieder treten Bürger an Polizeibeamte heran und bedanken sich bei den Einsatzkräften für deren Arbeit.

Wieder ein wenig Alltag

Am Sonntag (08.04.2018) hält aber auch der Alltag wieder ein Stück weit Einzug in Münsters Innenstadt. Die Cafés, Eisdielen und Restaurants sind wieder geöffnet, die Menschen genießen das gute Wetter.

Dazu trägt wohl auch der Umstand bei, dass ein terroristischer Hintergrund der Amokfahrt derzeit ausgeschlossen wird und es sich nach aktuellen Informationen um die Tat eines labilen Einzeltäters handeln soll.

Am Tag nach der Amokfahrt: "Münster ist heute eine andere Stadt"

WDR 2 08.04.2018 03:20 Min. Verfügbar bis 29.04.2040 WDR 2


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