Kommentar zu Genns Auftritt nach Missbrauchsgutachten: "Beim Geld hört es dann doch auf"

Stand: 18.06.2022, 07:38 Uhr

Münsters Bischof Felix Genn hat am Freitag Stellung bezogen zum Missbrauchsbericht der Uni Münster. Einen Rücktritt schloss er aus. Zugleich kündigte er zahlreiche Reformvorhaben an. Ein Kommentar.

Von Theo Dierkes

Der Auftritt des Bischofs war kein Befreiungsschlag und wird kaum dazu dienen, Betroffene zu besänftigen. Zwar hat er versucht, alles richtig zu machen, beim Geld hört es aber dann doch auf. Ehrenwerte Reformziele hat er genannt, etwa die Bereitschaft, auf Macht zu verzichten, das Versprechen, Täter besser zu kontrollieren, mehr Transparenz, mehr Beteiligung, mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Aber das lässt nicht darüber hinwegsehen, dass das Thema Entschädigung der Betroffenen in der Bischofsrede ausgespart wurde. Viele Betroffenen haben überhaupt kein Interesse, die Kirche zu retten, sie wollen einfach einen angemessenen Ersatz für erlittenes Unrecht. Es reicht nicht, den Betroffenen Aufarbeitung und kirchliche Reformen zu versprechen. Sie wollen mehr Geld.

Es reicht nicht, die Bischofsgruft abzuschließen

Grundsätzlich will Münsters Bischof wohl weiter gehen als etwa der Kölner Kollege. Eine Betroffenenvertretung von Bischofs Gnaden etwa soll es bei ihm nicht geben. Die Betroffenen organisieren sich selbst. Es ist ein Fortschritt, wenn auch diejenigen, die in der neuen Aufarbeitungskommission mitarbeiten, nicht vom Bischof berufen werden müssen. Vielmehr laden sie den Bischof zum Gespräch. Damit geht Münster weiter als zwischen Deutschen Bischöfen und Bundesregierung verabredet ist. 

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Aber ich bezweifle, dass diese Erklärung die Abschaffung des Klerikalismus bringt. Auch die bischöflichen Vorgänger erwähnte Genn nur ganz vorsichtig. Ein anderer, dem viele Vorwürfe gemacht wurden, bleibt Ehrendomkapitular. Nein, es reicht nicht, die Bischofsgruft unter dem Dom künftig abzuschließen.  

Ganz aufrichtig, aber eben keine neue Wahrheit

Genn will bleiben, der Missbrauch soll gehen! Ich glaube Münsters Bischof, dass er wirklich erschüttert ist über die mangelnde Empathie vergangener Bischofsgenerationen. Ob die Erklärung aus Münster aber wirklich ein Schritt in Richtung Demut der Kirchenobern ist, muss sich noch zeigen. Beim Reformprozess "Synodaler Weg" ist eine bischöfliche Zwei-Drittel-Mehrheit für die dringend nötige Reformschritte noch unsicher. Und so bleibt das Ganze ganz aufrichtig, aber eben keine neue Wahrheit.