Bundestagswahl: So hat Südwestfalen gewählt

Südwestfalen hat gewählt - und als klarer Gewinner dürfen sich die Grünen fühlen. Auch die SPD legte zu, die CDU musste teils heftige Verluste hinnehmen. Trotzdem gehen alle fünf Direktmandate an sie.

In allen fünf Wahlkreisen Südwestfalens konnten die Grünen ihr Ergebnis bei den Zweitstimmen im Vergleich zu 2017 in etwa verdoppeln. Beispielsweise kamen sie im Kreis Soest auf 13,6% aller Stimmen - 2017 hatten sie noch 6,2% geschafft. Ein identisches Bild ergibt sich im Wahlkreis 150 Märkischer Kreis II: Hier steigerten sich die Grünen von 4,9% auf 10,4%.

SPD dreht Zweitstimmen-Ergebnis in zwei Kreisen

Einen besonderen Erfolg konnte die SPD im Kreis Siegen-Wittgenstein für sich verbuchen: Dort drehte sie das Ergebnis von 2017 und holte die meisten Zweitstimmen. Fast 31,3% der Zweitstimmen gingen an die Sozialdemokraten - ein Zuwachs von knapp fünf Prozentpunkten. Die CDU sackte gleichzeitig von 34% auf 26,2% und ist bei den Zweitstimmen nur noch zweitstärkste Kraft.

Auch im nördlichen Märkischen Kreis (MK II) holte die SPD die meisten Zweitstimmen: 29,6 Prozent gingen an die Sozialdemokraten, 28,3 Prozent an die Christdemokraten. Auch hier sah es 2017 noch umgekehrt aus.

Gespannte Blicke ins Sauerland

Merz setzte sich im April gegen Sensburg durch | Bildquelle: WDR/Krischer

Spannende Konstellationen hatte es bei den Direktkandidatinnen und Direktkandidaten gegeben, die über die Erststimmen gewählt wurden. Besonderes Augenmerk galt dem Hochsauerlandkreis, wo sich Polit-Promi Friedrich Merz im Vorfeld in einer Kampfkandidatur gegen den bisherigen CDU-Bundestagsabgeordneteten Patrick Sensburg durchgesetzt hatte. Er war damit für die CDU als Direktkandidat ins Rennen gegangen - begleitet von großem medialen Interesse.

Friedrich Merz zu seinem CDU-Abschneiden 00:25 Min. Verfügbar bis 26.09.2022

In der traditionellen CDU-Hochburg Hochsauerland konnte sich Merz, der den Wahlkreis bereits von 1994 bis 2009 in Berlin vertreten hat, erwartungsgemäß durchsetzen. Mit 40,4% der Stimmen blieb er aber klar unter dem Ergebnis seines Vorgängers Sensburg, der 2017 noch rund 48% eingefahren hatte.

Merz: "Handschuhe anziehen und arbeiten"

Symbolisches Geschenk: Friedrich Merz mit Arbeitshandschuhen | Bildquelle: WDR/Heinz Krischer

In einer ersten Reaktion zeigte sich der 66-Jährige "nicht wirklich besonders zufrieden." Er sei dankbar für die Mehrheit, aber auch gespannt darauf, wo "unsere Schwächen lagen": "Das müssen wir uns anschauen." Von seinem Kreisvorsitzenden bekam Merz symbolisch Arbeitshandschuhe geschenkt: "Ich werde die Handschuhe anziehen und arbeiten", kündigte Friedrich Merz im Gespräch mit dem WDR an.

Jubel bei der SPD in Brilon | Bildquelle: WDR/Heinz Krischer

Einen Achtungserfolg schaffte sein SPD-Gegenkandidat Dirk Wiese - seit 2013 im Bundestag: Er kam im Hochsauerland auf 32,2% der Stimmen. Im direkten Duell musste er sich zwar geschlagen geben, dennoch zieht Wiese wieder in den Bundestag ein: Er hat sein Mandat durch eine hohe Platzierung auf der NRW-Landesliste sicher.

Müller folgt auf Heider

Künftig im Bundestag: Florian Müller (links) | Bildquelle: WDR/Vanja Petrovic

Auch der Wahlkreis Olpe-Märkischer Kreis I bleibt in CDU-Hand: Künftig sitzt der 33-jährige Florian Müller aus Drolshagen erstmals im Bundestag. Der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende folgt auf Dr. Matthias Heider, der nicht wieder angetreten war.

Das Team der SPD verfolgt das Wahlergebnis im Olper Kreishaus | Bildquelle: WDR/Vanja Petrovic

Mit knapp 37,1% der Stimmen büßte Müller im Vergleich zu Heiders Ergebnis (47,9%) aus 2017 allerdings fast elf Prozentpunkte für die CDU ein. SPD-Gegenkandidatin Nezahat Baradari kam auf 29,6% - damit verbesserte sie ihr Ergebnis aus 2017, als sie noch 26,3% erreicht hatte.

Kopf-an-Kopf-Rennen sorgt für Spannung

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen gab es in Siegen-Wittgenstein: Hier lagen der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein - seit 2009 im Bundestag - und seine SPD-Herausforderin Luiza Licina-Bode lange Zeit nah beieinander.

Am Ende konnte Volkmar Klein sein Direktmandat behaupten. Auch er musste aber starke Verluste hinnehmen: Klein fuhr diesmal 33,6% der Stimmen ein - knapp sieben Prozentpunkte weniger als 2017. Licina-Bode kam auf 30,4%.

Laura Kraft | Bildquelle: WDR/privat

Die Grünen-Kandidatin Laura Kraft verbuchte rund 10,3% aller Erststimmen. Die 31-Jährige zieht über die Landesliste ihrer Partei in den Bundestag ein - am Sonntagabend war lange unklar, ob das Zweitstimmen-Ergebnis der Grünen in NRW dafür ausreichen würde.

Außer Kraft kommen noch sieben andere Politiker aus Südwestfalen über die Landeslisten ihrer Parteien in den Bundestag: für die SPD Wolfgang Hellmich aus Soest, Nezahat Baradari aus Attendorn und Luiza Licina-Bode aus Bad Laasphe sowie Dirk Wiese und Bettina Lugk. Und über die FDP-Landesliste schaffen Johannes Vogel aus Olpe und Carl-Julius Cronenberg aus Arnsberg den Sprung in den Bundestag.

Auch Märkischer Kreis II jetzt in CDU-Hand

Bei der CDU-Wahlparty in Iserlohn war die Stimmung eher gedämpft | Bildquelle: WDR/Frank Strohdiek

Der Wahlkreis Märkischer Kreis II geht von der SPD an die CDU. Dort war die langjährige SPD-Abgeordnete Dagmar Freitag nicht mehr angetreten, gleichzeitig war diesmal mit CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak aus Iserlohn ein bekannter Bundespolitiker ins Rennen gegangen. Am Ende setzte sich Ziemiak mit rund 33,7% der Stimmen gegen die SPD-Kandidatin Bettina Lugk (30,4%) durch.

Thies büßt ein, behauptet aber Mandat

Hans-Jürgen Thies | Bildquelle: WDR/privat

Im Kreis Soest behauptete Hans-Jürgen Thies (CDU) sein Direktmandat. Er holte den Wahlkreis mit 33,1% der Stimmen - verlor damit aber mehr als neun Prozentpunkte im Vergleich zu 2017.

Thies' Kontrahent Wolfgang Hellmich (SPD) konnte sein Ergebnis um knapp zwei Prozentpunkte verbessern - von 29,3% auf knapp 30,8%. Bei der letzten Bundestagswahl war Hellmich noch über die Landesliste nach Berlin gekommen. Ob das diesmal wieder so sein wird, stand am späten Sonntagabend noch nicht fest.

Zufriedenheit bei FDP-Kandidaten

Zufrieden war auch der FDP-Kandidat Fabian Griewel, der im Kreis Soest zehn Prozent aller Stimmen holte. Er zeigte sich sicher, dass die FDP an der nächsten Bundesregierung beteiligt sein wird. Der 24-jährige Landesvize bei den Jungen Liberalen hat selbst Chancen, über die Landesliste in den Bundestag einzuziehen.

AfD-Sprecher Berengar Elsner von Gronow aus Soest wird nicht mehr im Bundestag vertreten sein: Er wurde von seiner Partei nicht mehr für die Landesliste berücksichtigt, bei den Erststimmen holte er lediglich 7,9 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag in Südwestfalen zwischen 73 und 78 Prozent. Die höchste Wahlbeteiligung gab es mit 78,1 Prozent im Hochsauerlandkreis und im Kreis Siegen-Wittgenstein, die niedrigste mit 73,4 Prozent im Märkischen Kreis II.