Wann, wo und für wen gibt es die vierte Impfung?

Stand: 10.06.2022, 14:00 Uhr

Auf die dritte Corona-Impfung folgt für viele Menschen bereits die vierte. Bislang aber nicht für alle. Wann wer den zweiten Booster bekommt. Fragen und Antworten.

Was muss man zur vierten Impfung, also dem zweiten Booster, wissen? Fragen und Antworten.

Im Herbst könnte die nächste Corona-Welle auf uns zurollen. Wann kann ich mich ein zweites Mal boostern lassen?

Die Bundesregierung will allen Interessierten bis zum Herbst eine vierte Corona-Impfung ermöglichen. Das hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Mitte Mai angekündigt. Dafür werde eine große Menge neuer Impfstoff geordert, der derzeit noch entwickelt wird.

Zwei neue Impfstoffe sind vorgesehen: Einmal ein auf die Omikron-Varianten abgestimmtes Vakzin, das die deutsche Firma Biontech derzeit entwickelt. Dann soll es noch einen Impfstoff von Moderna geben. Dieser soll sowohl auf die Omikron- als auch auf die ursprünglichen Wuhan-Varianten abzielen.

Zu einer generellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für einen zweiten Booster sagte Lauterbach, sie wäre wünschenswert - für Menschen bis 70 Jahren fehlten aber noch Daten.

Wer soll sich bisher die vierte Impfung holen?

Den Über-70-Jährigen rät die Stiko bereits zu einer zweiten Auffrischungsimpfung. Zudem sollen Menschen in Pflegeeinrichtungen, Menschen mit Immunschwäche ab fünf Jahren sowie Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen aus Sicht der Stiko eine zweite Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff geben.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach verwies am 25. März auf neue Studien, wonach auch diejenigen von einer vierten Impfung profitierten, die noch nicht 70 Jahre alt sind, aber weitere Risikofaktoren haben, also auch bereits Menschen über 60. Er habe die Stiko daher darum gebeten, die Empfehlung dahingehend zu überprüfen.

Bei gesundheitlich gefährdeten Menschen soll der zweite Booster frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischimpfung erfolgen, das Personal in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen solle den zweiten Booster frühestens nach sechs Monaten erhalten.

Für Menschen, die nach der ersten Auffrischimpfung eine Corona-Infektion durchgemacht haben, empfiehlt die Stiko keine zweite Auffrischungsimpfung.

Warum sollen sich diese Gruppen schon wieder impfen lassen?

Die Stiko begründete ihre Empfehlung damit, dass es laut Studienlage nach der ersten Auffrischimpfung binnen weniger Monate einen schwindenden Infektionsschutz gegen die Omikron-Variante gebe. Das sei vor allem für Menschen ab 70 und Menschen mit Immunschwäche, die besonders gefährdet für einen schweren Verlauf seien, ein Risiko. Der zweite Booster solle den Schutz verbessern.

Ist man mit dem bisherigen Impfstoffen vor Omikron geschützt?

Ja, vor allem nach der ersten Booster-Impfung hat man auch mit den bisherigen Impfstoffen einen hohen Schutz vor einem schweren Corona-Krankheitsverlauf. Das zeigen unter anderem die Wochenberichte des Robert Koch-Instituts mit den Zahlen zur Hospitalisierung. Trotzdem kann es auch nach einer Auffrischungsimpfung zu einem Impfdurchbruch mit schwerem Verlauf kommen.

Wird die vierte Corona-Impfung mit der Grippe-Impfung verbunden?

Grundsätzlich ist keine Verknüpfung zwischen vierter Corona-Impfung und Grippe-Impfung vorgesehen. Beide Impfungen können aber problemlos quasi gleichzeitig erfolgen. So sagt es die Ständige Impfkommission (Stiko).

Welche Erfahrungen gibt es mit der vierten Impfung aus anderen Ländern?

Daten aus Israel deuten auf einen eher geringen Zusatznutzen einer vierten Corona-Impfdosis beim Schutz vor Omikron-Ansteckungen hin. Bei Personal im Gesundheitswesen sind mit einer vierten Dosis eines mRNA-Impfstoffs zwar Antikörper-Spiegel wie kurz nach dem ersten Booster wiederhergestellt worden, allerdings sind Durchbruchsinfektionen verbreitet gewesen. Das haben israelische Forscherinnen und Forscher herausgefunden.

Die Effektivität der vierten Dosis mit Blick auf Schutz vor einer Ansteckung mit der Omikron-Variante wird von den Forschern mit elf Prozent (Moderna) bis 30 Prozent (Biontech) angegeben im Vergleich zu Dreifachgeimpften. Wegen der angenommenen Wirkung gegen schwere Krankheit und Tod dürften laut den Autorinnen und Autoren ältere und gefährdete Gruppen am ehesten von einer vierten Dosis profitieren.

Die Verläufe bei infiziertem Gesundheitspersonal waren laut der Untersuchung zwar meist sehr mild, der Großteil von ihnen wies jedoch relativ hohe Viruslasten auf. In seinem Fazit schreibt das Team, dass dringend ein an Omikron angepasster Impfstoff nötig sei. Insgesamt lassen die Daten demnach vermuten, dass eine vierte Dosis die Immunität nicht zusätzlich steigert, sondern einfach Spitzenwerte wiederherstellt. "Diese Daten aus Israel sprechen eher gegen 4. Impfung für alle", twitterte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Mitte Februar.

Über dieses Thema berichtete 18.05.2022 auch die "Aktuelle Stunde" im WDR Fernsehen.

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